Paracord

Wasserfall mit Ziegelmuster (für meinen Bruder - er ist Rettungssanitäter, daher die Signalfarben)

Wer kennt sie nicht, die Paracord-Armbänder. Hergestellt aus Paracord - einer Verkürzung von "Parachute Cord", also Fallschirmspringerleine - sind sie der Renner bei Jung und Alt. Aber nicht nur Armbänder (mit Plastikschließen oder ohne), auch Schlüsselanhänger (dann auch gerne Lanyard genannt), Uhrenarmbänder oder Verlängerungen für Zippverschlüsse kann man daraus herstellen. Unzählige weitere Einsatzmöglichkeiten gibt es für dieses ursprünglich von Fallschirmspringern genutzte Seil. Mittlerweile gehört es quasi zur Standardausrüstung von Soldaten, aber auch viele Zivilisten - so wie ich - lieben Produkte aus dem tollen Seil.

Eine Variation des gekreuzten Salamon Bars damit die Schottlandfahne entsteht.

Anleitung für die verschiedensten Muster und Arten von Armbändern, Schlüsselanhänger und so weiter finden sich zu tausenden im Internet. Vor allem Youtube sei hier genannt, ich selbst habe die Kanäle gearsNtools,  Paracordist Creations LLC und Bored? Paracord! abonniert. Außerdem habe ich mir auf Amazon ein Buch mit ein paar Knotenanleitungen zugelegt (dieses hier), damit ich auch "offline" knoten kann...

Die Jubiläumsuhr (5 Jahre) der Whisky Consultants mit einem in ihren Farben geknüpften Armband (Salomon Bar).

Wie kommt ein Fotograf auf die Idee zu knüpfen? Nun, das lag vor allem daran, dass ich mir die süße, kleine Fujifilm X100T zu gelegt habe und mir der mitgelieferte Gurt nicht so gut gefallen hat. Nachdem ich ein wenig geyoutubed habe (oder sagt man da auch gegoogled?) fand ich diese tolle Anleitung. Ja, die Anleitung ist für einen Schrotflintengurt, aber da ich mit meiner Kamera Fotos schieße passt das ja ganz gut. Nachdem ich Google und diverse Foren befragt hatte fand ich schließlich einen Onlineshop in Groß Britannien welcher zu durchaus günstigen Konditionen auch nach Österreich liefert und einen Haufen verschiedenfarbiger Paracords anbietet. Der Shop heißt The Bushcraftstore, ich habe bisher drei Mal dort bestellt. Die Lieferungen kamen sehr schnell an und ich hatte noch keinerlei Probleme. Hoffen wir das es so bleibt.

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Nachdem ich mir einige Meter Paracord in Schwarz, Kellygreen (hell) und Huntergreen (dunkel) bestellt hatte entschloss ich mich den Gurt in Schwarz/Kellygreen zu knüpfen. Um den Gurt an meiner Kamera zu befestigen habe ich mir zwei Befestigungsösen - für Gewehre - organisiert. Diese haben einen schön großen ovalen Ring, durch welchen man einiges an Paracord bekommt. Damit diese massiven Metallösen jedoch nicht meine Kamera zerkratzen habe ich noch ein kleines Stück "Verlängerung" geknüpft welche auf der einen Seite mittels einem Zwei-Stängigen-Diamantknoten an der Kamera befestigt ist und auf der anderen Seite eine Öse hat, an welcher ich meinen Gurt leicht ein- und aushängen kann. Zusätzlich habe ich mir dann noch ein Armband geknüpft um meine Gegenlichblende am Gurt zu befestigen, wenn ich sie nicht brauche. Das Armband und die Verlängerung habe ich in Schwarz/Huntergreen genüpft.

Resteverwertung

Durch Youtube inspiriert habe ich noch einige andere Muster - vor allem für Armbänder - gefunden. Bei manchen benötigt man jedoch so genannte "Fids" um das Paracord durch engere Stellen führen zu können. Im Prinzip sind diese "Fids" nichts anderes als eine Nadel die an dem stumpfen Ende eine Öffnung mit Gewinde hat um das abgeflämmte Paracord einschrauben zu können. Da ich nach etwas längerer Suche jedoch keinen Anbiter in Europa geschweige denn Österreich gefunden habe und mir das Bestellen aus den USA a) zu lange dauert und b) viel zu teuer ist (vor allem der Versand...) habe ich in einem DIY (Do-It-Yourself) Anfall beschlossen mir so etwas selbst zu machen.

