Das war die Photo+Adventure 2014 in Linz

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Mein erster Rundgang ergab, es gibt viel zu sehen, gerade im Obergeschoss wo die Fotoausstellung aufgebaut ist. Nicht nur ausgewählte Fotos konnten bestaunt werden, auch präsentierte die Firma Fachcolor Bühler GmbH Fotos hinter Glas kaschiert. Hört sich wesentlich unspektakulärer an als es tatsächlich ist! Das Premiumprodukt "UltraSec(R) M" ist ein vergütetes, hochtransparentes Museumsglas. Nicht nur schützt es das (ausbelichtete, nicht gedruckte!) Bild vor UV Strahlung, auch erzeugt es durch die Vergütung kaum Reflexionen. Die Brillianz und Schärfe des Bildes wird geradezu fast unglaublich hoch. Vorausgesetzt das verwendete Bild ist natürlich entsprechend gut ;) Ganz billig ist der Spaß aber nicht, rund 500€ zahlt man pro Quadratmeter, ab 0,3 Quadratmetern kann man Bilder ordern. Formate bis 180 x 305cm sind kein Problem, egal in welchem Format, es wird Millimetergenau gearbeitet wie mir eine freundliche Mitarbeitern erklärte. Für weniger Geld gibt es dann auch noch die Kaschierung hinter Acrylglas, sowie die Kaschierung auf Dibond-Verbundplatten. An die Brillianz des UltraSec(R) M kommen diese Varianten aber bei weitem nicht heran. Ach ja, die Wand muss auch ein bisschen belastbar sein, ein Bild hinter Museumsglas wiegt rund 12kg pro Quadratmeter! Mal schauen, vielleicht gönne ich mir von einem meiner absoluten Lieblingsbilder ja so eine Ausgabe...

Nachdem ich ein paar Runden gedreht hatte, kam ich am Stand der Innung der Berufsfotografen zu Stehen. Der Innungsmeister persönlich stellte sich meinen Fragen zum Thema Berufsfotograf - Freies Gewerbe seit 28.12.2013. Bis dahin konnte man nur Berufsfotograf werden, wenn man eine einschlägige Ausbildung -zumeist eine Lehre- vorweisen konnte. Im Dezember 2013 kippte der Verfassungsgerichtshof die Reglementierung und seit dem 28.12.2013 kann quasi jeder ein Gewerbe als Berufsfotograf anmelden. Dies wurde auch von vielen genutzt, wie mir Herr Weinwurm berichtet, derzeit sind über 6.000 Gewerbeberechtigungen ausgestellt. Im Dezember 2013 waren es nur rund 2.300! Problematisch sieht der Innungsmeister weniger die sinkende Qualität -ich persönlich lasse mir von einem Fotografen vorher seine Arbeit zeigen; wenn mir nicht gefällt was ich sehe, suche ich mir einen anderen- als das Preisdumping bzw. Preisshopping. Der österreichische Markt bietet Platz für etwa 2.500 hauptberuchliche Fotografen. Also jene Fotografen die davon Leben können. Viele "neue Berufsfotografen" machen aber nur ihr Hobby zum Nebenberuf und vergessen dabei, dass zum Berufsfotografen mehr gehört als nur "Fotos machen". Gerade im Bereich "Wie kalkuliere ich richtig" fehlt es oft an Wissen beklagt der Innungsmeister. Neben der Zeit (und der Anreise) für ein Shooting muss der Berufsfotograf natürlich auch die Zeit mit einkalkulieren, die für Vorbereitung sowie -der Hauptteil der Arbeit!- für die Bildbearbeitung benötigt wird. So ergibt sich aus einem "einfachen" 4-stündigen Hochzeitsshooting für den Fotografen mit Sicherheit ein Zeitaufwand von insgesamt 10, vielleicht sogar 15 Stunden. Die Branche befindet sich gerade in einem großen Wandel, man darf gespannt sein, wie die Entwicklung weiter geht.

Canon EF 600mm f/4 L IS USM II mit EOS 1Dx

Weiter zu Canon und zur 7D Mk II. Diese wurde schon auf der Photokina vorgestellt, aber ich habe mir erst jetzt die Zeit genommen, sie mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie ist sehr kompakt, ich persönlich würde vermutlich den Batteriegriff dazu nehmen, damit sie besser in der Hand liegt. Besonders toll sind die Autofokuspunkte. Meine "alte" 5D (ja die Mk I) hat ja nur eine Handvoll in Rautenform angeordnet. Die 7D Mk II hat den Autofokus vom großen großen Bruder, der 1Dx geerbt. Und das sind insgesamt 65 Autofokuspunkte! Blendet man diese alle ein, sieht man kaum mehr etwas vom Motiv! Es ist echt unglaublich, hätte ich noch meine 300D (meine erste DSLR), ich würde mir auf der Stelle die 7D Mk II holen! Warum ich es nicht trotzdem mache? Naja, wenn man einmal Vollformatluft geschnuppert hat, ist es ein bisschen schwer wieder zu APS-C "zurück" zu gehen. Aber mal schauen, vielleicht hole ich mir sie ja doch noch. Der Spiegelschlag ist nämlich sowas von dezent, wenn meine 5D los legt glaubt man ein Maschinengewehr aus dem 2.Weltkrieg legt los...

