X100T

"Des Kaisers neue Kleider" ?!?

In den Beiträgen "Entweder - Oder", "Schöne neue Welt" und "Gulliver's Reisen" habe ich meine Reise von Canon zu Fuji zu beschreiben. Hier vielleicht ein kurzer Exkurs zu dem Sensor der in den meistem Fuji Kameras verbaut ist.

Fuji X-100T, 23mm, 1/15sec, f/4.0, ISO 6400

Die X100T, die X-Pro 1 und überhaupt alle Kameras der X-Serie (außer der X-A1) besitzen den so genannten Fujifilm X-Trans CMOS Sensor. Dabei handelt es sich um einen APS-C großen 16 Megapixel CMOS Sensor (23,6 x 15,6mm) der, entgegen dem üblichen "Bayer-Muster-Sensor" (der einen optischen Tiefpassfilter benötigt), ein unregelmäßigers Muster besitzt und keinen optischen Tiefpassfiler benötigt. Der Tiefpassfilter ist bei "Bayer-Sensoren" notwendig um ein bei bestimmten Motiven auftretendes Moiré zu verhindern. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn es sich um ein sehr regelmäßiges Muster handelt, zum Beispiel eine Ziegelwand aus größerer Entfernung. Durch den Aufbau "eine Reihe abwechselnd grüne und blaue Pixel" und "eine Reihe rote und grüne Pixel" kann es dadurch zum Auftreten eines Moirés kommen, welches man mittels Tiefpassfilter versucht zu unterdrücken. Der X-Trans Sensor hat in jeder Zeile rote, grüne und blaue Pixel. Aber nicht im ständigen Wechsel (R-G-B) sondern eben anders. Dadurch wird einerseits der Moiré Effekt minimiert und auch die Linienpaare werden dadurch besser aufgelöst. Fujifilm sagt sogar, dass dadurch eine den Vollformatsensoren äquivalente Auflösung zu erreichen. Eine schöne Abbildung beider Matrices findet sich im entsprechenden Artikel bei Wikipedia, auf den ich hier auch gerne verweisen möchte, wenn sich jemand damit vertiefend beschäftigen möchte.

Fuji X-Pro1, XF35mm F2 R WR, 1/60sec, f/4.0, ISO 1600; auf der Photo+Adventure 2015 mit Michael Abraham

Die Idee der Fuji-Ingenieure stammt aus der "guten alten" Analogzeit, da die -damals wie heute- verwendeten Silberhalogenidfilme eine unregelmäßige -zufällige- Verteilung der Kristalle aufweisen und damit die Bildung eines Moiré Musters mehr oder weniger verhindern. Dieses Wissen haben die Ingenieure mit dem heute technisch Möglichen kombiniert und damit den X-Trans Sensor geschaffen. Eine perfekte Kopie eines chemischen Films kann es natürlich nie sein und das soll es natürlich auch nicht sein.  Aber die Fotos die sich mit den aktuellen Kameras der X-Serie machen lassen sprechen glaube ich für sich selbst - und den in ihnen verbauten Sensor. Außerdem, die Kamera (und/oder der Sensor) kann noch so gut sein, wenn der Kopf dahinter nicht weiß was er tut nutzt das alles nichts.

Fuji X-Pro1, 8mm Samyang Fisheye UMC II, 1/30sec, f/5.6, ISO 6400

Als Tribologe und Wissenschaftler interessiere ich mich zwar von Natur aus für Technik, aber gerade im Bereich Fotografie war es mir eigentlich immer - nein, IST es mir - zuwieder mehr über Technik nachzudenken als über das Fotografieren an sich. Daher ist dieser Exkurs in die Sensortechnik als besonders zu bewerten, da es mir - bisher - gelinde gesagt völlig egal war welcher Senor eingesetzt wird. Hauptsache ich bekomme das gewünschte Foto. Das Fuji hier von der "typischen" Struktur abweicht ist -abgesehen mal vom Foveon X3- relativ einzigartig. Unkonventionell, aber der Erfolg gibt ihnen Recht. Begeistert hat mich aber auch ein anderer technischer Aspekt der X-Series Kameras, der JPEG Konverter. Und zwar der, der in der Kamera verbaut ist. Keine Sorge, ich habe schon genug über technische Daten geschrieben, mit der Thematik RAW vs. JPEG befasse ich mich ein anderes Mal.

