"Des Kaisers neue Kleider" ?!?

In den Beiträgen "Entweder - Oder", "Schöne neue Welt" und "Gulliver's Reisen" habe ich meine Reise von Canon zu Fuji zu beschreiben. Hier vielleicht ein kurzer Exkurs zu dem Sensor der in den meistem Fuji Kameras verbaut ist.

Fuji X-100T, 23mm, 1/15sec, f/4.0, ISO 6400

Die X100T, die X-Pro 1 und überhaupt alle Kameras der X-Serie (außer der X-A1) besitzen den so genannten Fujifilm X-Trans CMOS Sensor. Dabei handelt es sich um einen APS-C großen 16 Megapixel CMOS Sensor (23,6 x 15,6mm) der, entgegen dem üblichen "Bayer-Muster-Sensor" (der einen optischen Tiefpassfilter benötigt), ein unregelmäßigers Muster besitzt und keinen optischen Tiefpassfiler benötigt. Der Tiefpassfilter ist bei "Bayer-Sensoren" notwendig um ein bei bestimmten Motiven auftretendes Moiré zu verhindern. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn es sich um ein sehr regelmäßiges Muster handelt, zum Beispiel eine Ziegelwand aus größerer Entfernung. Durch den Aufbau "eine Reihe abwechselnd grüne und blaue Pixel" und "eine Reihe rote und grüne Pixel" kann es dadurch zum Auftreten eines Moirés kommen, welches man mittels Tiefpassfilter versucht zu unterdrücken. Der X-Trans Sensor hat in jeder Zeile rote, grüne und blaue Pixel. Aber nicht im ständigen Wechsel (R-G-B) sondern eben anders. Dadurch wird einerseits der Moiré Effekt minimiert und auch die Linienpaare werden dadurch besser aufgelöst. Fujifilm sagt sogar, dass dadurch eine den Vollformatsensoren äquivalente Auflösung zu erreichen. Eine schöne Abbildung beider Matrices findet sich im entsprechenden Artikel bei Wikipedia, auf den ich hier auch gerne verweisen möchte, wenn sich jemand damit vertiefend beschäftigen möchte.

Fuji X-Pro1, XF35mm F2 R WR, 1/60sec, f/4.0, ISO 1600; auf der Photo+Adventure 2015 mit Michael Abraham

Die Idee der Fuji-Ingenieure stammt aus der "guten alten" Analogzeit, da die -damals wie heute- verwendeten Silberhalogenidfilme eine unregelmäßige -zufällige- Verteilung der Kristalle aufweisen und damit die Bildung eines Moiré Musters mehr oder weniger verhindern. Dieses Wissen haben die Ingenieure mit dem heute technisch Möglichen kombiniert und damit den X-Trans Sensor geschaffen. Eine perfekte Kopie eines chemischen Films kann es natürlich nie sein und das soll es natürlich auch nicht sein.  Aber die Fotos die sich mit den aktuellen Kameras der X-Serie machen lassen sprechen glaube ich für sich selbst - und den in ihnen verbauten Sensor. Außerdem, die Kamera (und/oder der Sensor) kann noch so gut sein, wenn der Kopf dahinter nicht weiß was er tut nutzt das alles nichts.

Fuji X-Pro1, 8mm Samyang Fisheye UMC II, 1/30sec, f/5.6, ISO 6400

Als Tribologe und Wissenschaftler interessiere ich mich zwar von Natur aus für Technik, aber gerade im Bereich Fotografie war es mir eigentlich immer - nein, IST es mir - zuwieder mehr über Technik nachzudenken als über das Fotografieren an sich. Daher ist dieser Exkurs in die Sensortechnik als besonders zu bewerten, da es mir - bisher - gelinde gesagt völlig egal war welcher Senor eingesetzt wird. Hauptsache ich bekomme das gewünschte Foto. Das Fuji hier von der "typischen" Struktur abweicht ist -abgesehen mal vom Foveon X3- relativ einzigartig. Unkonventionell, aber der Erfolg gibt ihnen Recht. Begeistert hat mich aber auch ein anderer technischer Aspekt der X-Series Kameras, der JPEG Konverter. Und zwar der, der in der Kamera verbaut ist. Keine Sorge, ich habe schon genug über technische Daten geschrieben, mit der Thematik RAW vs. JPEG befasse ich mich ein anderes Mal.

Fuji X-Pro1, XF35mm F1.4 R, 1/60sec, f/4.0, ISO 800; ganz links in der Vitrine sind die schwarze und silberne Variante des neuen XF35mm F2 R WR zu sehen

Am Ende möchte ich noch ganz kurz über eine Begebenheit auf der Photo+Adventure 2015 sprechen. Im Podcast "WeShootFuji" von Scott Bourne und Marco Larousse hat Scott berichtet, dass er auf der PPE in New York das neue Fujinon XF 35mm f/2 testen durfte. Cool dachte ich mir damals, das würde ich auch gerne können. Als Blogger und Fuji-Enthusiast wäre das wirklich nett, einfach bei einer Foto-Messe zum Fuji Stand zu gehen und sich das Objektiv "einfach" für ein paar Aufnahmen ausborgen zu können. Dass Marco als offizieller X-Photographer immer wieder mit (neuen wie alten) Fuji Dingen spielen darf ist irgendwo klar und auch Scott ist kein Unbekannter in der Fuji Community. Umso begeisterter war ich, als ich am Stand von Fuji das neue Fujinon 35mm erblickte und höflich fragte ob ich es wohl testen dürfe. Ich hätte damit gerechnet, dass mir der freundliche Fujimitarbeiter das Objektiv an eines ausgestellten (und mit Stahlkabeln gesicherten) Fuji Gehäuse montiert um es testen zu können. Stattdessen drückte er mir das Objektiv - nachdem er gesehen hat das ich meine X-Pro 1 dabei habe - einfach mit den Worten "Klar, hier hast du es, lass mir dein Objektiv einfach da und bleib in der Nähe" in die Hand und wandte sich einem anderen Kunden zu. Ich durfte es an *meine* Kamera schrauben und mich damit sogar (ein wenig) vom Stand entfernen, wie cool ist das denn? Danke Fuji für das Vertrauen und danke für die tollen Gehäuse und Objektive! Ich habe nur ein paar Fotos damit gemacht, die optische Qualität stand für mich von vorneherein außer Frage. Mir ging es vor allem um den - in vielen anderen Blogbeiträgen und Artikeln - hochgelobten schnelleren Autofokus. Ja, der Autofokus in dem Objektiv arbeitet merklich schneller als der in seinem "alter" Bruder. Hätte ich mir jetzt so nicht gedacht, aber ich habe tatsächlich gemerkt, dass der Fokus schneller sitzt als beim "Alten". Ob ich mir das Neue hole? Vielleicht, das weiß ich noch nicht. Möglicherweise borge ich es mir mal für ein paar Stunden aus (geht angeblich beim Digitalstore in Wien) und entscheide dann.

aus Wien, Lukas D. Albert für LDAMiAb.com