Günstige Makro Lösungen – Was macht wirklich Sinn?

In die Makro Fotografie versuchen viele einzusteigen. Es eröffnet sich eine eigene großartige Welt der Fotografie. Die Anschaffung spezieller Objektive dafür ist aber nur bedingt beliebt. Die Kosten für gute Makroobjektive sind nicht gering, und daher scheut man oft davor zurück, eines zu kaufen. Auch ich muss für meine Fotos manchmal nah ran, daher habe ich auch immer wieder in Gedanken und in der Tat versucht, meine Möglichkeiten auszuloten. Gerade in meinem Fall kommt es nur selten dazu, dass ich ein Makroobjektiv benötigen würde, daher bin auch ich es immer wieder umgangen, eines anzuschaffen. Aus meiner eigenen Erfahrung möchte ich nun über die möglichen Methoden berichten.

1. Nahlinse

Als Wissenschaftler schreckt es mich ab, eine optimierte Optik zu modifizieren. Daher wollte ich nie Nahlinsen benutzen. Wer Freude daran hat, kann gerne versuchen, mich eines Besseren zu belehren, aber alle Nahlinsenfotos, die mir „über den Weg gelaufen“ sind, haben mich nur mäßig begeistert, da diese selbst bei achromatischen Linsenpaaren durchaus optische Fehler einbringen. Telekonverter machen Sinn, da sie für die Verwendung mit Hochleistungsobjektiven gerechnet sind, und meist komplizierte Linsenkombinationen sind, die ihre Fehler weitestgehend ausgleichen. Bei Nahlinsen, die vor das Objektiv geschraubt werden, ist dies nur schwer möglich.

2. Retroadapter

Mit einem speziellen Adapter ist es möglich, Objektive auch verkehrt an der Kamera anzubringen. Dies ermöglicht es, besonders nah an das Objekt der Begierde heranzukommen. Hilfreich ist dies, wenn man kleine Details, die sich nicht verändern, aufnehmen will. Dabei sollte man ein Objektiv mit manueller Blendeneinstellung verwenden, um die Schärfentiefe verändern zu können. Je kürzer die Brennweite des Objektives ist, desto kleinere Details kann man abbilden. Dabei sind sogar Fotos mit einer Vergrößerung größer als 1x möglich. Eine Vergrößerung von 1 (oft auch 1:1 Makro oder life size genannt) bedeutet, dass 1 mm in Realität auf dem Kamerasensor oder Film 1 mm groß abgebildet wird. Dies ermöglichen die meisten Makroobjektive, jedoch für höhere Vergrößerungen benötigt man spezielle Lupenobjektive. Die Chance, kleinere Details als mit einem Makroobjektiv aufnehmen zu können, ist ein Segen, aber zugleich auch ein Fluch. Die Ebene, in der ein scharfes Bild entsteht (Schärfentiefe) ist dadurch auch extrem gering.

3. Zwischenringe

Zwischenringe machen das selbe wie manche Objektive beim Fokussieren in der Nähe: Sie bringen die Linsen vom Film oder Sensor weg (vor allem bei älteren 50 mm Objektiven wird beim Fokussieren die ganze Optik bewegt). Nun wird es dadurch möglich, in nähere Bereiche scharfzustellen, als das Objektiv erlauben würde. In der Ferne ist es dann aber nicht mehr möglich, ein scharfes Bild zu bekommen (ebenso wie bei den in Punkt 1 und 2 beschriebenen Methoden). Durch die Verwendung verschiedener Zwischenringe kann die Abbildungsgröße verändert werden. Auch hier gilt: je geringer die Brennweite, desto größer der Effekt. Zwischenringe sind billig, können Kontakte besitzen, um alle Objektivinformationen an die Kamera weiterzuleiten, und sind daher vor allem gegenüber Punkt zwei bei Verwendung von Canon Kameras sehr hilfreich. Nachteil ist, dass man gute Objektive verwenden sollte. Vor allem auch günstige Festbrennweiten können gute Abbildungsleistungen auch in Kombinationen mit Zwischenringen bringen. Zoomobjektive kann man, wenn sie hochwertig sind, auch verwenden, jedoch halte ich es für einen Nachteil zu viel auf einmal verstellen zu können. Bei der Verwendung von Zwischenringen verliert man auch Licht (bei einer Vergrößerung von 1x typischerweise zwei Blendenstufen). Das muss man in Kauf nehmen, jedoch verliert man auch bei der Verwendung von Makroobjektiven ähnlich viel Licht.

Um es kurz zusammenzufassen: Wer keine Kamera mit Wechselobjektiven hat, ist von der Verwendung von Nahlinsen abhängig. Anders herum gibt es allerdings einige Möglichkeiten. Diese kommen zwar nicht an die optische Leistung von Makroobjektiven heran, jedoch sind vor allem Zwischenringe eine sehr gute Alternative. Da man bei Makroaufnahmen sowieso ein Stativ verwenden sollte, ist der Lichtverlust nicht kritisch, und gute Objektive verlieren auch mit Zwischenringen nicht zu schnell an Bildqualität. Immer bedenken sollte man dabei, dass die Schärfentiefe im Foto sehr gering wird, und vor allem die vollständig geöffnete Blende nicht sinnvoll ist. Wer damit umgehen kann, kann dafür großartige Fotos schaffen.

Minolta MC 28 mm Objektiv mit angeschraubtem Retroadapter

Minolta MC 28 mm Objektiv mit angeschraubtem Retroadapter

36 mm Zwischenring mit elektrischen Kontakten

36 mm Zwischenring mit elektrischen Kontakten

Achromatische Dublett mit 22 mm Durchmesser aufgenommen mit einem 28 mm Objektiv mit Retroadapter. Dieses Foto musste aus 2 Teilbildern zusammengesetzt werden.

Achromatische Dublett mit 22 mm Durchmesser aufgenommen mit einem 28 mm Objektiv mit Retroadapter. Dieses Foto musste aus 2 Teilbildern zusammengesetzt werden.

Blatt einer Weide durchleuchtet von der Sonne. Aufgenommen mit 100 mm f/2 Objektiv mit Zwei Zwischenringen mit 36 und 20 mm Dicke. Aufgenommen bei Blende 11

Blatt einer Weide durchleuchtet von der Sonne. Aufgenommen mit 100 mm f/2 Objektiv mit Zwei Zwischenringen mit 36 und 20 mm Dicke. Aufgenommen bei Blende 11

Aufgenommen mit 100 mm f/2 Objektiv mit Zwei Zwischenringen mit 36 und 20 mm Dicke. Aufgenommen bei Blende 8 - Die Schärfeebene ist dabei sehr klein

Aufgenommen mit 100 mm f/2 Objektiv mit Zwei Zwischenringen mit 36 und 20 mm Dicke. Aufgenommen bei Blende 8 - Die Schärfeebene ist dabei sehr klein