Drucken?!? Mehr Drucken!!

Im ersten Teil habe ich viel darüber geschrieben, wie wichtig es doch ist, seine Fotos auch zu drucken. Die Freude hält sich jedoch in Grenzen, wenn das Foto, welches man in Händen hält, nur wenig Ähnlichkeit mit dem hat, das man am Bildschirm gesehen hat. Was habe ich gemacht, damit die Fotos auf dem Papier (fast) genau so aussehen wie am Bildschirm?

Problem 1: Die Ausrucke sind viel zu dunkel. Das Problem hat mehrere Ursachen, die man aber relativ leicht beheben kann. Zum einen sind gefühlte 99,975% aller Monitore (TV, PC, Kamera!) zu hell eingestellt. Ein echtes Foto reflektiert das Licht, und daher sehen wir das am dem Papier abgebildete. Ein Monitor stellt das Bild so dar, wie man früher Negative betrachtet hat. Die Lichtquelle befindet sicher hinter dem Bild. Dadurch leuchten die Fotos mehr und im direkten Vergleich ist das echte Foto "zu dunkel".

Wien, 2016

Lösung Teil 1: Reduzieren der Bildschirmhelligkeit! Doch wie weit? Ich habe einfach ein Foto ausgedruckt und neben den Bildschirm gehalten. Und dann so lange die Helligkeit reduziert, bis beide in etwas gleich waren. Keine Sorge, zuerst glaubt man, dass der Bildschirm doch viel zu dunkel sein muss, aber man gewöhnt sich sehr schnell an die reduzierte Helligkeit und nach einer Woche fällte es gar nicht mehr auf. Aber Achtung, nicht nur an dem Bildschirm, der für die Bildbearbeitung vorgesehen ist, die Helligkeit reduzieren, auch am Kameradisplay!
Lösung Teil 2: Ich belichte Fotos meist +1/3 manchmal sogar +2/3 Blenden mehr als "richtig" wäre und das aus einem einfachen Grund. Auf dem Bildschirm wirkt es zwar, als wären machen Bereiche ohne Zeichnung - vor allem die Hellen - aber am Ausdruck passt es perfekt. Am Einfachsten ist es, von einem Motiv eine Belichtungsreihe zu machen, diese Auszudrucken und so die "optimale Belichtung" für's Drucken zu finden. Außerdem sollte man sich mehr auf das Histogram am Kameradisplay als auf das (meist auch zu hell eingestellte) Display selber verlassen. Fotografiert man nicht mit manuellen Einstellungen, reicht es die Belichtungskorrektur auf +1/3 (oder so) zu stellen. Auf der anderen Seite ist es aber mit den heutigen RAW (als auch JPG) Dateien meist kein Problem mehr, das Foto nachträglich etwas aufzuhellen, falls notwendig. Doch warum später (mehr) Arbeit haben, wenn ich es in der Kamera gleich "richig" hinbekommen kann.

Problem 2: Die Farben passen nicht. Das Bild hat einen Farbstich, sogar bei schwarz-weiß Fotos. Dieses Problem hatte ich nur bei zwei speziellen Szenarien. Erstens: Beim selber Drucken. Zweitens: Wenn die automatischen Korrekturen in der Software der Fotodienstleister eingeschaltet waren.

