Lost in Question

Lieber Freund,
zugegeben, der Titel klingt bei weitem nicht so gut, wie der des Films, von dem ich mich inspirieren habe lassen. Aber "Question" passt einfach besser als "Translation" in diesem Zusammenhang.

Was meine ich nun damit? Eigentlich wollte ich bereits letzte Woche darüber schreiben, doch da kam die erfreuliche Meldung, dass der Verlag Edition Lammerhuber einige prestigeträchtige Preise abgeräumt hat, dazwischen (Hier zum Nachlesen). Worüber ich nun schreiben will ist folgendes: In letzter Zeit habe ich vermehrt Postings - vor allem auf Facebook - vom Typ "Diese oder Jenes Objektiv?" oder "Dieses Zoom und diese Festbrennweite oder nur diese (andere) Festbrennweite?" gesehen.

Was mich an solchen Postings stört, ist nicht die Tatsache, dass jemand eine Frage hat oder etwas nicht weiß (Da gibt es doch diesen Spruch "Ich weiß, dass ich nichts weiß", oder? Total philosphisch!!) sondern, dass die Frage so nicht beantwortet werden kann. Weder die verwendete Kamera (zugegeben, das ist jetzt nicht so wichtig, aber doch), noch der (geplante?) Einsatzzweck wird genannt. Oder warum man zwischen diesen beiden Objektiven wählen will/muss. Ich bin immer versucht einfach mit "Ja" zu kommentieren, tue dies aber um den lieben Friedens willen nicht. Wäre zum Beispiel die Frage sich zwischen (ich nehme das, was ich von Fuji kenne) dem 23mm und dem 14mm (bei Fuji beide f/1.4) zu entscheiden, kommt es eben genau auf den Einsatzzweck an. Für Porträts würde ich das 14mm nicht nehmen (und das 23er auch nur wenn es eines der beiden sein *muss*), für Landschaftsaufnahmen sehrwohl.

Auch stellt sich die Frage, ob man bereits das eine oder andere bzw. beide Objektive bereits besitzt oder nicht. Möchte ich einfach nur mein GAS gerechtfertigt bekommen? Ich disskutiere oft mit Michael, auch über verschiedenste Objetive, Kameras, usw., aber immer im Kontext. Erst gestern schrieb mir Michael, nachdem er ein YouTube Video vom 16-55mm f/2.8 vs. 18-55mm f/2.8-4 OS von Fuji gesehen hat, dass er der Meinung ist, das 18-55er sei ein optimaler Allrounder, vor allem für Video. Mit einer Frage im Sinne von "16-55er oder 18-55er" hätte weder ihm weiter geholfen werden können (er überlegt nämlich zu Fuji zu wechseln...) noch hätte ich ihm helfen können. Ich hätte ihm nämlich zum 16-55er wegen der besseren Lichtstärke geraten. Es sei denn, er wolle es (auch) für Videos einsetzen, dann wäre meine Wahl wie die seine ausgefallen. Kontext ist wichtig.

Ich möchte dich hier nicht verängstigen, Fragen zu stellen. Ganz im Gegenteil, frage soviel du willst! Ich werde dich deswegen auch nicht schief anschauen oder gar nieder machen. Aber ich werde nachfragen. "Wofür möchtest du die Objektive verwenden?" oder "Was möchtest du damit erreichen?" wären Fragen, die du dann von mir zu hören bekommen würdest. Im persönlichen Gespräch geht das natürlich viel einfacher als im Internet. Da ist nicht jeder immer gleich online, da schaut nicht jeder alle 5 Sekunden auf FB nach, ob schon wer auf seinen Post geantwortet hat (wobei es auch solche Menschen gibt...). Daher glaube ich, dass es wichtig ist, gerade online, eine gewisse "Fragen Etikette" zu haben. Kurz und prägnant zusammenfassen, was ich wissen möchte. Und dabei nicht vergessen, notwendige Hintergrundinformationen zu geben. Der andere vor dem Bildschirm weiß nicht, dass du gerne Landschaften fotografierst. Oder Menschen, oder Architektur. Du weißt es, aber der andere möglicherweise nicht.

In meinen fast 13 Jahren als Chemiker habe ich gelernt, dass man (im Labor) nie zu viel aufschreiben kann, immer nur zu wenig. Und Michael, so wie jeder andere Wissenschaftler, würde mir da beipflichten. Bedenke also, wenn du jemanden um Rat fragst, ihm möglichst viele Informationen zukommen zu lassen. Nicht so einen langen Artikel, wie ich ihn gerade tippe. Aber zumindest, wofür du die zur Debatte stehenden Dinge nutzen möchtest. Bei Postings im Stile von "Objektiv 1 oder Objektiv 2?" scrolle ich einfach weiter. Die wenige Zeit, die ich versuche auf Facebook (oder Instagram, Twitter, …) zu verbringen, nutze ich nicht gerne, um einige wenige bis einige hunderte Kommentare zu durchforsten, ob da noch weitere Informationen vorhanden sind. Das mag jetzt vielleicht ein wenig anmaßend klingen, aber ich bin nun mal so, wie ich bin. Wem das nicht passt, der muss ja nicht mit mir interagieren ;)

Eigentlich habe ich auch noch über etwas anderes schreiben wollen, aber ich glaube der Artikel ist für heute lange genug. Und außerdem hat es nicht unbedingt etwas mit der hier angesprochenen Thematik rund um das Fragestellen zu tun. Ja, es war auch in Fragenform formuliert, aber hatte eher etwas mit Schärfe bzw. Unschärfe zu tun. Aber bevor ich mich an diesen Artikel mache, schaue ich mir zuerst das Video von Jared Polin aka The FRO an, in dem er über das Porträt von Melania Trump spricht. Das soll auch irgendwie unscharf sein oder so. Aber das habe ich nur so am Rande mitbekommen. Daher werde ich mir jetzt dieses Video ansehen, vielleicht hilft es mir ja bei meinem nächsten Artikel. Bis dahin alles Gute, Dein

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