7. Wiener Whiskymesse - Recap

Am 21. und 22. März 2015 fand die 7. Wiener Whiskymesse statt. Die für Whisky-Fans mittlerweilen zum (leider nur) zweijährigen Fixpunkt gewordene Whiskymesse im Acrotel Wimberger am Gürtel in Wien präsentierte wieder Neues aber auch Altbewährtes. Natürlich auch wieder am Plan waren verschiedenste Masterclasses, die Meisten, wenn nicht alle, ausverkauft.

Die Liste der Aussteller liest sich wie das "Who-is-Who" der Whiskybrache. Angefangen bei "A" wie Arran und Ardbeg, über "G" wie Glenfarclas und "K" wie Kilchoman bis hin zu "W" wie Whisky Consultants.

Wie auf der offiziellen Seite der Whiskymesse zu lesen ist, waren wohl über 3000 Besucher auf der Messe. Dass diese Zahl nicht weit her geholt ist, kann jeder bestätigen der Samstag oder Sonntag Nachmittag versucht hat, sich von einem Stand zum Nächsten zu begeben. Der Besucheransturm war -vor allem am Samstag- trotz des schönen Wetters enorm.

Abgesehen davon, dass ich meist beim Stand der Whisky Consultants -Mag. Michael Pichal und Wolfgang Leithner- war, gelang es mir trotz der vielen Besucher auch die anderen Stände zu inspizieren und das eine oder andere nette Gespräch zu führen und natürlich auch schöne Fotos zu machen. 

Michael und Wolfgang boten neben Informationen zu Ihren Whisky Verkostungen -auf Neuudeutsch: Tastings- auch drei Produkte des "uisge beatha" an. Gut, zwei davon sind technisch gesehen kein Whisky, aber aus Whisky gemacht. VALT und GILT nennen sich die beiden Edelbrände und sind die "schottische" Variante des Vodkas bzw. des Gin. Hergestellt werden die Beiden durch Destillation von Speyside Whisky. Das natürlich ein paar Whisky Aromen dabei mit in das fertige Destillat wandern (und beim GILT auch noch Kräuter in die Destillationskolonne eingebracht werden) ist klar und auch gewollt. Das dritte angebotene Produkt ist der irische Whiskey "Writers Tears". Ganz typisch nach irischer Tradition dreifach destilliert ist er ein sehr angenehmer und weicher Whiskey. Außerdem am Stand vertreten war Hermann Rogner von der Waldviertler Destillerie Rogner. Neben seinem Rum und Gin, dem Rye Whisky No.13 und dem Whisky 3/3 bot Hermann auch eine spezielle Abfüllung an. Diese wurde am Samstag, den 21. März 2015 in der Früh extra für die Whiskymesse abgefüllt und trägt den Namen "Whisky No.2". Ich bin jedes mal auf's neue fasziniert von dem unglaublichen Nougat- und Schokogeschmack den (ich) immer wieder in seinen Whiskies finde.

Wie ich am Tag zuvor bereits auf Facebook freudig feststellen konnte, hat sich Mr.Robin "Blackadder" Tucek persönlich angekündigt. Nicht genug dass ich ein paar nette Worte mit Ihm an seinem Stand wecheln konnte, ich bekam von ihm auch eine der begehrten Anstecknadeln des Jahres 2015 ("There are only about a thousand worldwide") von Blackadder und außerdem konnte ich auch die ausverkaufte Masterclass -dank einer nette Bekannten (die mir ihre Karte mit den Worten "Mir reichen die zwei Masterclasses heute, geht ihr beiden Männer (ihr Mann und ich) zu Robin." überließ)- von Robin besuchen. Diese trug den völlig zutreffenden Titel "Bad Jokes and great Whisky" -beides wurde von Robin zu mindestens 120% erfüllt. Jedem der den schwarzen britischen Humor und Whisky mag (es soll auch Leute geben die beides nicht mögen!), sollte zumindest eine Masterclass von ihm besucht haben. Mehr wird hier aber nicht verraten, wo bleib sonst der Spaß?