Wien, 2016

Lösung Teil 1: Die Lösung für das zweite Szenario ist viel leichter - oder korrekter: schneller - als die des Ersten, daher diese zuerst. Einfach die automatischen Korrekturen ausschalten. Wie schon im ersten Teil geschrieben, bin ich mit den Ergebnissen die ich "out-of-the-box" bei Bipa, MediaMarkt (CEWE), fotobook.at und foto.at bekomme sehr zufrieden. Immer vorausgesetzt, ich habe ein korrekt belichtetes Foto und die automatischen Korrekturen auf "aus". Jeder Fotodatei ist ein so genanntes Farbprofil eingebettet, und die Drucksysteme der Fotodienstleister sind mittlerweilen sehr gut im richtigen Interpretieren dieser Profile, die automatische Korrektur greift auch gerne mal daneben. Letzten Endes kann man hier aber nur durch "trail-and-error" herausfinden, ob die Fotos so aussehen, wie man sich das vorstellt. Im Großen und Ganzen kann ich aber sagen, dass die Fotodienstleister hier gute bis sehr gute Ergebnisse abliefern.
Lösung Teil 2: Die Abweichungen zwischen Monitor und Ausdruck liegen meist darin begründet, dass der Monitor ein anderes ICM Profil (so werden diese genannt) verwendet als der Drucker. Ich habe mir zu diesem Thema ein vorzügliches E-Book von Martin Bailey herunter geladen. Für ein paar Euro bekommt man hier alles schön zusammengefasst und (auf Englisch) erklärt. Im Prinzip geht es darum, dem Drucker zu verbiten, ein ICM Profil zu wählen (meist tief in den Druckereigenschaften versteckt), und dem Programm aus welchem man gedenkt zu drucken, vorzuschreiben welches ICM Profil es verwenden soll. Diese Profile bekommt man zumeist auf der Homepage des jeweiligen Papierherstellers. Da die Profile jedoch Papier/Drucker spezifisch sind, bekommt man sie meist nur für die dezitierten (hochpreisigen) Fotodrucker. Für den Anfang lohnt es sich aber, auf die Homepage des Druckerherstellers zu schauen. Denn der bietet im Normalfall für (fast) alle seine Drucker die ICM Profile zumindest für die eigenen Fotopapiere an. Ich nutze zum Beispiel einen Canon MP7750, für diesen Drucker habe ich alle ICM Profile für die Fotopapiere von Canon auf ihrer Seite bekommen.
Lösung Teil 3: Manche schwören darauf, andere finden es mehr oder wenig unnötig: Die Monitor- und Druckerkalibration.  Dazu werden spezielle Geräte - Colorimeter genannt - verwendet. Diese erstellen anschließend ein eigenes ICM Profil für den Monitor bzw. für die Drucker/Papier Kombination. Während erstere Kalibrationssysteme noch recht erschwinglich sind, kann man für Zweitere locker 500€ und mehr ausgeben. Außerdem kommen dann noch die Kosten für Papier und Tinte, muss man doch mit jeder Kombination einen Testausdruck machen, der vermessen wird sowie die Zeit dafür dazu. Ich habe auch von Online-Services gelesen, bei denen man sich eine Testdatei herunterladen kann, diese ausdruckt und einschickt. Diese erstellen dann ein ICM Profil welches man dann herunterladen kann. Ich persönlich halte es so: Mein Notebook hat ein eingebautes Colorimeter, welches ich auch nutze. Ob es wirklich einen Unterschied macht, kann ich nicht sagen, da ich von Tag 1 an den Monitor immer wieder mal kalibriert habe. Und solange ich mit den Druckprofilen von Canon mein auslangen finde, sehe ich keinen Grund, den Drucker extra kalibrieren zu lassen. Das macht nur für Fotografen wirklich Sinn, die 100%ige Farbtreue brauchen. Noch ein letzter Tipp: Auch wenn es etwas teurer ist, ich verwende ausschließlich die Tinten von Canon. Die Verwendung von Tinte von alternativen Anbietern birgt nicht nur das Risiko, seinen Drucker kaputt zu machen, es kann auch für Farbstiche und nicht so lange haltende Ausdrucke sein!

Wien, 2016

Problem 3: Drucken ist so teuer! 

Lösung: Weniger drucken! Aber ist das nicht dem in diesen beiden Artikeln gesagten diametral entgegengesetzt? Nein, und Ja! Natürlich kostet das Ausdrucken, sei es daheim oder bei einem Fotodienstleister, Geld, das ist klar. Man muss sich einfach angewöhnen, nur die wirklich guten Fotos zu drucken. Nicht alle 2.000 Fotos vom letzten Urlaub. Dann halten sich auch die Kosten in Grenzen. Und die Nerven der Verwandten und Freunde werden nicht so heftig strapaziert, wenn sie ein tolles Fotobuch mit den Besten - sagen wir mal 200 - Fotos der Reise durchblättern können anstelle eines langen Abends vor dem TV mit allen 2.000 Fotos. So ein Fotobuch bekommt man schon für unter 50€ und die Erinnerungen (an den 2.000€ Urlaub) leben damit deutlich länger als wenn die Fotos auf der Festplatte in Vergessenheit geraten.

Wie man nur die Auswahl der zu druckenden Fotos reduziert, werde ich - zusammen mit ein paar anderen Gedanken zum Thema "Minimalismus" - in einem anderen Artikel beantworten.

Bis dahin, euer