Die Nestville Destillerie

Dank eines lieben Kollegen und Freundes hatte ich vergangenen August die Möglichkeit die Nestville Destillerie, gelegen im Nordosten der Slowakei nahe der polnischen Grenze, zu besuchen. Sie produziert bereits seit vielen Jahren technischen, sowie lebensmittelreinen Alkohol. Die Whiskyproduktion läuft aber erst seit gut 7 Jahren.

Der Eingang zur Destillerie

Als wir in der Destillerie ankommen erfahren wir, dass gerade eine Tour begonnen hat. Wenn wir uns beeilen, könnten wir sie noch einholen, wird uns gesagt. Die Ersten Stationen sind schnell -auch ohne Tourguide- angesehen. Was macht ein Küfer, was macht ein Schmied und wie wird das Grundmaterial für Whisky hergestellt? Alles nichts neues für einen Whiskyliebhaber wie mich. Klar, der Küfer macht die Fässer ohne die es keinen Whisky gäbe und der Schmied hatte damals neben der Herstellung der Reifen für die Fässer auch sonst alle Hände voll zu tun die benötigten Werkzeuge und Teile anzufertigen die man so in einer Destillerie braucht. Und der Anbau von Getreide für die Whiskyproduktion -vor allem Gerste- ist auch klar.

Da wir uns nicht im Vorfeld angemeldet hatten, wurde die Tour in der Landessprache gehalten, Deutsch, Englisch, Polnisch und Russisch wären auch möglich gewesen, aber eben nur wenn man a) sich anmeldet und b) eine Gruppe ist. Ich bin zwar kein Leichtgewicht, aber eine Gruppe bin ich noch lange nicht. Also muss mein lieber Arbeitskollege und Freund Peter als Dolmetscher herhalten.

Die Lagersilos und die Schrotmaschine

Schon von weitem waren die riesigen Silos für das Getreide zu sehen. Wie wir später erfuhren haben diese eine Gesamtkapazität von etwa 18.000 Tonnen! Nachdem wir uns der Gruppe angeschlossen haben ging es in das "Malt House". Dort wird die Gerste gemälzt. Im Prinzip geht es darum, die in der Gerste gespeicherte Energie (in Form von Stärke) in Zucker umuwandeln, welcher dann zu Alkohol vergoren werden kann. Eine genauere und bessere Beschreibung findet sich auf Wikipedia. Anschließend wird die gemaischte Geste, jetzt Malz genannt, zerkleinert. Und schon kann die Alkoholproduktion beginnen. Auch hier sei wieder auf Wikipedia verwiesen, denn dies ist auch wieder -so wie das Maischen- ein recht aufwendiger Prozess, der aber dank moderner Technik fast ganz alleine abläuft. Und wenn doch mal etwas nicht passt, kann das vom Leitstand meist mit ein paar Mausklicks behoben werden.

Lagerhaus No.1

Dies alles passiert in der Destillerie im so genannten "Fermenter House" in mehreren Tanks mit je 8.500 Litern Fassungsvermögen. Leider durfte man in diesem Bereich keine Fotos machen, vermutlich um Industriespionage zu vermeiden. Das so erhaltene Produkt ist dem Bier nicht unähnlich und hat zwischen 6 und 12% Alkoholgehalt. Im nächsten Schritt wird destilliert. Da das Hauptgeschäft der Destillerie nicht die Whiskyproduktion ist, wird der Großteil der fertig fermentierten Maische siebenfach destilliert um lebensmittelechten Alkohol zu erhalten. Daneben wird auch noch technischer Alkohol angeboten, dieser wird nur fünffach destilliert und findet in der chemischen Industrie seinen Einsatz. Außerdem erklärt der Toure-Guide ganz stolz, dass die Nestville-Destillerie auch einen 99,98%igen Alkohol anbietet, "normaler" Reinalkohol enthält rund 4% Wasser, welches sich auch nicht so einfach wegbekommen lässt. Für mich als Chemiker nichts ungewönliches, aber die anderen Leute waren sichtlich beeindruckt. Insgesamt werden so täglich rund 35.000 Liter Reinalkohol produziert. Wie viel davon für die Whiskyproduktion verwendet wird, konnte mir der Tour-Guide leider nicht sagen. Jedoch lagern derzeit rund eine Million Liter Whisky in den Fässern der Destillerie und harren der Abfüllung.

Auch konnte ich nicht in Erfahrung bringen, ob es für die Whiskyproduktion eine eigene Destillationsanlage gibt oder ob die selbe wie für das "Tagesgeschäft" verwendet wird. Ich hege die Vermutung, dass einfach ein Teil des Reinalkohols der für die Lebensmittelindustrie bestimmt ist mit Wasser auf eine sinvolle Konzentration eingestellt wird und anschließend in den Fässern landet. Ist aber nur so eine Idee von mir. Auch erfuhr ich nicht, ob neue oder gebrauchte Fässer verwendet werden. Dem Geschmack des fertigen Produktes nach tippe ich auf neue Fässer.

Das größte geschnitzte Bild in Europa.

Anschließend konnten wir in einem wundervoll ausgestatteten Tastingroom -Schnitzerraum genannt- an welchen sich direkt eines der vier Warehouses anschließt, einen Whisky verkosten (leider im Tumbler, aber was soll's...) und durch Glasscheiben die vollen Fässer in denen der Whisky schlummert bewundern. Der Name des Raumes kommt im übrigen von einem wundervollen Wandbild, welches das Größte handgeschnitzte Wandbild Europas sei. Sogar die Blätter rund herum sind einzeln geschnitzt worden. Dies war auch schon die letzte Station der Führung, es blieb nur noch das "Visitorcentre" in welchem man allerlei Produkte der Destillerie -angefangen bei Schirmkappen und Schürzen über Kugelschreiber und Flachmänner bis hin zum hauseigenen Whisky- erwerben konnte.

Ich habe mich für eine 5-jährige "Single Barrel" (wie es dort genannt wird) Abfüllung entschieden. Das "Standardprodukt" einen Blended kenne ich ja bereits. Außerdem habe ich noch die letzte Flasche einer "Special Edition" ergattert. Diese wurde im Jahr 2008 destilliert (dürfte also ganz zu Beginn der Whisky Produktion gewesen sein) und 2014 abgefüllt. Davon gab es nur rund 400 Flaschen, ich habe die Letzte davon. Außerdem gab es noch eine Mischung von Sherry und Whisky als "Likör/Blended Whisky", den habe ich aber nicht gekauft. Ich liebe zwar Whiskies die in Ex-Sherry Fässern gelagert sind, aber eine Mischung von beiden... Nein danke.

Und wenn ich jetzt jemanden auf den Geschmack gebracht habe, dem seien die Whisky Consultants aus Wien ans Herz gelegt. Michael und Wolfgang bieten das ganze Jahr über (außer Juli/August) sowohl Einsteiger als auch Spezial Whisky Tasting an. Ich bin im übrigen regelmäßig bei den diversen Spezialtasting zu finden. Und im Potstill -nach eigenen Angaben "Austria's finest Whisky Store"- gibt es (fast) alles was das Whiskyherz begehrt.

 

Quellen:

www.wikipdia.org
www.nestvillepark.sk