 Eine weitere Masterclass für die ich noch ein Ticket auf der Messe bekommen konnte (der Vorverkauf startet immer ein paar Wochen vor der Messe im Potstill, nur konnte ich an diesem Montag leider nicht in die Stadt kommen um ein paar Tickets zu bekommen) war die Masterclass der SMWS Österreich -der Scotch Malt Whisky Society- bei welcher ich im übrigen auch seit diesem Wochenende Mitglied bin. Verkostet wurden 4 Whiskies der Society -die wie auch alle anderen Abfüllungen der Society- Einzelfassabfüllungen in Fassstärke waren. Es handelte sich dabei um die Whiskies 4.200; 55.23; 35.132 und 66.62. Jedem Societymitglied ist diese Terminologie bekannt, da die Society -auch aus lizenzrechtlichen Gründen- keine Destillerienamen auf ihre Abfüllungen schreibt. Trotzdem lässt sich sehr leicht, nämlich anhand einer Liste herausfinden aus welcher Destillerie der Whisky stammt. Die Zahl vor dem Punkt gibt nämlich die Destillerie an, die Zahl dahinter das Fass. Also 4.200 bedeutet, dass es sich um einen Whisky aus der Destillerie No.4 (Highland Park) handelt. Und es ist dass 200ste Fass das die Society aus dieser Destillerie abgefüllt hat. Weitere Infos (Anzahl der Flaschen, verwendetes Fass, etc.) finden sich aber sowohl auf der Flasche als auch im "Outturn", einer DIN A5 großen gefalteten Brouchüre die die aktuellen Abfüllungen enthält. Auch finden sich darin die Beschreibungen der Whiskies, oft sehr abstrakt und auch immer wieder sehr erheiternd!

Am Stand von TOP SPIRIT konnte neben den Highland Parks (12yo, 18yo, 25yo, 30yo, Dark Origins) auch die lägendäre Abfüllung von Bruchladdich -nämlich der Octomore- verkostet werden. Neben dem (noch) erhältlichen 6.1er (den ich bereits kannte) gab es auch zwei Flaschen des neuen 6.3er. Dieser enthält 248ppm Phenol -gegenüber dem 6.1er eine massive Steigerung (der hatte "nur" 169ppm)- und ist der derzeit am stärksten getorfte Whisky der Welt. Für den "nicht-so-Whisky-interessierten" Menschen: Ein getorfter -also "rauchig" schmeckender Whisky- hat normalerweise bis etwa 50ppm Phenol. Und der riecht/schmeckt dann meist schon sehr stark nach "Rauch". Die Angabe bezieht sich auf den Gehalt an Phenol im Rauch beim Darren, wie viel davon genau von der Gerste (bzw. dem verwendeten Getreide) aufgenommen wird, ist nicht bekannt. Und für den "nicht-Chemiker": ppm steht für"parts per million" also Teile pro Million Teile. Leider wird die Flasche -mehr aufgrund des guten Marketing als des Geschmacks- wohl über 300€ -in Worten: dreihundert- kosten. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen, ich finde nicht dass der Octomore 6.3 nicht gut schmecken würde (Geschmäcker sind verschieden, gerade was getorfte Whiskies betrifft), aber ich habe bis jetzt noch keinen Whisky verkosten können, für den ich über 300€ für eine 0,7L Flasche ausgeben würde. Und da waren ein paar wirklich sehr, sehr gute dabei.

Meine persönliche "Schmerzgrenze" bei Whisky liegt derzeit bei etwa 100€ pro Flasche, es ist also nicht so, dass ich einen super Whisky für 30€ haben will (obwohl es in dieser Preisklasse durchaus einige interessante Whiskies gibt). Aber mehr als 300€?? Gutes Marketing Bruchladdich, aber nein danke. Noch dazu bin ich eher der Sherry-Fass-Typ...

Was gab es sonst noch? Nun ja, Whisky in rauen Mengen und Geschmacksrichtungen sodass ein jeder der die Whiskymesse besucht hat, mit Sicherheit den einen oder anderen Whisky entdecken konnte der ihm schmeckt. Und natürlich viele Männer in Schottenröcken (ich war einer davon...), aber auch Damen! Und "last but not least" darf natürlich nicht auf die Dudelsackband "Vienna Pipes and Drums" vergessen werden, sicherlich DAS Highlight der 7. Wiener Whiskymesse.

aus Wien, Lukas D. Albert für LDAMiAb.com