Fuji vs. Fuji vs. Samyang

Zu Beginn muss ich einige Punkte erwähnen, die mir wichtig erscheinen. Erstens, ich werde weder von Fujifilm noch von Samyang in irgend einer Weise gesponsort. Zweitens, ich besitze nur eines der drei Objektive, auf die ich in diesem Artikel eingehe. Daraus resultiert Drittens, die technischen Daten sowie Berichte über die optische Leistung habe ich mir aus diversen Quellen zusammen getragen, auf die ich im Text auch näher eingehen werde. Viertens, ich werde hier nur eine einzige Tabelle mit den wichtigsten technischen Daten haben. Keine MTF-Charts, keine Fotos mit Testmustern oder Color-Checker, kein Pixel-Peeping. Ist einfach nicht mein Ding, aber dazu auch später. Und Fünftens, dies sind allesamt MEINE PERSÖNLICHE ANSICHTEN und MEINUNGEN, die auf meinen Erfahrungen mit Fujikameras und -objektiven beruhen. Fairheitshalber sei erwähnt, dass ich auch ein Samyang Objektiv besitze, nämlich das 8mm Fisheye f/2.8 II, mit welchem ich in jeder Hinsicht mehr als zufrieden bin!

Fuji X-Pro1 + XF 35mm F1.4 R @ ISO 200; f/4.0; 1/500sec

Die Ankündigung von Samyang, ein neues und lichtstarkes (f/1.2!) 35mm Objektiv für spiegellose Kameras auf den Markt zu bringen, bot mir die Möglichkeit ein wenig über Lichtstärke, Original- vs. Fremdhersteller und die Notwendigkeit neues Zubehör zu kaufen zu sinnieren. Zu diesem Zwecke möchte ich die beiden 35mm Objektive von Fujifilm, nämlich das Fujinon XF 35mm F1.4 R und das (neuere) XF 35mm F2 R WR, sowie das (noch nicht am Markt erhältliche) Samyang 35mm F1.2 ED AS UMC CS miteinander Vergleichen. Alle technischen Daten habe ich mir von den Seiten von Fujifilm bzw. Samyang zusammengetragen.

Folgende Fragen drängen sich in meinem Kopf und wollen beantwortet werden, wenn ich diese drei Objektive im Geiste nebeneinander betrachte. Ich werde mich bemühen, jede der einzelnen Fragen in sich zu beantworten, auch wenn ich bereits vorher weiß, dass ich mit Sicherheit ohne Querverweise auf die anderen Antworten nicht auskommen werde! Aufgrund des Umfanges, den die Beantwortung der sieben Fragen ergeben wird, teile ich die Antworten auf zwei Artikel auf. Fragen 1 bis 4 beantworte ich in diesem Artikel, die Fragen 5 bis 7 dann im nächsten Artikel.

  1. Wie viel Offenblende brauche ich (wirklich)?
  2. Wie gut ist die optische Auflösung und kann ich im realen Einsatz wirklich einen Unterschied erkennen?
  3. Wofür kann ich dieses (oder jenes) Objektiv verwenden?
  4. Kommt es wirklich auf die Größe an?
  5. Autofokus, brauche ich den wirklich?
  6. Technische Daten, wie wichtig sind sie wirklich?
  7. Welches Objektiv ist das Richtige/Beste?

 

1. Wie viel Offenblende brauche ich (wirklich)?

Unser Motto von LDAMiAb Photography ist "Plus Lucis" - "Mehr Licht". Je größer also die maximale Öffnung der Blende (und je kleiner die Blendenzahl), desto mehr Licht kommt am Sensor an. Klarer Punkt also für das Samyang, oder? Auf dem Papier schon, auch wenn zwischen Blende f/1.2 und f/1.4 nur 1/3 Blende Unterschied ist. Im Vergleich zum noch Langsameren f/2.0 von Fuji sind es sogar 1 1/3 Blende Unterschied. Nichts desto trotz denke ich, dass es kaum einen Unterschied macht. Hier muss ich bereits beginnen, auf die Fragen Zwei vorzugreifen. Die meisten (wenn nicht sogar alle) Objektive erreichen ihre beste optische Auflösung erst wenn man sie um eine, manchmal sogar zwei, Blendenstufen abblendet. Dazu mehr bei Frage Nummer 2!

