5 Dinge die ich beim Foto Walk #11 gelernt habe

Am 14.August hatten wir unseren letzten Foto Walk mit dem Thema "Total Analog*". Neben ein paar netten Stunden (nicht nur wegen des strahlend schönen Wetters) die Michael und ich in Wien verbrachten haben wir beide auch einiges gelernt. Hier nun die 5 Dinge, die ich beim Analog Foto Walk gelernt habe.


 

1. Notizen, Notizen, Notizen

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Man glaubt ja gar nicht, wie viel Arbeit einem eine digitale Kamera abnimmt. Neben Blende, ISO, Belichtungszeit, Brennweite und Aufnahmedatum bzw. -zeit können neuere Modelle auch die GPS Koordinaten in die EXIF Infos speichern. Möchte man diese Inormationen bei analogen Kameras auch haben, braucht man einen Stift und ein Papier. Oder wie in meinem Fall das iPhone. Ich hatte nämlich Stift und Papier daheim liegen gelassen. Die ISO ändert sich ja nicht, aber Belichtungszeit und Blende je nach Lichtsituation schon. Wobei das auch nur bedingt richtig ist, dazu aber mehr bei Punkt 4 meiner Liste! Als Chemiker habe ich schon sehr früh gelernt, dass man nie genug, immer nur zu wenig aufschreiben kann. So auch hier bei unserem Foto Walk. Als wir am Maria Theresien Platz ankamen, machte ich ein Foto des Kunsthistorischen Museums und stellte beim nachfolgenden Aufziehen des Filmes fest, dass ich soeben die letze Aufnahme belichtet hatte. Den verwendeten Film hatte ich vom Flohmarkt erstenden, ohne die Papierhülle, von welcher man sich die Stirnseite auf dem Kamerarückteil befestigen kann. Damit wäre klar, dass die Kamera a) einen Film enthält, b) welche ISO dieser Film hat und c) wie viele Aufnahmen auf den Film passen. Da ich diese Umverpackung nicht hatte, habe ich mir - nachdem ich den Film eingelegt und den Deckel geschlossen hatte - einen kleinen Zettel geschrieben. Dummerweise war ich mir aber genau in jenem Moment als ich den Deckel schloss und die Kamera aufzog, nicht mehr sicher, ob 24 oder 36 Aufnahmen auf den Film passten. Also schrieb ich "24(?) / 36" drauf. Nicht sehr hilfreich, gell? Nun, es waren 24 und Michael war überhaupt nicht amüsiert, als ich ihm sagte, ich sei fertig. Er war mir bildermäßig nämlich immmer voraus (nicht nur der Anzahl nach...) und plötzlich war ich fertig und er hatte noch 5 oder 6 Fotos zu machen.

Und die Moral von der Geschichte: Mache dir von Anfang an Notizen, wirklich gleich jetzt - sofort - und nicht erst später. Man vergisst dann die Hälfte, auch wenn man noch jung ist ;)


 

2. Motive, Motive, Motive

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Wie schwer kann es sein, 24 oder 36 Motive zu finden, magst du dich fragen. Nun, das kommt - wie so oft - darauf an. Einerseits auf den Ort, Wien ist aber äußerst motivreich, daher bleibt dieser Punkt außen vor. Andererseits auf die Tagesverfassung, die zur Verfügung stehende Zeit sowie die Ausrüstung. Beide unserer Kameras waren mit einem 50mm Objektiv (f/1.8 respektive f/1.7) ausgestattet, was in der damaligen Zeit DAS Standardobjektiv war. Einfach zu bauen, und auch mit großzügiger Offenblende preislich noch sehr leistbar. Natürlich beeinflusst dies die Motivwahl, denn Zoomen geht nur in einem begrenzten Bereich. Es kommt nicht so gut, wenn man mitten auf der Straße stehen bleiben würde, um einen bestimmten Winkel oder Bildausschnitt zu erhalten. Aber auch die Tagesverfassung des Fotografen ist maßgeblich daran beteiligt, wie leicht oder schwer die Motivwahl fällt. Der meiner Meinung nach größte, oder auch schwerwiegendste Punkt ist wohl der, dass jedes "Klick" echtes Geld kostet. Da überlegt man zwei (oder drei oder vier...) Mal, ob man das Foto tasächlich machen will oder ob es das vielleicht doch nicht wert ist. Und damit glaube ich, wird es besonders schwer. Zumindes ich habe nur mit Müh und Not meine 24 Fotos (zum Glück hatte mein Film keine 36 Aufnahmen...) zusammen bekommen. Dafür freut man sich umso mehr, wenn einem dann ein Motiv vor das Objektiv kommt, bei welchen man mit der Digitalen einfach ein paar Bilder geschossen hätte, es mit der Analogen aber mit nur einem Bild geschafft hat, und man nicht die Gelegenheit hatte, nochmal abzudrücken. Ich habe mich sogar gefreut, obwohl der Scan nicht perfekt war und, ach das kommt in Punkt 4!