Auf meine Frage: "Gibt es schon Neuigkeiten zum neuen 100-400mm das angeblich demnächst auf den Markt kommen soll?" lächelte mich der freundliche Canonmitarbeiter nur leicht verschmitzt an und meinte: "Einfach noch ein bisschen Geduld haben und die Nachrichten in nächster Zeit aufmerksam verfolgen." Klingt für mich fast schon als Bestätigung, dass ein Nachfolger für das 16(?) Jahre alte 100-400mm in den Startlöchern steht. Und heute am 11.11. war es dann auch so weit, Canon präsentierte das neue 100-400mm f4.5-5.6L IS USM. Wie schon auf verschiedensten Seiten vermutet und spekuliert besitzt es kein Schiebezoom mehr und ich kam nicht umhin an das 70-300mm von Canon zu denken als ich das neue 100-400mm zum Ersten mal sah.

Da Achim Meurer am Vormittag noch einen Workshop hatte, habe ich während dessen noch den Leuten von Lexar einen Besuch abgestattet. Am Stand von Julius Escher Fotogroßhandel wurde ich fündig. Der Professional Workflow Hub von Lexar bietet die Möglichkeit bis zu 4 (verschiedene) Kartenlesegeräte über einen USB 3.0 Anschluss mit dem Rechner zu verbinden. Dabei können die Karten simultan ausgelesen werden, was natürlich einen enormen Geschwindigkeitszuwachs bedeutet. Für unterwegs bietet Lexar demnächst auch Modelle mit internem Speicher an. Damit kann man von seinen Karten (CF, SD oder XQD) ohne Computer ein Backup machen. Sehr praktisch, wenn man gerade irgendwo in der Natur ist und keinen Computer dabei hat. Man darf auf die Preisgestaltung gespannt sein, es ist nämlich die Frage ob es sich überhaupt lohnt, den Hub von daheim mitzunehmen oder es nicht einfacher ist sich ein wasserdichtes Peli Case und ein paar zusätzlichen Speicherkarten zu kaufen.

Achim Meurer im Fachgespräch

Achim Meurer im Fachgespräch

Mein letzter Besuch auf der Photo+Adventure 2014 bevor es wieder nach Wien ging war der Stand von Achim Meurer. Ich habe ihn letztes Jahr auf der Photo+Adventure bei einem Vortrag über HDR kennen gelernt. Achim ist ein genialer Fotograf der sich dem Thema HDR verschieben hat. Jedem dem jetzt ein knalliges, völlig an der Realität vorbeigehendes Bild in den Sinn kommt, dem sei die Seite von ihm ans Herz gelegt. Es versteht es die verschiedensten Regler in den HDR Programmen (HDR Efex Pro 2, Photomatix, Francis HDR Projects um nur einige zu nennen) so zu bedienen, dass das Foto nicht surrealistisch sondern richtig geschmackvoll aussieht und weites gehend dem entspricht was das menschliche Auge in der Lage ist zu sehen. Die neue HDR Software von Francis hat jetzt einen RAW-Konverter eingebaut. Meine erste Frage an Achim war: "Wozu?" Seine Reaktion war genau die gleiche, als er die Software zum ersten Mal testen durfte, aber es macht durchaus Sinn erklärt er mir. Der Vorteil ist, dass ich Änderungen an den RAW Dateien sofort im fertigen HDR sehen kann und nicht zuerst zurück nach Lightroom, Parameter ein bisschen ändern, exportieren, in die HDR Software importieren, Farbabbilden und sehen, dass das doch etwas zu viel des Guten war. So gesehen macht es durchaus Sinn einen RAW-Konverter im HDR Programm zu haben. Und der Workflow ist auch wesentlich sauberer und schneller. Wir sprachen dann noch ein wenig über den allgemeinen Workflow und über RAW vs. DNG. Nachdem mir bereits von Canon  mitgeteilt wurde, dass DNG keine Option ist (man behalte lieber selber die Kontrolle über das -eigene- RAW Format), sollte man der Thematik nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Achim habe nie darüber nachgedacht ob es klüger (oder besser) wäre beim Importieren in Lightroom in DNG zu konvertieren oder nicht. Solange meine RAW Datei mir die Ergebnisse liefert die ich brauche, ist mir das Format egal, so Achim. Ich mag solche Gespräche, da ich dazu neige mir immer zu viele "technische" Gedanken zu machen. Solange ich eine Software habe, die das Format lesen kann, ist es doch wirklich egal ob CR2, NEF oder DNG... Viel wichtiger ist doch Komposition, Belichtung und so weiter. Ich hoffe jedenfalls, dass Achim auch 2015 wieder einen HDR Kurs bei der Photo+Adventure anbietet, den werde ich nämlich mit großer Sicherheit besuchen um noch mehr von einem Profi zu lernen.

Ach ja, da wir gerade dabei sind! Die nächste Photo+Adventure ist vom 21. bis 22.11. 2015 in Wien. Und da wird dann Michael, der diese Messe auslassen musste und stattdessen das Bett hütete (Gute Besserung im übrigen), dabei sein und vielleicht drehen wir dann auch das eine oder andere kurze Video.

Erwähnenswert sind auch noch die Jungs von Sagafoto die neben Profoto (Softboxen und Reflektoren) auch Novoflex (Stative und Zubehör) und Think Tank Photo (Rucksäcke, etc.) im Programm haben. Ich persönlich bin durch Jared Polin, aka The FRO, auf Think Tank Photo aufmerksam geworden und liebe die Produkte! Und die Jungs von Sagafoto können einem so gut wie jedes Produkt von Think Tank Photo organisieren. Und das Ausprobieren im Lager (im IZ Wiener Neudorf) ist natürlich während der Öffnungszeiten immer möglich!

aus Linz, Lukas D. ALBERT für LDAMiAb.com