"Gargantua und Pantagruel" ?!?

Zu aller erst: Hoffentlich seid ihr alle gut ins Jahr 2016 hinüber gerutscht! In "Romeo und Julia" habe ich begonnen über die - nie enden werdende - Debatte RAW vs. JPEG zu schreiben. Hier nun die Fortsetzung.

Ich habe also den Ing.WALK #006 (alle Fotos von den Teilnehmern gibt's auf unserem Flickr Account --> Hier geht's zum Fotoalbum) - auch - dazu benutzt ein paar Fotos für den Vergleich zwischen den Dateien die ich erhalte wenn ich die RAW Dateien in Lightroom importiere, entwickle und exportiere gegenüber den JPEGs direkt aus der Kamera (OOC - Out of camera). Als ausgebildeter Chemiker ist mir natürlich eine systematische Herangehensweise nicht fremd, daher habe ich mir folgende Matrix überlegt.

Links: JPEG aus RAW mit LR; Rechts: JPEG direkt aus Kamera; Fuji X-Pro 1 mit XF 10-24mm @ 24mm; 1/15sec; F/4.0; ISO 6400

Ich habe in RAW+JPEG (fine) fotografiert. Die Kamera hatte ich in den Individualfunktionen auf Werte gestellt von denen ich hoffe die gewünschten Ergebnisse zu bekommen. Jedenfalls habe ich diese Werte während des Ing.WALKs nicht verändert. Damit standen mir immer zwei Dateien zur Verfügung. Einserseits die RAW Datei die ich mit meiner üblichen Routine in LR importiere (dazu gehört üblicherweise Umbenennung, anwenden der gewünschten Filmsimulation - hier Velvia - und erstellen einer 1:1 Vorschau) und andererseits die dazu gehörige JPEG Datei. Da ich in einem anderen Blog gelesen habe, dass LR möglicherweise (auch) bei JPEG Dateien beim Import Veränderungen vornimmt wollte ich das natürlich auch prüfen. Das geht am einfachsten mit so genannten MD5 Checksummen. Dabei wird mittels einem frei erhältlichen Programm quasi ein Fingerabruck der Datei erstellt, und mit einer Zahlen/Buchstaben Kombination ausgedrückt. Diese ist einzigartig für jede Datei. Haben zwei Dateien die gleiche MD5 Checksumme sind sie ident, selbst wenn der Name der Datei verändert wurde. Der Inhalt der beiden Dateien - sei es eine EXE, ZIP oder eben eine JPEG - ist ident.

Links: JPEG aus RAW mit LR; Rechts: JPEG direkt aus Kamera; Fuji X-Pro 1 mit XF 10-24mm @ 10mm; 1/50sec; F/4.0; ISO 6400

Im ersten Schritt habe ich also von den vier betroffenen JPEG Dateien eine Checksumme erstellt. Anschließend habe ich die RAW Dateien in LR importiert. Dabei kopiert LR auch die dazu gehörigen JPEG Dateien in den Ordner in welchem die RAW Dateien abgelegt werden. Von diesen (umbenannten) JPEGs habe ich abermals eine Checksumme erstellt - sie war ident mit den OOC-JPEGs. So weit so gut.  Die RAW Dateien habe ich entwickelt wie immer und als JPEG exportiert. Von diesen Dateien habe ich natürlich keine Checksumme angefertigt, diese *können* nicht ident sein mit den JPEGs aus der Kamera. Jedoch habe ich diese mit den OOC-JPEGs in Photoshop zu einen Bild zusammen gefügt um zu sehen, wie sehr ich mich mit meinen Entwicklungen in LR an der Original annähern konnte.

Links: JPEG aus RAW mit LR; Rechts: JPEG direkt aus Kamera; Fuji X-Pro 1 mit XF 10-24mm @ 24mm; 1/30sec; F/4.0; ISO 6400

