Blockiert?!?

Lieber Freund,
Du kennst das sicher, es gibt Tage an denen nichts gelingen will. Egal was man beginnt, egal was man versucht, nichts (scheint) zu gelingen. Manchmal ist das tatsächlich so, manchmal erscheint es einem nur so. Dabei ist es völlig egal, ob im Beruf, in der Freizeit, beim Spielen, wo auch immer. Was also dagegen tun?
Der irische Whiskey "Writers Tears" soll ja deswegen so heißen, da die irischen Schriftsteller bei einer Schreibblockade gerne einen (oder mehrere?) Whiskeys zu sich genommen haben. Und als dann die Tränen der Freude ob der genialen(?) Einfälle geflossen sind, wurde dieser Whiskey geboren. Soweit die Geschichte, ich möchte dich hier aber keineswegs dazu anstiften Alkohol zu trinken, wenn du nicht mehr weiter weißt. Alkohol ist keine Lösung, sagt ein Sprichwort und das stimmt sogar in mehrfacher hinsicht. Alkohol ist ein Lösemittel, aber keine Lösung. Eigentlich ist es auch ein Destillat, aber ich schweife ab.

Heiligenkreuz, Juni 2017

Mir geht es natürlich hier um die Blockade beim Fotografieren. Klar, es ist einfach, hat man einen (mehr oder weniger genau definierten) Auftrag. Ich habe letztens zum Beispiel zwei Firmungen fotografiert. Natürlich tobe ich mich da auch mal kreativ aus, aber im Großen und Ganzen weiß ich, welche Fotos gewünscht sind und was ich tun muss, damit ich dieses Ziel erreiche. Aber wenn ich zum Beispiel in der Stadt unterwegs bin, fällt es mir nicht immer leicht in diese "Zone" zu kommen.
Manche Fotoblogs empfehlen, trotzdem zu fotografieren. Einfach auch mal nicht so super kreative Fotos machen. Aber immer den Fotoapparat dabei zu haben und immer Fotos zu machen. Wieder Andere empfehlen, sich mal eine "Auszeit" zu nehmen. Bewusst keinen Fotoapparat mitzunehmen. Das "was da ist" nur warzunehmen, quasi mit den Augen festhalten. Wieder Andere haben Tipps die mehr oder weniger zwischen diesen beiden Extremen liegen. "Die Eine" Lösung scheint es also nicht zu geben. Was also tun?

Wien, Juni 2017

Ich glaube der "beste" oder "richtigste" Weg ist der, mit dem man selbst sich am wohlsten fühlt. Ich zum Beispiel hatte eine Zeit, in welcher ich meine X100T tatsächlich immer dabei hatte. Und ich fühlte mich manchmal fast schon schlecht, wenn ich sie nicht aus der Tasche nahm oder einmal doch nicht dabei hatte. Manchmal wollte ich einfach nur so durch die Stadt laufen können, ohne Tasche, ohne Ballast, ohne viel nachdenken zu müssen. Und dann fiehl es mir wie Schuppen vor die Augen. Eine Kamera habe ich immer dabei, auch wenn ich ohne Tasche unterwegs sein wollte oder musste. Heute hat (fast jeder) eine Kamera immer dabei, die in seinem Smartphone.

Wien, Juni 2017

Manche sind besser, manche nicht so gut, aber allen ist gemeinsam, dass man sie eigentlich immer dabei hat. Ohne es richtig zu bemerken. Ein Smartphone ohne Kamera ist heute nicht mehr denkbar, daher vergisst man so leicht darauf. Das ist fast so wie der Blinkerhebel im Auto ;) Und das man mit den heutigen Kameras durchaus gute Fotos machen kann, beweisen die Fotos in diesem Beitrag. Die sind alle mit der Kamera meines iPhone 6s gemacht. Manche habe ich noch in Snapseed aufpoliert, manche nicht. OK, die Meisten habe ich aufpoliert ;)

Prag, Juni 2017

Ich bin also jetzt manchmal doch auch ohne meine X100T unterwegs und ich fühle mich nicht gezwungen Fotos machen zu müssen. Aber ich weiß, dass ich welche machen kann, wenn ich will. Da ich mein iPhone ja immer dabei habe. Ich kann dir noch nicht zu 100% sagen, dass mir das langfristig hilft, aber abgesehen von der Herstellung von Diamanten (und einiger wenigen anderen Dinge) ist (zu) viel Druck nicht gut, denke ich. Fotografieren soll Spaß machen, das ist glaube ich das Wichtigste. Ob mit einer 1Dx MkII, einer X100T oder einem Smartphone, ganz egal. Praktischerweise hatte ich damit auch gleich wieder ein bisschen etwas, worüber ich schreiben konnte.

Mayerling, Juni 2017

Nächste Woche kommt wieder ein Bericht über eine Buchpräsentation. Da bin ich nämlich am Dienstag in Schloss Schönbrunn, wo der Verlag Edition Lammerhuber das Buch "Schloss Schönbrunn" präsentiert. Ich habe bereits das Cover gesehen und wenn du Kitsch nicht magst, wird das Buch vermutlich nichts für dich sein. Aber wir hier in Wien mit den wundervollen Bauten aus der Kaiserzeit stehen total auf sowas ;) Bis dahin, alles Liebe, Dein