Fuji X-Pro1 + XF 35mm F1.4 R @ ISO 200; f/4.0; 1/125sec

Auf der anderen Seite, je weiter ich die Blende öffnen kann, desto kürzere Belichtungszeiten (bei gleichbleibender Beleuchtung und ISO) erreiche ich. Oder, wenn das Licht weniger wird, kann die Belichtungszeit länger auf einem verwacklungssicherem Niveau gehalten werden. Aber selbst mein Freund und Kollege hier auf LDAMiAb.com, Michael Abraham, der gerne auf -meist sehr spährlich beleuchteten- Konzerten fotografiert weiß, dass irgendwann auch für die schnellste Linse einfach nicht mehr genug Licht da ist. Scott Bourne von Photofocus.com hat einmal in einem Podcast so schön gesagt, die Leute erwarten von den Kameras, dass diese absolut rauschfreie Fotos produziere müssen.  In einer stockdunklen, kaum mit einer Kerze beleuchteten Scheune, bei Neumond und ISO 4 Millionen. Das diese Vorstellungen etwas überzogen sind, dürfte jedem klar sein, aber die Kameras von heute sind in Bezug auf die ISO und das damit einhergehende Rauschen bereits auf einem derart hohen Niveau, davon konnten wir, als ich meine erste Digitalkamera gekauft habe (2003!), nur träumen. Genau diesem Umstand verdanken wir, dass der Unterschied zwischen dem Fujinon XF 35mm F2 R WR und dem Samyang, was die maximale Lichtstärke betrifft, kaum mehr in's Gewicht fällt. Ich habe keinerlei bedenken die ISO an meiner (schon etwas älteren) X-Pro1 auf 3.200 oder gar 6.400 zu schrauben. Und wenn ich dann noch immer nicht genug Licht habe, habe ich sowieso ein Problem, denn bei derartig schlechten Bedingungen hat einerseits der Autofokus schon erhebliche Probleme (siehe Frage 5 im nächsten Teil) und andererseits ist meine Schärfenebene auch schon sehr, sehr gering (siehe Frage 2).

 

2. Wie gut ist die optische Auflösung und kann ich im realen Einsatz wirklich einen Unterschied erkennen?

Fuji X-Pro1 + XF 35mm F1.4 R @ ISO 200; f/4.0; 1/125sec

Dies ist sehr anschaulich auf der Seite von Fuji vs. Fuji dargestellt, zumindest für die beiden oben erwähnten Objektive von Fuji. Blende f/5.6 ist bei beiden Objektiven der so genannte "Sweetspot" an dem sie ihre höchste Schärfe erreichen. Das sind drei(!) bzw. sogar Vier(!!) Blenden unterhalb der Offenblende. Will ich also wirklich die bestmögliche Auflösung und Schärfe, ist es egal ob mein Objektiv eine Offenblende von 1.2, 1.4, 2, oder 2.8 hat. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass die Objektive bei Offenblende nicht auch scharf (genug) wären. Wie gut sich das Samyang bei Offenblende schlägt, werden die ersten Tests zeigen, sowie das Produkt am Markt ist. Ja, auf den Seiten von Fuji und Samyang gibt es bereits die MTF-Charts mit denen sich das schon beurteilen lassen soll, aber davon halte ich nicht wirklich etwas. Genau so wie der Vergleich diverser Test-Charts mit denen die Auflösung beurteilt wird. Natürlich können solche Tests hilfreich sein, und auch das eine oder andere Mal eine fundamentale Schwäche eines Objektives aufzeigen. Aber in 95% der Fälle glaube ich nicht, dass man einen Unterschied bei einem realen Bild erkennen kann. Wie schon Eingangs erwähnt, kann es aber auch sehr hilfreich sein zu wissen, bei welcher Blende mein Sweetspot liegt, wenn ich wirklich maximale Schärfe brauche.

