Bunker! Architektur des Überlebens

Adam Reynolds © Adam Reynolds/Edition Lammerhuber

Adam Reynolds
© Adam Reynolds/Edition Lammerhuber

Lieber Freund,
Du erinnerst dich sicher noch an mein Buch-Video über Gerd Ludwigs Buch "Der Lange Schatten von Tschernobbyl". Vor genau zwei Wochen bekam ich wieder einmal eine Email vom Verlag Edition Lammerhuber. Darin enthalten eine Einladung zur Eröffnung der Ausstellung "Bunker! Architektur des Überlebens" zusammen mit Pressematerial zu dem dazugehörigen Buch "Architecture of an Existential threat" mit Bildern von Adam Reynolds.

Ich werde dir hier einen kleinen Eindruck der Auststellungseröffnung geben. Über das Buch selber, die darin enthaltenen Fotos und alles drum herum werde ich dir seperat berichten, sowie ich mein Rezensionsexemplar erhalten habe. Hier nun ein Auszug aus dem Material, welches ich vom Verlag bekommen habe. Manche der hier verwendeten Fotos werden mit Erlaubnis des Verlags verwendet und unterliegen dem Copyright. Dies ist unter dem Bild angegenen (© Adam Reynolds/Edition Lammerhuber).

"Nach israelischem Gesetz müssen alle Einwohner des Landes Zugang zu Bunkern haben, die im Falle eines Angriffs mit unkonventionellen Waffen auch abgedichtet werden können. Die Israelis haben diese "Weltuntergangs-Räume" in ihren Alltag integriert und in Räume "verwandelt", die aussehen als wären sie ganz normale Tanzstudios, Kneipen oder Bethäuser. Für viele Bewohner Israels, die mit einer oersönlichen Geschichte von Exil und Verfolgung leben müssen, sind diese Schutzräume die Architektur einer existentiellen Bedrohung - sehr real und immerwährend." -Edition Lammerhuber

Bunker einer Grundschule
© Adam Reynolds/Edition Lammerhuber

Ich kann mir gut vorstellen, dass du dich fragst, wie politisch ich mit meinem Artikel werde, aber ich kann dich beruhigen. Natürlich ist die Notwendigkeit solcher Räume der Situation im Nahen Osten geschuldet und natürlich wäre es äußerst weltfremd, das aktuelle (und damalige) politische Klima dieser Region auszuklammern. Ich gehe jedoch nicht darauf ein, wer "Recht hat" oder "Wer angefangen hat". Darum geht es weder bei dieser Ausstellung, noch bei diesem Buch. Es geht darum, wie die Menschen dieser Region mit der omnipräsenten Angst eines möglichen (ob berechtig oder nicht!) Angriffes zu leben gelernt haben. Es ist vielleicht noch anzumerken, dass das Gesetz von "Bewohnern (Israels)" nicht "Israelische Staatsbürger", "Juden" oder sonstigen Personengruppen spricht, also jeder, der sich garede zu dieser Zeit in Israel aufhält! So politisch werde ich aber: Ich vertrete die Meinung, dass *jeder* Mensch das Recht hat, zu leben. Und *niemand* hat das Recht, ihm das wegzunehmen. Punkt. Aus. Ende.

© Adam Reynolds/Edition Lammerhuber

"Adam Reynolds ist ein Dokumentarfotograf mit Fokus auf den Nahen Osten und hat Journalismus und Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Nahost-Politik, islamische Studien und Fotojournalismus an der Universität in Indiana studiert. Er besitzt einen Master of Islamic and Middle East Studies als auch einen für Fine art Photography. Diese Studien ermöglichen ihm, die Balance zwischen fotografischer Kreativität und journalistischer Thementreue zu halten und einzigartige Zeitdokumente zu erarbeiten, die vielfach ausgezeichnet und in Auststellungen gezeigt werden." -Edition Lammerhuber


Nicht zu übersehen, wenn man am Judenplatz steht. Der Schriftzug des Museums

Nun aber zur Ausstellung. Die Ausstellung im Jüdischen Museum Wien, Museum Judenplatz 8, kann noch bis 8.Oktober besichtigt werden. Alle Informationen zu Öffnungszeiten, Anreise, Preise, usw. gibt es auf der Seite des Museums . Eröffnet wurde selbige durch den Bundesminister Mag. Hans-Peter Doskozil in Beisein der Direktorin des Museums, Danielle Spera, dem Fotografen Adam Reynolds, Lois Lammerhuber vom Verlag Edition Lammerhuber, dem amerikanischen und britischen Botschafter sowie Freunden und Sponsoren des Museums. Auch die israelische Botschafterin stattete dem Museum einen kurzen Besuch ab, musste aber bereits vor der offiziellen Eröffnung zu einem anderen Termin.