Und die Moral von der Geschichte: Es kann hilfreich sein, sich im Vorfeld ein Thema auszusuchen und dann gezielt nach diesen Motiven ausschau halten als "einfach drauf' los" zu fotografieren


 

3. Arbeit, Arbeit, Arbeit

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Analog zu fotografieren ist richtig viel Arbeit. Das soll dich jetzt nicht davon abhalten es selbst einmal auszuprobieren, denn das Ergebnis wiegt die aufgewendete Arbeit (zumindest fast) immer auf. Zuerst muss man sich Film besorgen. Das geht zwar auch über das Internet, aber gerade bei solchen Produkten bleibe ich gerne lokal. Das kostet Zeit und Geld. Dann die ganze Aufschreiberei während des Fotografierens (wobei es auch solche geben soll, denen es egal ist und die nicht mitschreiben). Und am Ende will der Film ja auch noch entwickel werden. Also entweder ins Labor (wieder lokal!) bringen oder selber entwickeln (würde ich nur bei s/w Film empfehlen). Auch hier wieder: Zeit & Geld. Es ist also weniger "klassische" Arbeit als mehr Zeit und Geld die investiert werden wollen. Aber wie schon geschrieben, ist das Ergebnis es (meist) wert. Zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht. Ach ja, irgendwie wollen die Negative ja dann auch auf den Computer gelangen. Also ist scannen angesagt. Ist man in der glücklichen Lage, einen Negativscanner zu besitzen, macht es das um vieles Einfacher. Ich habe auch schon öfter mit dem Gedanken gespielt, mir einen zuzulegen. Aber für die wenigen Rollen Film die ich im Jahr verbrauche, lasse ich sie gleich im Labor scannen. Auch wenn ich beim letzten Job alles andere als zufrieden mit dem Ergbnis war. Zum Teil lag es scherlich an dem (sehr?) alten Film den ich verwendet hatte. Die Negative waren mehr Gelb als Braun, aber ein paar der Scans waren am Rand beschnitten und das ist dann doch wohl am Labor gelegen.

Und die Moral von der Geschichte: Lass dich nicht abschrecken und gönne dir die Zeit. Heute wird alles einer "Kosten-Nutzen-Rechnung" unterworfen. Vergiss das alles für einen Tag und nimm dir die Zeit!


 

4. Ist doch egal

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Ich habe schon von mehreren Seiten gehört, dass Film relativ gutmütig ist. Und viele Fehler verzeiht. Und wenn ich an die Zeit zurück denke, in denen ich als junger Bursche analog fotografiert habe, waren die Fotos nicht überragend gut, aber für damalige Verhältnisse durchaus OK. Und auch bei diesem Fotowalk zeigte sich dieses. Michael und ich haben uns natürlich den eingebauten Belichtungsmesser zunutzen gemacht, aber richtig "falsch" belichtet haben wir keines der Fotos. Auch wenn (vor allem bei mir!) die eine oder andere Belichtungszeit sicher nicht "richtig" gewesen war. Auch das Foto von mir auf der Treppe vor der Dominikanerkirche (Hier) ist so ein Beispiel. Direkt nachdem Michael den Auslöser gedrückt hatte meinte er "Mist, das Foto wird zu hell". Urteile selbst, Michael hat nur geringfügigste Anpassungen vorgenommen. Ein Anpassen der Belichtung gehörte da nicht dazu. Natürlich ist es gut möglich, dass eine gewisse Korrektur bereits beim Scannen stattgefunden hat, aber wenn der Film "zu sehr" über- oder unterbelichtet gewesen wäre, hätte auch der Scanner nichts mehr machen können. Ich hatte mir auch aus dem Internet (Hier) einen "Belichtungsschieber" herunter geladen und zusammengebaut. Diesen habe ich für die ersten paar Fotos verwendet, quasi als Experiment. Und wie du sehen kannst, hat auch dies funktioniert. Mein Film dürfte schon sehr alt gewesen sein, denn wie ich in diversen Podcasts gelernt habe, brauchen abgelaufene Filme tendenziell mehr Licht (ich glaube pro 5 Jahre eine Blende mehr). Meine Negative waren alle sehr hell, was auf eine generelle Unterbelichtung hindeutet. Lustigerweise waren die Negative auch mehr Gelb als Braun. Das könnte aber am verwendenten Film (Kodak) gelegen haben?!?