Würde es mit dem zuvor gesagten dann nicht Sinn machen, das Objektiv zu wählen welches die größte Offenblende hat? Durchaus, aber ich glaube man sollte seine Entscheidung zugunsten eines und zu ungunsten eines anderen Objektives nicht an der maximalen Blendenöffnung festmachen. Idealerweise ist es wie mit einem Whisky. Bevor ich (viel) Geld ausgebe, wäre es gut das Objektiv zu testen. Nicht immer ganz einfach, gerade bei Fuji Objektiven. Die meisten Kamera- und Objektivverleihstellen haben diese gar nicht zur Verfügung. Mit etwas Glück kann man sich eines für ein paar Stunden bei einem Fotohänder ausborgen. Oder man befragt viele verschiedene Seiten im Internet mit Erfahrungsberichten. Hierbei würde ich jedoch mehr Fokus auf jene Berichte legen, die weniger technisch sonder mehr praxisbezogen sind. Technische Daten sind eines (siehe Frage 6 im nächsten Teil), Praxistauglichkeit etwas anderes. Bei Frage Nummer 1 habe ich bereits angedeutet, dass die Schärfentiefe (oder Tiefenschärfe?) bei Offenblende schon sehr, sehr gering ist. Bei Blende f/1.2 und einem Motivabstand von 2 Metern sind es gerade einmam 15 cm! Bei Blende f/1.4 ist es da nicht viel besser, hier habe ich etwa 18cm Schärfebereich. Bei Blende f/2 sind wir "schon" auf 26 cm, aber auch das ist relativ wenig. Als Basis für die Berechnungen habe ich die X-Pro1 mit einem 35mm Objektiv herangezogen. Worauf ich hinaus will? Wenn ich so wenig Licht habe, dass ich eine sehr weit offene Blende brauche, werde ich mit Sicherheit andere Probleme bekommen, nämlich einerseits meinen Autofokus überhaupt zum Arbeiten zu bringen (schon wieder ein Vorgriff auf Frage Nummer 5), und andererseits mein Motiv im Fokus zu behalten (oder überhaupt zu sehen, wenn es so dunkel ist). Der verfügbare Schärfenbereich -auch wenn dieser bei APS-C Sensoren von Haus aus größer ist- ist bei geringen Motivabständen relativ klein. Der Ausschuss an nicht scharfen Fotos, bzw. Fotos deren Schärfepunkt vor oder hinter dem Motiv liegt, dürfte dabei stark ansteigen wenn ich immer mit weit offener Blende fotografiere. Obwohl dies jedoch sicherlich auch davon abhängt, was ich damit fotografieren möchte, womit wir bei der nächsten Frage wären.

 

3. Wofür kann ich dieses (oder jenes) Objektiv verwenden? 

Fuji X-Pro1 + XF 35mm F1.4 R @ ISO 200; f/8.0; 1/125sec + Blitz

Nun, ein 50mm (KB) ist ein relativ universelles Objektiv. Dies liegt daran, dass die Bildwirkung dieses Objektives sehr ansprechend ist. Außerdem war (und ist) die Konstruktion, auch von recht lichtstarken Varianten, relativ einfach und kostengünstig. So gut wie jede analoge Spiegelreflexkamera hatte ein 50mm Objektiv als Standardobjektiv dabei. Sieht man sich die Preise der aktuellen Objektive an, ist man bei den Fujinon mit rund 400€ für das f/2 dabei, für das Samyang sollen wohl rund 450€ zu bezahlen sein und das f/1.4 von Fuji ist für etwa 500€ zu haben. Neben dem Preis muss ich bereits jetzt die Mindestfokusdistanz vorwegnehmen, ebenso das Gewicht und die Größe (Frage 6 im nächsten Teil). Die Mindestfokusdistanz beträgt 28cm für das Fujinon f/1.4, 38cm für das Samyang und 35cm für das Fujinon f/2. Makrofotografie ist damit nicht unbedingt möglich, aber für Produkt- und Studiofotografie kann man es sicher verwenden. Und natürlich (vor allem die beiden Fujinon) für Streetphotography. Was spricht gegen das Samyang? Nun, das hängt mit der Größe und dem Gewicht zusammen. Sowohl das f/2 als auch das f/1.4 von Fuji sind relativ leicht (164g bzw. 184g) wogegen das Samyang mit etwa 430g schon so fast genau so schwer wie die X-Pro1 (450g) oder sogar die X-T2 (500g) ist. Naturgemäß braucht man für ein lichtstärkeres Objektiv mehr Glas, was wiederum in mehr Gewicht resultiert. Und in größeren Abmessungen. Während man beim Fujinon f/2 schon von winzig sprechen kann, die Länge ohne Bajonett beträgt gerade 46mm(!), ist das Samyang mit rund 75mm Länge schon fast riesig! Das etwas lichtstärkere Fujinon reiht sich dazwischen, aber immer noch näher an seinem kleinen Bruder, mit 50mm Länge, ein. Zusätzlich ist das Samyang komplett aus Metall gefertig, was für das außergewähnlich hohe Gewicht (mehr als Doppelt so schwer wie die beiden Fujinon) sorgt. Natürlich trägt dies zur Stabilität bei. Dazu mehr bei Frage 4!

Eine weitere Einschränkung des Einsatzbereiches sehe ich durch den nicht verbauten Autofokus. Über die Gründen warum Samyang dieses Objektiv ohne Autofokus baut kann ich nur spekulieren. Eine -und vielleicht auch die plausibelste- Möglichkeit könnte sein, dass dieses Objektiv auch als Filmobjektiv mit T-Stops verfügbar ist. Außerdem hat letzteres statt des üblichen Fokusringes einen Ring, der für so genannte "Follow-Focus-System" konzipiert ist. Also quasi einen externen Autofokus. Dieses Einsatzgebiet gehört ganz alleine dem Samyang, zumindest empfinde ich den Fokusring an meinem XF 35mm f/1.4 etwas schwammig. Von diversen Foto/Video-Blogs weiß ich aber, dass es gerade beim Filmen sehr darauf ankommt, einen exakt arbeitenden Fokusring zu haben. Da ich mich aber in diesem Bereich zu wenig auskenne, belasse ich es einfach bei der Vermutung, dass das Samyang primär für den Filmbereich konstruiert wurde und sich das Fotoobjektiv daraus "einfach ergeben hat".

