Sei inspirierend

Cluny, 2015

Im ersten Teil schrieb ich darüber, wie wichtig es ist, sich inspirieren zu lassen. Nun mag man mir vorhalten, dass es durch meine Entscheidung, die Aufnahmeparameter nicht mehr bei meinen Fotos zu nennen, schwieriger oder gar unmöglich ist, von mir inspiriert zu werden. Ich denke jedoch nicht, dass dem so ist. Wieso das? Nun, wie Scott Bourne in einem der Photofocus Podcasts gesagt hat, wenn nicht alles exakt gleich ist (Kamera, Objektiv, Zeit, Licht, etc.), sind diese Angaben wertlos. Aber es könnte ein Betrachter auf die Idee kommen, mich (oder allgemein: den Fotografen) zu kontaktieren und zu fragen: "Wie hast du das hinbekommen?". Ich denke eine Information wie "Damit das Meer so cremig wird und verschwimmt, brauchst du eine längere Belichtungszeit und einen ND-Filter." ist besser, als die Exif-Daten. Diese Info, nämlich der verwendete ND Filter, steht überdies nicht in den Exif-Daten! So kann ich als Fotograf erklären, wie ich zu einem bestimmten Bildstil oder Ergebnis komme. Welche exakten Einstellungen ich benötige, hängt dann wieder von der Situation ab. Allein aus den Exif-Daten kann ich vieles nicht ableiten (ND Filter, Post Processing, ect.), schon recht nicht, wenn ich nicht so viel von Fotografie verstehe oder erst am Anfang bin. Daher verzichte ich bewusst ab sofort auf solche Dinge, um den Anderen zu Inspirieren. Entweder sich an mich (oder einen anderen Fotografen) zu wenden und zu lernen oder einfach eine Kamera zu schnappen und selbst herum probieren; was heute ja viel günstiger und einfacher ist als in der Film Zeit...

München, 2016

Und schon sind wir mitten drinnen, wie ich als Fotograf andere inspirieren kann. Die einfachste und wohl beste Möglichkeit ist, Bilder mit anderen zu teilen. Sei es auf Facebook, Instagram, Flickr, 500px oder Pintrest (um nur einige zu nennen), die heutige Zeit und Technologie macht es uns so einfach wie noch nie, anderen eine Inspiration zu sein. Auf der anderen Seite ist es aber auch durchaus schwer, denn mit der heutigen Bilderflut (irgendwo habe ich gelesen, dass heute täglich mehr Fotos gemacht werden als in allen Jahren vor dem digitalen Zeitalter zusammen) stumpfen wir auch sehr schnell ab. Die Zeit die ich heute einem Foto auf Instagram widme, bewegt sich meist im einstelligen Sekundenbereich. Vielleicht noch schnell einen Doppeltipp drauf, wenn es mir wirklich gut gefällt. Für ein Kommentar muss das Bild schon wirklich außergewöhnlich sein. Das ist zumindestens meine Erfahrung, ich denke anderen geht es da nicht viel anders. Trotzdem finde ich, dass man als Fotograf seine Werke den anderen zeigen sollte. Vielleicht reichen ja diese zwei, drei Sekunden in denen mein Bild gesehen wird, um jemandem ein Lächeln auf's Gesicht zu zaubern. Oder vielleicht erinnert es an einen schönen Urlaub, eine Begegnung oder ein anderes Ereignis.

Mariazell, 2015

Eine andere Möglichkeit eine Inspiration zu sein, ist das persönliche Gespräch unter Fotografen. Sei es bei einem (selbst organisiertem) Fotowalk, zufällig auf der Strasse oder geplant. Ich treffe mich zum Beispiel schon seit vielen Jahren mit meinem guten Freund und Co-Autor hier auf LDAMiAb.com, Michael, wöchentlich auf einen Kaffee. Wir sprechen natürlich nicht ausschließlich über Foto-Themen, aber darum geht es gar nicht. Wir benutzen diese wöchentliche Zeit um uns Auszutauschen, kreative Ideen zu wälzen und einfach nur eine gute Zeit zu haben. Michael hat mich nicht einmal mit unseren wöchentlichen Treffen zu etwas inspiriert, das ich so nicht gemacht hätte. Meist ganz einfach aus dem Grund, dass ich gar nicht daran gedacht hatte. Manchmal aus dem Grund, es einfach von "der Falschen Seite" betrachtet zu haben.