Und die Moral von der Geschichte: Analoges Fotografieren ist keine Hexerei, sondern ganz einfach. Keine Angst also, dass die Fotos nichts werden könnten. Klar, für pulizerpreisträchtige Fotos wirst du dich schon mehr anstrengen müssen, aber für zwischendurch und "nur" zum Spaß kannst du dich komplett auf den Belichtungsmesser verlassen oder auch einfach auch nur die Belichtung schätzen.


 

5. Shit happens

Michaels Lightleak

Michaels Lightleak

Michaels Lightleak II

Michaels Lightleak II

Es ist ja hinlänglich bekannt und auch hunderte Male bewiesen, dass wenn etwas schiefgehen kann, es nicht die Frage ist OB sondern nur WANN es schiefgeht. Bei einigen meiner Bilder hatte ich das "Glück", ein kleines Lichtleck am Rand zu haben (siehe Turm bei Punkt 3). Nicht bei allen Fotos, es dürfte wohl auf den Winkel zwischen Kamera und Sonne angekommen sein. Michael hat es da deutlich heftiger erwischt, wie du an dem einen oder anderen Beispielfoto auch deutlich erkennen kannst (beide direkt vom Scanner ohne weitere Bearbeitung). Shit happens. Meine Kamera ist definitiv in einem schlechteren Zustand als Michaels, aber wie du siehst, heißt das überhaupt nichts. Aber deswegen auf den Spaß verzichten, mit der alten analogen Kamera durch die Gegend zu ziehen? Mir ist es (damals) auch passiert, den Film nicht ordentlich eingespult gehabt zu haben. Bei Foto Nummer 40 (zu diesme Zeitpunkt hatte ich mich noch gefreut, ein paar extra Fotos gehabt zu haben) bin ich dann misstrauisch geworden und als die Negative aus dem Labor zurück waren, war die Enttäischung und die Trauer groß. Aber anstatt der Fotografie den Rücken zu kehren, habe ich seidem einfach besser darauf geachtet den Film ordenlich einzulegen. Shit happens. Auch mein Lieblingsbild des Foto Walks (das mit dem Fiaker und der Straßenbahn) ist nicht perfekt. Zumindest der Scan nicht. Am Negativ ist nämlich das Pferdchen noch ganz drauf. Da ich selber aber keinen Scanner besitze und mir die ganzen DIY Lösung zu mühsam sind (ich gebe zu, dass ich dafür zu faul bin, zumindest im Moment), lasse ich das Foto so wie es ist. Ich mag es auch so, wie es ist.

Und die Moral von der Geschichte: Shit happens. Get used to it and deal with it. Je eher du dich mit dem Gedanken anfreundest, dass niemals alles perfekt sein wird und dass immer wieder etwas schiefgehen wird, egal wie gut du auch vorbereitet bist, desto früher wirst du selber eine innere Ruhe und Zufriedenheit verspüren.


Hier geht es übrigens zu dem Flickr Album mit meinen analogen Fotos und hier geht es zu denen von Michael. Er hat mir außerdem verraten, dass ihm einige seiner Freunde gesagt haben, dass sie erst zu spät von diesem Foto Walk erfahren haben. Keine Sorge, das wird nicht unser letzter Foto Walk gewesen sein, am Besten folgst du uns auf Facebook und abonnierst unseren Feed, dann solltest du unsere zukünftigen Foto Walks zeitgerecht in deine Chronik gespült bekommen! Bis zum nächsten Mal, Dein

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