 

4. Kommt es wirklich auf die Größe an? 

Ja.
Damit sind wir am Ende des ersten Teils angelangt.

Fuji X-Pro1 + XF 35mm F1.4 R @ ISO 3200; f/2.8; 1/60sec

Noch nicht ganz, aber fast. Natürlich kommt es auf die Größe an. Die Frage ist immer nur, ist größer besser oder nicht? Mein Freund und Kollege Michael hat erst kürzlich einen Artikel über richtig große Objektive geschrieben. Großer Brennweitenbereich (70-200mm), große Offenblende (f/2.8), großer Filterdurchmesser. Sind diese Objektive schlecht? Mitnichten! Ich sehe das aber so: Ich bin vor über einem Jahr von meiner (riesigen) Spiegelreflexkamera auf eine Fuji X100T umgestiegen. Ein paar Monate später habe ich mir die X-Pro1 gekauft. Ich mag einfach diesen Formfaktor. Warum soll ich mir jetzt, da ich mein Gehäuße verkleinert habe, weiterhin große und schwere Objektive kaufen? Natürlich hängt die Objektivwahl auch davon ab, was ich fotografieren möchte/muss. Mein größtes Objektiv war ein 100-400mm von Canon. Das Objektiv schreit danach, am Sportplatz eingesetzt zu werden. Für Street, Arichtektur oder Landschaft ist es nicht zu gebrauchen. Einfach zu lange (Brennweitenmäßig) und zu groß. Das 35er kann ich neben dem Studio auch für Street, Architektur, Landschaft, Reportage, sogar Portrait einsetzen. Und gerade bei Street und Reportage kommt es oft auf die Größe an.

Auf der einen Seite ist das komplett aus Metall gefertigte Samyang mit Sicherheit sehr stabil, was bei "Heavy Duty" Einsätzen im Feld gut sein kann, auf der anderen Seite verdoppelt es das Gewicht wenn ich es am meiner X-Pro1 habe. Michael und ich waren Ende Juli zwei Tage in München. Da wir unsere Taschen am zweiten Tag nicht im Hotel lassen konnten, wir aber den ganzen Tag in München auf der Straße verbingen wollten, haben wir die Taschen kurzerhand am Bahnhof in ein Schließfach geworfen und sind nur mit unseren Fotoapparaten (und ich mit einem Haufen Ersatzakkus) losgezogen. Rückblickend wäre es wohl besser gewesen, wenn ich neben dem XF 10-24mm f/4 R OIS mein 35er mit genommen hätte. Oder meine X100T. Das eben genannte Objektiv ist ähnlich schwer wie das Samyang (400g) und sogar um über 10mm länger, nämlich ganze 87mm(!). Zugegeben, es ist ein Zoom-Objektiv, die sind bauartbedingt größer. Dadurch, dass das Samyang erst am 1.August angekündigt wurde, konnte ich zu dem Zeitpunkt nicht einmal wissen, wie groß oder schwer es sein würde. Trotzdem konnte ich so bereits Erfahrung mit einem ähnlich großen und schweren Objektiv machen, wenn auch mehr durch Zufall.

Streetphotography war mit dem 10-24er kaum möglich, so schwer habe ich mir schon lange nicht mehr getan. Aber für die Architektur- & Autoaufnahmen in der BMW Welt und der Münchner Innenstadt war es die richtige Wahl. Wenn ich neben dem Gewicht der Kamera (und dem Objektiv) auch noch meine Tasche schleppen hätte müssen, wäre ich wohl bereits nach 2 Stunden bis auf die Knochen nass gewesen. Geschwitzt habe ich aber trotzdem genug, auch "nur" mit meiner Kamera. Das hohe Gewicht alleine würde mir weniger ausmachen, aber warum sollte ich nicht zu einer leichteren Variante greifen, die vor allem auch kleiner und unauffälliger ist? Deßwegen bin ich ja von meiner DSLR zu einer Spiegellosen gewechselt, weil ich Größe und Gewicht reduzieren wollte. Der "fehlende" Autofokus ist in diesem Zusammenhang gar nicht so schlimm, dazu aber im nächsten Teil mehr.

Lukas D. ALBERT, aus Wien für LDAMiAb