Nun aber zum spanenden Teil, verändert LR die JPEGs wenn ich diese importiere? Die Antwort ist - Nein. Ich habe dafür natürlich die Importeinstellungen für meine RAW Dateien verändert. Natürlich will ich nicht, dass LR zum Beispiel die Filmsmulation auf die JPEG Dateien anwendet, das hat die Kamera ja bereits gemacht. Ich habe daher nur "Kopieren" und "1:1 Vorschau erstellen" ausgewählt, sonst nichts. Und LR kopiert die Dateien nur in den von mir vorgegebenen Ordner und benennt sie so um wie ich das wünsche. Die Checksummen dieser Dateien sind gleich der Checksummen der Originale. Was passiert jedoch nun wenn ich diese Dateien, sagen wir mal für meine Hompage brauche oder auf DVD brennen möchte? Wähle ich die betreffenden Dateien aus und exportiere sie, stimmt die Checksumme nicht überein. Ich hätte gehofft, dass LR einfach die vorher importierte und unveränderte Datei nimmt und nur in meinen Exportordner kopiert. Stattdessen wird die Datei jedoch komplett neu erstellt, daher stimmen die Checksummen auch nicht. Aber auch das ist nicht so schlimm, wenn man es weiß. Solange ich die JPEG Datei nicht bearbeite(n muss), ist es besser in den jeweiligen Ordner zu gehen und die originale Datei zu kopieren. Wenn ich natürlich Veränderungen vorgenommen habe muss ich die Datei exportieren - das war mir von Anfang an klar. Aber ich versuche ja das Foto bereits in der Kamera so hin zu bekommen, damit ich nachher nicht noch Bearbeitungen vornehmen muss.

Links: JPEG aus RAW mit LR; Rechts: JPEG direkt aus Kamera; Fuji X-Pro 1 mit XF 10-24mm @ 20mm; 1/15sec; F/4.0; ISO 6400

Ich bin nach wie vor ein Fan von RAW, aber wie man an den Beispielbildern in dem Artikel sieht, kann man die JPEGs bedenkenlos verwenden. Doch ich werde auch weiterhin in RAW+JPEG fotografieren. Auch wenn das bedeutet, dass ich mehr Daten produziere als notwendig. Einerseits kostet Speicher heute fast nichts mehr und andererseits kann die RAW Datei die Versicherung sein die man alle heiligen Zeiten benötigt, wenn man ein Fotoshooting nicht - einfach - wiederholen kann. Erst kürzlich - als ich ein Krippenspiel fotografierte in dem meine Nichte mitspielte - war ich froh RAW+JPEG eingestellt zu haben. Warum? Dadurch, dass ich im Publikum saß war meine Bewegungsfreiheit ziemlich eingeschränkt. Und als ich meine X-Pro1 mit dem XF 56mm im Hochformat benutzte, habe ich - dank des OVF - sofort gesehen, dass der Weißabgleich nicht stimmte. Das Bild im OVF war viel zu gelbstichig. Bedingt durch den engen Ausschnitt, den Hintergrund in diesem Ausschnitt und das Mischlicht hat die Kameraautomatik einfach daneben gegriffen. Lustigerweise hatte ich das Problem aber nur genau an einem Punkt der Bühne, hätte ich mich bewegen können, wäre es kein Problem gewesen einen anderen Winkel zu verwenden. Auch verstehe ich meinen Kollegen Michael und alle die auf RAW schwören. Hätte ich eine DSLR verwendet, hätte ich den falschen Weißabgleich unmöglich sofort erkannt (außer ich hätte nach der Aufnahme auf den Bildschirm gesehen, aber dann wäre der Moment bereits vorbei) und hätte dann im Postprocessing sehr viel Zeit gebraucht um aus der mit dem falschen Weißabgleich eingestellten JPEG Datei das Bestmögliche heraus zu holen.

Mein Fazit: Ich bleibe der Einstellung RAW+JPEG treu, auch wenn ich oftmals "nur" die JPEG Datei nutzen werde. Zugegeben, wenn ich unterwegs bin und Bilder in Facebook oder Instagram poste reicht genau diese JPEG Datei aus (die ich ab und an noch in Snapseed bearbeite, vor allem wenn es keine Aufnahme meiner Fujis ist, sondern vom iPhone), aber es ist doch nett, wenn ich dann daheim vielleicht doch noch die RAW Datei entwickeln möchte. Aber wie auf den vier Beispielbildern in diesem Artikel deutlich zu sehen ist (vor allem beim Ersten vom Wiener Rathaus), ist der Detailreichtum in dem Foto direkt aus der Kamera zumindest genau so hoch wie das Foto aus der RAW Datei. Ich bin kein "Pixel-Peeper", aber gerade beim ersten Foto habe ich sogar das Gefühl, dass das Foto aus der Kamera deutlich detailreicher ist. Zusammenfassend bin ich schon recht zufrieden mit den Einstellungen die ich an der Kamera vorgenommen habe, aber ich werde sie sicher noch weiter "Feintunen".

aus Wien, Lukas D. Albert für LDAMiAb.com