Hochsicherheits-Konferenzraum Knesset
© Adam Reynolds/Edition Lammerhuber

Danielle Spera erzählte, wie sie es selbst erlebt hat in Israel als Journalistin in einen solchen Bunker zu müssen und Minister Doskozil rief in Erinnerung, dass auch hier in Österreich vor nicht all zu langer Zeit die Menschen Zuflucht in Bunkern suchen mussten, der jungen Generation aber nicht mehr bewusst ist, wie dankbar man sein muss, ohne diese Furcht leben zu dürfen. Adam Reynolds klärte die Anwesenden noch auf, wie das Fotos des Bunkers der Knesset zustande kam. Dies war seinen schlechten Hebräischkenntnissen, welche nur knapp über den nicht existenten Deutschkenntnissen liegen - so der Fotograf - geschuldet. Am Telefon hatte er nämlich auf Hebräisch gefragt (ohne es selbst zu wissen) ob er den Aufnahmeraum fotografieren dürfe, er jedoch dachte, das Wort für Bunker benutzt zu haben. Etwas verwundert gestatteten sie ihm jeoch vorbei zu kommen und Fotos zu machen. Dort angekommen wunderte Reynolds sich ob des falschen Raumes und fragte auf Englisch nach warum er nicht in den Bunker dürfe. Promt wurde er über seinen Fehler aufgeklärt. "Aber da ich schon einmal da war, durfte ich doch in den Bunker. Hätte ich von Anfang danach gefragt", ist sich Reynolds sicher, "hätten sie mich sofort abgewiesen."

Der amerikanische Botschafter im Gespräch mit Adam Reynolds

Schlussendlich zeigte sich Lois Lammerhuber ob der baulichen Gegebenheit des Museums sehr freudig. Betritt man das Museum und wendet sich nach links, finden sich jene Bilder, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen geben, dass es sich um einen Bunker handelt. Also mehr oder weniger schön dekorierte Räume, die für die vielfältigsten Aktivitäten genutzt werden. Wendet man sich dagegen in den rechten Raum, finden sich jene Bilder die unverkennbar "Bunker" schreien. Kahle Wände, dicke Türen, Leuchtstoffröhren. An diesen Raum - und das war das für Lois Lammerhuber erfreuliche - schließt sich ein kleines Kabinett an, weches zu eben so einem Bunker umgestaltet wurde. Nicht einmal das Bewusstsein in einem ebenerdigen Raum zu stehen und noch dazu diesen freiwillig zu betreten hilft, das in einem aufsteigende beklemmende Gefühl zu unterdrücken, sowie man diesen Raum betreten hat. Wieviel schlimmer muss es sein, tatsächlich in solch einen Raum zu *müssen*!


Danielle Spera mit ihrem Vater, der israelischen Botschfterin, Adam Reynolds und BM Doskozil (v.r.n.l.) in der Ausstellung

Zusammenfassend kann ich nur jedem empfehlen, sich diese Ausstellung anzusehen. Sie zeigt auf eindrucksvolle weise, wie ein ganzes Land gelernt hat, mit der omnipräsenten Gefahr zu leben und umzugehen. Ich kann mir nur schwer - nein, eigentlich kann ich es mir überhaupt nicht - vorstellen, wie es sein muss, damit tagtäglich zu leben, damit groß zu werden. Jedoch fällt es mir leichter, dafür dankbar zu sein, was ich, was wir hier in Österreich, in Europa, haben. Wie gut es uns eigentlich geht und wie wenig Angst wir haben müssen. Wie Minister Doskozil sagte, vor nicht all zu langer Zeit war das noch anders. Meine Großeltern durchlebten ähnliches, was heute in Israel (noch immer) Realität ist. Wie klein und unwichtig sind da auf einmal manche Probleme, die uns oft so groß und unüberwindbar erscheinen. Vielleicht sollten wir alle (mich eingeschlossen!) anfangen, dankbarer zu sein, für das was wir haben, was meinst du? Bis zum nächsten Mal, Dein