Akuter Anfall von GAS

Lieber Freund,

wie du sicher weißt kämpfe auch ich immer wieder gegen GAS (Gear Aquisition Syndrome). Dabei gelüstet es mir weniger nach einer neuen Kamera (ich liiiiiiiiibe meine X100T und X-Pro1) als nach Zubehör. Das eine oder andere Objektiv wäre natürlich auch nett, aber auch hier bin ich mit dem, was ich habe sehr zufrieden. Der Vorteil dieser Unterart des GAS, nennen wir diesen Zweig einfach GAS-A (das zweite "A" für Accessoire) ist, dass man bereits durch kleinste Gelddosen eine mildernde Wirkung beobachten kann. Zum Beispiel durch den Kauf eines Gurtes (siehe hier, mein Accessoire des Jahres). Den habe ich nun schon eine ganze Weile und bin noch immer sehr glücklich.

Als ich letzten Oktober in London war, hatte ich mein ultra kompaktes Stativ mitgenommen (ja, das durfte ins Handgepäck), dann aber im Hotel gelassen. Nicht vergessen, bewusst doch nicht mitgenommen. Für das eine oder andere Foto hätte ich es schon gut brauchen können, aber durch die Schnellwechselplatte unter der X100T (bei der X-Pro1 habe ich einen Handgriff mit einer Swiss-Arca Platte dran; ein weiteres Accessoire...) kam ich eigentlich ganz gut weg (das Bild der Tower Bridge entstand ohne Stativ, obwohl es mit Stativ vielleicht noch besser geworden wäre?!?). Angespornt durch einen Post auf Facebook und ein paar Podcasts bin ich nun aber wieder am überlegen, ob ich mir nicht doch irgend eine Art von Stativ anschaffen sollte. So zum "immer dabei haben" haben.

Tower Brigde, London, 2016
Mit ohne Stativ, Kamera auf der Kaimauer hingestellt, Fuji X100T

Der Facebook-Post betraf ein "Stativ" das mehr wie ein Gürtel mit großer Schnalle aussieht. Der Post selber war von enjoyyourcamera, ein nettes Kamerageschäft in Deutschland. "Miniorenji Mini Plaster Hand" nennt sich das Ding und kann folgendes: Die "Gürtelschnalle" wird unter die Kamera geschraubt und kann entweder direkt "so" als Stativ verwendet werden (mehr oder weniger wie die Schnellwechselplatte die ich schon dran habe, also nichts zum Neigen, Schwenken, etc.) oder aber man montiert einen kleinen Kugelkopf darauf. Dadurch wird es zwar größer, aber schon mehr ein "richtiges" Stativ. Klingt soweit schon ganz nett. Nun zum Gurt. Dieser wird auf einer Seite eingehängt und kann dann zum Beispiel um ein Rohr, Handlauf, usw. geführt werden, auf der anderen Seite der Platte durch gefädelt werden und mit (jetzt kommt's!) der (möglichst schweren!) Kameratasche "festgezurrt" werden.

Houses of Parliament, London, 2016
Wieder mit ohne Stativ, Kamera auf der Kaimauer hingestellt, Fuji X100T

Ansich eine tolle Idee, aber ich hätte es hier besser gefunden, so eine Art "Zipp-System" wie bei Kabelbindern oder einen Klettverschluss zu haben. In London bin ich nur mit meiner Kamera herumgelaufen, wie hätte ich da das Ding an einem Geländer an der Themse befestigen sollen? Ja, ICH hätte das Gewicht spielen können, schon richtig, aber irgendwie finde ich es kontraproduktiv wenn ich ein Produkt extra klein und portabel mache und dann brauche ich erst eine große schwere Tasche ;) Was mich zu dem zweiten System (welches auch bei enjoyyourcamera erhältlich ist) führt, mit dem ich liebäugle. Dem "Platypod Pro", was mehr oder weniger "nur" eine Alu-Platte mit ein paar Löchern und einem Stativgewinde ist.

Größer als das vorherige System und ohne Gurt, aber dafür mit drei Schrauben, welche zum Nivellieren verwendet werden können, sollte der Untergrund nicht eben sein. Zusätzlich hat es noch ein paar extra Löcher (ohne Gewinde) um das Teil mit Kabelbindern oder irgend etwas anderem an anderen Dingen zu befestigen. Am Stativgewinde lässt sich ein Stativkopf deine Wahl befestigen, oder direkt die Kamera, so wie beim "Mini Platster Hand". Es gibt noch eine etwas größere Version, die hat neben den Löchern mit und ohne Gewinde auch noch zwei Schlitze, durch die sich ein Gurt führen lässt. Diesen muss man sich jedoch (selber) besorgen. Das könnte ich natürlich auch bei dem anderen System machen, aber dann wäre der Gurt der dabei ist überflüssig.

Houses of Parliament mit Möve, London, 2016

Ich werde mir über kurz oder lang wohl das "Platypod" kaufen. Ich finde es ist einfach das universellere System, vor allem die einschraubbaren Dornen mit denen man die Platte ordentlich auf - angeblich jedem - Untergrund abstellen kann finde ich deutlich praktischer. Das "Mini Planster Hand" ist zwar auch eine geniale Idee, aber ich sehe nicht so viele Einsatzgebiete für mich wie mit dem "Platypod". An Handläufen lässt es sich sicherlich besser als das "Platypod" befestigen, aber auf allen anderen, mehr oder weniger geraden, Flächen ist es dem "Platypod" unterlegen. Und genau dort würde ich es einsetzen wollen. Vielleicht kennst du ja noch andere Lösungen, noch habe ich es mir nicht gekauft, ein wenig Zeit hast du also noch, mir Alternativen zu unterbreiten. Bis dahin, dein