Sei inspiriert

Mariazell, 2015

Bevor ich darüber schreibe, was mich inspiriert oder wie ich inspirierend sein kann, muss ich etwas vorausschicken das Eric Kim, ein begnadeter Streetphotographer, Entertainer und Lehrer, bei einem Workshop von Adobe Live - natürlich über Street Photography - gesagt hat und das ich auch für mich in Anspruch nehmen möchte (Hier geht es zu den beiden Videos Teil 1 und Teil 2). Er spricht in diesen Videos (auch) darüber, was man (natürlich seiner Meinung nach) in der Street Photography tun oder nicht tun sollte. Vieles davon hat er jedoch - früher - eben getan oder nicht getan, was er aber auch unverwunden zugibt. Das hat nun nichts mit Inkonsequenz oder gar Gleichgültigkeit zu tun, sondern damit, dass man sich entwickelt und Dinge in einem anderen Licht sieht, wenn man auf seinem fotografischen Weg fortschreitet. Genau das wird mir im Laufe dieses Artikels auch wiederfahren.

Cluny, 2015

Ich gehöre zu der glücklichen Gruppe an Fotografen, deren Lebensunterhalt nicht davon abhängt gute Fotos abzuliefern. Und darüber bin ich auch mehr als froh. Ich bin jahrelang dem G.A.S. (Gear Aquisition Syndrom) erlegen. Nie waren die Fotos gut genug, hätte ich doch nur eine etwas bessere Kamera, ein etwas besseres Objektiv, dann würde ich bessere Fotos machen können. Als ich dann - endlich - von meiner "antiquarischen" 300D auf die 5D umstieg wurde alles besser. Dachte ich jedenfalls am Anfang. Es dauerte nicht lange, da meldete sich mein bereits geheilt geglaubtes G.A.S. zurück. Doch anstatt mich nach einer neuen Kamera umzuschauen, begann ich zu hinterfragen, warum ich mit meinen Fotos nicht zufrieden bin. Immer mehr kam ich dahinter, warum oder was mich störte. Es war weniger die mangelhafte Austrüstung, die war mehr als adequat, irgendwie war mir die Begeisterung, die Passion abhanden gekommen ohne das ich es bemerkt hatte.

München, 2016

Ich begann, mich nach Podcasts umzusehen, die mir dabei behilflich sein sollten, meine anfängliche Begeisterung für Fotografie zurück zu gewinnen. Ich fand einige Podcasts die mich interessierten, namentlich von Valerie Jardin (Street Focus), Ibarionex Perello (The Candid Frame), Martin Bailey (The Martin Bailey Photography Podcast), sowie Marco Larousse und Scott Bourne (We Shoot Fuji, später dann The Mirrorless Show und The Inspirational Show auf Photofocus). Allen eben genannten Podcasts gemein ist, neben der Tatsache dass sie in Englisch sind, dass die Fotografie im Vordergrund steht. Ja, natrülich werden auch neue Kameras, etc. besprochen, aber im zentralen Fokus steht das Fotografieren an sich. Während ich also diese Podcasts zu hören begann, wuchs mein Interesse - wohl durch die Podcasts selbst iniziiert - immer mehr für das Genre Street Photography. Ich begann, langsam aber stetig, wieder zu entdecken, warum ich an Fotografie früher eine solche Freude hatte und was mir diese Freude verdorben hatte.

Stockerau, 2016

Ich habe einen natürlichen Hang zum Perfektionismus und genau da lag mein Problem begraben. Die perfekte Kamera gibt es schlichtweg nicht. Ebenso das perfekte Objektiv oder gar das perfekte Foto. Zu dieser Erkenntnis kam ich nicht sofort, es dauerte eine Weile. Neben den oben genannten Podcasts halfen mir auch diverse Fotobücher, die ich mir nach und nach zugelegt habe, das zu erkennen. Allen Büchern voran "The Decisive Moment" von Herni Cartier-Breson. Das Cartier-Breson ein begnadeter Fotograf war, steht außer Frage. Trotzdem könnte man argumentieren, dass viele seiner Fotos nicht perfekt sind, vergleicht man sie damit, was heutige Kameras leisten können. Und trotzdem sind seine Fotos perfekt. Voller Emotionen, manche tiefgründiger als andere. Manche schnell zu erfasen, manche zum Grübeln. Aber keines der Fotos ist unbedeutend, unwichtig, unnötig. Ob nun der Fokus zu 100% passt wird unwichtig, wenn die Emotionen des Moments in dem Foto eingefangen sind. So ließ ich mich also von den Größen vergangener Tage inspirieren und kam zu dem Schluss, dass die Fotos die ich mache, nicht einfach nur Schnappschüsse sein sollen, sondern Bedeutung haben sollen.

London, 2015

Ist einem erst mal bewusst, dass die Bilder die wir machen niemals perfekt sein werden, wirkt das richtig befreiend. So entstand in meinem Kopf ein Wort, ich weiß nicht ob es im Duden steht oder ob ich es erfunden habe, nämlich - Unperfektheit. In jedem meiner Bilder gibt es Unperfektheiten. Das macht aber nichts, ganz im Gegenteil. In einer immer schneller werdenden Konsumgesellschaft die nach Perfektion strebt gönne ich mir die Befriedigung, NICHT nach Perfektion zu streben. Ich strebe danach, Bilder zu erschaffen, die mich berühren, faszinieren, in ihren Bann ziehen, das Leben dokumentieren so wie es ist, mit allen seinen Unzulänglichkeiten, Fehlern und Problemen. Im Jubiläumspodcast von Valerie Jardin (No. 100!) sagte Ibarionex Perello oder Martin Bailey, ich weiß nicht mehr genau wer von den beiden, dass er die ganzen negativen Kommentare nicht mehr liest. Nicht weil es ihn nicht interessiert oder er sich nicht verbessern will, sondern weil er diese negative Art von Kommentaren nicht in seinem Leben haben will. Jene, die konstruktive Kritik anbringen wollen, tun dies meist direkt (via Email, PN, etc.) und den anderen geht es einfach nur darum, schlechte Stimmung zu verbreiten. Dem stimme ich völlig zu. Ich fotografiere für mich, wenn jemandem gefällt was ich schaffe, freue ich mich darüber; wenn nicht, auch gut, nicht mein Problem!

Erst kürzlich habe ich einem Video von Damien Lovegrove einen Ausspruch gehört, den ich zum Abschluss des ersten Teils verwenden möchte. "You know, with all the rules in photography, if the picture looks good, it is good." - Mit all den Regeln in der Fotografie, wenn das Bild gut aussieht, ist es gut. Dabei ist es doch völlig nebensächlich, mit welchen Mitteln das Foto entstanden ist, oder?

Nächste Woche werde ich im zweiten Teil weiter ausführen, was es für mich heißt, sich inspirieren zu lassen und welche Möglichkeiten ich selbst als Fotograf habe um andere zu inspirieren.