London, 2015

Eine doppelte Art der Instpiration ist das Drucken. Es kann einerseits mich inspirieren, andererseits Inspiration für andere sein. Ich weiß noch, wie ungeduldig ich als Kind nach dem Urlaub auf meine Fotos warten musste. Wir konnten die Bilder ja nich einmal vorab am Kamerabildschirm sehen. Umso größer war die Freude, die Abzüge, "echte" Fotos in der Hand zu halten und mit anderen anzusehen. All das kam mit dem Aufkommen der Digitalkameras recht schnell aus der Mode. War es schon recht kostspielig einen 36 Bilder Film entwickeln zu lassen - ich habe oft nur den Film entwickeln lassen und mir die Negative angesehen. Anschließend habe ich nur die Fotos nachbestellt, die mir gefallen haben - damals waren Computer und Drucker alles andere als Billig. Dazu kam die noch sehr geringe Qualität der Ausdrucke dazu. Erst mit der Zeit begannen die Drucker im Fotodruck besser und günstiger zu werden und auch die klassischen Fotolabore begannen Fotos von digitalen Medien zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Durch diese Übergangszeit haben jedoch viele - mich eingeschlossen - vergessen (oder verlernt?) wie schön es ist, Fotos "machen zu lassen" und diese in Händen zu halten.

Sliač, 2014

Aber ich habe das Drucken von Fotos für mich wieder entdecken können. Und ich möchte jeden der eine Digitalkamera hat, egal ob es eine profesionelle DSLR, eine Spiegellose, eine super kleine Kompaktkamera oder "nur" ein Smartphone ist, ermutligen mit dem Drucken von Bildern (wieder) anzufangen. Warum? Nun, wie oft sehen wir uns die Bilder an, die wir auf unseren Festplatten zu Tausenden (bei mir sind es seit ich 2003 digial geworden bin über 60.000) liegen haben? Vielleicht beglücken wir die Familie oder Freunde nach dem Urlaub mit einer Dia-Show unserer 1.000 Fotos am Fernseher, dann verschwinden die Fotos wieder in der Bedeutungslosigkeit. Ein paar schaffen es dann noch auf Facebook, Instagram und Konsorten, aber drucken? So viele? Das ist es doch nicht wert, oder? Richtig, ist es nicht! Es spricht ja nichts dagegen, viele Fotos zu machen. Drucken (oder ein Fotobuch davon machen) sollte ich dann aber nur jene, von denen ich Überzeugt bin, dass sie gut sind, dass sie eine Geschichte erzählen, dass sie mich erfreuen wenn ich sie in einem Jahr wieder ansehe.

Wien, 2016

Erst kürzlich ist mir das Fotobuch in die Hand gefallen, das ich von meiner Italienreise 2009 erstellt hatte. So viele schöne Erinnerungen sind da wieder hoch gekommen. "Weißt du noch damals?", "Kannst du dich noch erinnern, wie das Foto entstanden ist?", "Wow, das ist schon wieder 7 Jahre her!" waren nur einige der Dinge, die uns durch den Kopf gagangen sind. Woran wir nicht dachten, war die benutzte Kamera. Es ging um das, was die Fotos erzählten, um das, woran wir erinnert wurden. Natürlich weiß ich genau, dass ich die Fotos mit meiner Canon 300D gemacht hatte, aber keinem meiner Mitreisenden war dies jetzt, sieben Jahre später, weder bewusst noch wichtig. Erst gestern habe ich in einem Artikel von Eric Kim gelesen in dem er schreibt, dass es besser ist sein Geld in Reisen zu investieren als in Ausrüstung. Hätte ich damals das Geld in die 5D investiert mit der ich geliebäugelt hatte, hätte ich diese Reise nicht gemacht. Und damit wären mir unzählige, wundevolle Erinnerungen "verloren" gegangen, die ich ich aber dank meiner "alten", "antiquirierten" 300D auf wundervolle Weise eingefangen habe und woran ich (und alle Mitreisenden) mich noch heute erfreuen kann.

Ich könnte noch unzählige weitere Beispiele aufzählen, aber die Zusammenfassung meiner Gedanken ist: Man sollte sich mehr auf das konzentrieren, das man hat, nicht auf das was man nicht hat. Sich vornehmen, mehr zu drucken (und dadurch sich zwingen selektiver zu sein und nicht jeden Schnappschuss zu drucken), vielleicht einige dieser Fotos an Freunde und Bekannte zu verschenken. Ein Fotobuch der nächsten Reise zu erstellen (innerhalb einer Woche nach der Rückkehr, sonst macht man es sowieso nicht mehr!). Außerdem kann es sehr befreiend sein, sich (persönliche) Grenzen zu setzten, wie zum Beispiel nur eine Kamera/Linse im nächsten Monat, auf der nächsten Reise, oder so. In meinen nächsten zwei Artikeln, die von diesen beiden auch mehr oder weniger inspiriert worden sind, werde ich über das Drucken schreiben und welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt, wenn man sich selbst Grenzen setzt bzw. dem Minimalismus verfällt.

Also, nicht so viele Berichte über neue Kameras, Objektive, etc. lesen, Kamera schnappen und raus in die Welt um Fotos zu machen ;) 

Ciao, euer

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