Rohmaterial & Werkzeug

Mein erster Versuch - aus dem Internet inspirert - bestand darin, einen so genannten Möbelverbinder an der einen Seite so lange zu schleifen, bis der Schraubkopf zur Spitze geworden ist. Diesen Ansatz habe ich jedoch nach dem ersten Stück wieder verworfen. Abgesehen davon, dass mir fast mein Dremel abgeraucht ist, ist das daraus resultierende Stück leider viel zu kurz. Auf der Suche nach Ideen stieß ich bei Obi auf ein Aluröhrchen mit den Dimensionen 6 x 1 mm, also 6mm Außendurchmesser und 1mm Wandstärke. Der daraus resultierende Innendurchmesser von (etwa!) 4mm sollte für Paracords gerade richtig sein. Dank eines Gewindeschneidesatzes war das (M5) Innengewinde auch schnell geschnitten. Aber was macht man mit dem offenen Ende? Zu einer Spitze schleifen geht nicht wirklich, dafür ist der Innendurchmesser zu groß. Auf der Suche nach einer Lösung fiehl mein Blick auf meinen an der Wand hängenden Zubehörschrank. Darin bewahre ich alles mögliche und unmögliche zum Thema Bogensport auf. Also schnell eine der überzähligen Schraubspitzen rausgefischt und getestet. Leider ein Hauch zu groß. Also habe ich mich zusammen gepackt und bin zum Bogensporthändler meines Vertrauens (Bogensport Traxler) gefahren.

Die Einklebespitzen vom BST mit dem Alurohr in richtiger Länge

Die Einklebespitzen vom BST mit dem Alurohr in richtiger Länge

Dort habe ich mich aber nicht für Einschraubspitzen sondern Einsteckspitzen (zum Kleben) entschieden. Wieder daheim angekommen entpuppte sich der Innendurchmesser des Alurohres als zu klein für die Spitzen (hätte ich ihn zuvor gemessen, hätte ich entsprechend dünnere Spitzen kaufen können, aber was solls), daher war Bohren angesagt. Glücklicherweise lassen sich die Enden der Spitzen abbrechen (zur Gewichtsreduktion, somit bekommt man 150/125/100grain Spitzen in einem, je nachdem was man brauch bzw. will, aber ich schweife schon wieder ab) somit musste ich nicht all zu viel bohren. Nachdem das Alurohr passend gemacht wurde, musste ich nur noch den Übergang Rohr-Spitze ein wenig einschleifen, da das Rohr eine Spur dicker war als die Spitze. Das Alurohr ist gute 9cm lang, die Spitze nochmal etwa 2cm. Alles in allem sollte die Länge passen. Ich habe vorsorglich 4 Spitzen gekauft aber nur 2 verbaut. Also kann ich bei Bedarf noch längere oder kürzere "Fids" basteln. Mit einem Stückpreis von 2,40€ sind die Spitzen nicht gerade ein Geschenk, man sollte jedoch bedenken, dass diese für den Bogensport gefertigt werden und eine sehr geringe Gewichtstolleranz aufweisen, was für die Flugbahn des Pfeiles sehr wichtig ist, wie jeder Bogenschütze weiß. Das Alurohr selber war mit unter 3€ auch im erträglichen Bereich, vor allem da es sich um ein Rohr von einem Meter länge handelt. Somit komme ich wohl auf einen Preis von etwa 5€ pro Paar (ohne meine Arbeitszeit, aber ich bin ja ein leidenschaftlicher Heimwerker, wer achtet da schon auf die Zeit?). In den diversen Onlineshops muss man durchschnittlich 10-15$ (plus Versand) bezahlen, also bin ich mit meiner Variante sicherlich billiger dran. Einziges Manko: Der Innendurchmesser ist doch einen Hauch zu groß für die Paracord, man muss das Ende "richtig" abflämmen damit sie gut hält. Aber für meinen ersten Versuch bin ich ganz zufrieden.

Das fertige "Paracord 1st response Kit"

Zusätzlich habe ich mir aus einem alten Alu-Köfferchen (da waren früher Poker-Chips drinnen) ein "Paracord 1st response Kit" gebastelt. Zuerst habe ich mir eine Möbelrückwand entsprechend zugeschnitten, dann alle Teile schön angeordnet und für die Befestigungsschnüre (alles natürich Stilecht aus Paracord-Abfall) Löcher gebohrt. Schnüre in der richtigen Länge durch und auf der Rückseite gut abgeflammt. Fertig!

Knüpfbank für Armbänder

 Doch damit nicht genug, für meinen Gurt für die X100T habe ich einfach ein 40mm Kantholz als "Knüpfbank" verwendet, bei welchem ich die beiden Verschlüsse in der richtigen Entfernung angebracht habe. Für die Armbänder etwas zu lang konstruiert habe ich beschlossen mir auch für die Armbänder (vor allem die mit Plastik-Schnellverschluss) ein entsprächendes Gerät zu basteln. Das Ergebniss kann sich durchaus sehen lassen (das Werkstück habe ich noch mit dunkelbrauner Holzbeize eingelassen, da ich verschiedene Holzarten verwendet hatte - was halt so da war - damit es auch etwas gleich schaut) und das Knoten ist damit wesentlich einfacher als "nur" mit den Händen.

aus Wien, Lukas D. ALBERT für LDAMiAb.com