Fuji X-Pro1, XF35mm F1.4 R, 1/60sec, f/4.0, ISO 800; ganz links in der Vitrine sind die schwarze und silberne Variante des neuen XF35mm F2 R WR zu sehen

Am Ende möchte ich noch ganz kurz über eine Begebenheit auf der Photo+Adventure 2015 sprechen. Im Podcast "WeShootFuji" von Scott Bourne und Marco Larousse hat Scott berichtet, dass er auf der PPE in New York das neue Fujinon XF 35mm f/2 testen durfte. Cool dachte ich mir damals, das würde ich auch gerne können. Als Blogger und Fuji-Enthusiast wäre das wirklich nett, einfach bei einer Foto-Messe zum Fuji Stand zu gehen und sich das Objektiv "einfach" für ein paar Aufnahmen ausborgen zu können. Dass Marco als offizieller X-Photographer immer wieder mit (neuen wie alten) Fuji Dingen spielen darf ist irgendwo klar und auch Scott ist kein Unbekannter in der Fuji Community. Umso begeisterter war ich, als ich am Stand von Fuji das neue Fujinon 35mm erblickte und höflich fragte ob ich es wohl testen dürfe. Ich hätte damit gerechnet, dass mir der freundliche Fujimitarbeiter das Objektiv an eines ausgestellten (und mit Stahlkabeln gesicherten) Fuji Gehäuse montiert um es testen zu können. Stattdessen drückte er mir das Objektiv - nachdem er gesehen hat das ich meine X-Pro 1 dabei habe - einfach mit den Worten "Klar, hier hast du es, lass mir dein Objektiv einfach da und bleib in der Nähe" in die Hand und wandte sich einem anderen Kunden zu. Ich durfte es an *meine* Kamera schrauben und mich damit sogar (ein wenig) vom Stand entfernen, wie cool ist das denn? Danke Fuji für das Vertrauen und danke für die tollen Gehäuse und Objektive! Ich habe nur ein paar Fotos damit gemacht, die optische Qualität stand für mich von vorneherein außer Frage. Mir ging es vor allem um den - in vielen anderen Blogbeiträgen und Artikeln - hochgelobten schnelleren Autofokus. Ja, der Autofokus in dem Objektiv arbeitet merklich schneller als der in seinem "alter" Bruder. Hätte ich mir jetzt so nicht gedacht, aber ich habe tatsächlich gemerkt, dass der Fokus schneller sitzt als beim "Alten". Ob ich mir das Neue hole? Vielleicht, das weiß ich noch nicht. Möglicherweise borge ich es mir mal für ein paar Stunden aus (geht angeblich beim Digitalstore in Wien) und entscheide dann.

aus Wien, Lukas D. Albert für LDAMiAb.com

"Gullivers Reisen" ?!?

Seit den ersten beiden Teilen meiner Reise von Canon zu Fuji ("Entweder - Oder" und "Schöne neue Welt") sind nun mehrere Monate vergangen. Was gibt es Neues zu berichten, bin ich zu Canon zurück gekehrt oder habe ich meine Canon Ausrüstung verkauft?

Fuji X-Pro1 mit XF 35mm F1.4 R
1/500sec, f/4.0, ISO 200

Kurz und bündig: Nein, verkauft habe ich meine Canon Ausrüstung nicht. Aber seit meine X-Pro1 eingetroffen war, bin ich nur noch mit dieser bzw. meiner X100T herum gezogen um Fotos zu machen. Zusammen mit der Kamera kamen auch zwei Festbrennweiten nämlich das Fujinon XF 35mm F1.4 R und das XF 56mm F1.2 R. Das 35er konnte ich auch gleich ausgiebig in den Strassen Wiens testen, als ich mit Michael den Ing.WALK #005 (B&W Challenge) veranstaltet habe. Ich hatte zwar auch das 56er dabei aber das wäre mir auf der Straße zu lange gewesen. Ich bin mir sicher, dass Michael an dieser Stelle schmunzeln muss, da ich mich nicht nur ein Mal bei ihm "beschwert" habe, dass mir mein Canon 100 - 400mm zu kurz sei. Aber der Wunsch nach langen Objektiven war dem Umstand geschuldet, dass ich mich mit meiner DSLR eher am Rand des Geschehens aufhielt um nicht all zu sehr aufzufallen. Das eine DSLR von Natur aus größer ist -ganz besonders wenn man so wie ich den Hochformatgriff dran hat- und beim Abdrücken eine gewisse Geräuschkulisse erzeugt, ist irgendwie klar. Ich hatte aber beim Fotografieren immer das Gefühl, dass ich die Menschen mit der riesigen Kamera (und den riesigen Objektiven) störe. Und dann kam natürlich noch der -in den aktuellen DSLRs kaum mehr vernehmbaren- Spiegelschlag dazu, der bei meinr 5D auch aus größerer Entfehrnung noch wahrnehmbar war.

Fuji X-Pro1 mit XF 35mm F1.4 R
1/250sec, f/4.0, ISO 200

Durch das Fehlen eines Spiegels inklusive allem was dazu gehört (Spiegelkasten, Dachkantenprisma, Spiegelschlag, etc.) sind die Fuji Kameras (zumindest die X100T und die X-Pro 1) deutlich kleiner und leiser. Die X100T ist wenn der elektronische Verschluss ausgewählt ist fast absolut geräuschlos, nur das Objektiv macht beim Scharfstellen ein Geräusch! Und damit ist für mich auch irgendwie das "Problem" des Störens weniger geworden. Es ist natürlich klar, dass ein Fotograf *immer* jemandem im Weg steht, aber das liegt in der Natur der Sache. Michael sagt dazu immer "Sei die Mitte wenn du fotografierst". Von daher ist es nur logisch, dass ein Fotograf auf den Veranstaltungen die er fotografiert immer irgendwie sichtbar ist. Aber mit einer kleineren Kamera fällt man nicht sofort als Fotograf auf und kann das eine oder andere "Candid" also nicht gestellte Foto so etwas leichter machen. Ach ja, die Objektive von Fuji haben -formatbedingt- auch einen geringeren Durchmesser als Objektive für Vollformatkameras. Daher wirken die Fuji Objektive auch nicht so "aufdringlich", selbst wenn man zu den lichtstarken Varianten (f/2.8 oder schneller) greift. Damit hat sich aber auch mein Verhalten beim Fotografieren verändert. Einerseits hat die X100T kein Zoomobjektiv und andererseits ist sie nicht so riesig und laut. Ich traue mich einfach mehr, weil die Kamera in den Augen vieler nicht so "professionell" wirkt und die Menschen weniger "Angst" vor einem haben. Wer stört sich schon zum Beispiel in der Stadt an einem Touristen mit einer kleinen Kompaktkamera? Oder man wird bei einer Veranstaltung für einen Gast gehalten, der zufälliger weise eine kleine Kamera dabei hat. Jedoch brauchen sie die Bilder aus dieser (und anderen "kleinen" spiegellosen) Kameras nicht hinter denen ihrer "großen Brüder" verstecken.

Fuji X-Pro1 mit XF 35mm F1.4 R
1/500sec, f/4.0, ISO 200

Und dann war da noch die Hochzeit meines Bruders. Viele Fotografen raten davon ab, Hochzeiten innerhalb der Familie zu fotografieren und ich kann auch nachvollziehen wieso sie dieser Meinung sind. Aber schlussendlich habe ich mich entschieden, die Hochzeit doch zu fotografieren. Diese Entscheidung ist allerdings gefallen, bevor ich zu Fuji gewechselt bin. Ich hatte zwar vor die X100T bei der Hochzeit einzusetzen, aber die Hauptkamera wäre meine 5D gewesen. Ich habe lange darüber nachgedacht ob ich die Hochzeit, trotz meines Wechsels zu Fuji mit meiner "alten" und "eingespielten" Ausrüstung oder doch mit meiner "neuen" Ausrüstung fotografieren sollte. Aus vier Gründen habe ich mich dann entschieden, die Hochzeit komplett mit Fuji zu fotografieren. Erstens wäre es nicht konsequent von mir gewesen, zuerst zu wechseln und dann wieder zurück zu gehen. Zweitens konnte ich bis zur Hochzeit genug Zeit mit meinem neuen System verbringen um die notwendige Sicherheit im Handling zu erlangen. Drittens hatte ich vor den Peli-Case mit meiner DSLR Ausrüstung immer in der Nähe zu haben, als Backup sollte etwas mit meinen beiden Fujis sein (so wie Michael neben seiner 5DMkII und 6D auch noch die 40D im Rucksack hatte). Und viertens würde Michael mir sowieso unterstützend zur Seite stehen, was sollte also passieren? 

Fuji X100T (23mm)
1/125sec, f/2.8, ISO 3200

Abgesehen von einem kleinen Missgeschick -der Blitztranciever von Michael rutschte ihm vom Blitzschuh der Kamera (das Ding ließ sich leider nicht -wie die Blitze- fixieren) und überlebte den Aufprall aus etwa 4m Höhe auf dem Steinboden nicht- lief alles mehr oder weniger nach Plan. Und obwohl nur die Batteriefachtüre abgerissen ist, weigerten sich alle Blitze fortan von ihm ausgelöst zu werden. Derzeit liegt das Teil bei mir zerelgt am Tisch, vielleicht lässt sich da noch was richten, es dürfte jedenfalls ein elektronisches Problem sein. Aber ansonsten verlief die Hochzeit ohne nennenswerte Zwischenfälle. Das Wetter wollte nicht ganz mitspielen, aber das lag außerhalb unserer Möglichkeiten. Das Gruppenfoto konnten wir jedoch retten, auch wenn es nicht ganz das "übliche" geworden ist. Haben Michael und ich Momente verpasst? Mit Sicherheit, aber das lag weder daran dass wir nicht aufmerksam gewesen wären, noch an unserer Ausrüstung. Während der Hochzeit passieren so viele Dinge, dass man nur versuchen kann, die schönsten und wichtigsten einzufangen. Alle Momente zu dokumentieren wird einem nie gelingen. Glücklicherweise bekommt das Brautpaar üblicherweise am wenigsten davon mit, die beiden sind nämlich meist so nervös oder mit anderen Dingen beschäftigt, dass vieles einfach an ihnen vorübergeht ohne dass sie es merken. Dafür sind dann die Fotografen (bzw. Videografen) da. Um möglichst viele Momente einzufangen die das Brautpaar an diesem großen Tag sonst nie sehen würde. Wichtig ist es also "nur" die wichtigsten Momente einzufangen, dann hat man schon gewonnen. Und das ist uns beiden mit Sicherheit gelungen.

Fuji X100T (23mm)
1/125sec, f/4.0, ISO 2000

Dass ich nach der Tafel, als das Licht im Saal fast komplett abgeschaltet wurde und die Party begann mit dem Autofokus zu kämpfen hatte ist aber nicht weiter überraschend, ob sich Michael so viel leichter getan hat wage ich zu bezweifeln. Einen Vorteil hatte ich aber, denn Wände waren weiß und wurden von Spots angestrahlt. Dadurch hatte ich im Vergleich zum Hauptmotiv (den tanzenden Gästen) einen relativ großen Kontrastunterschied und das war sehr hilfreich für den Kontrastautofokus. Problematischer waren eher die schnellen Bewegungen der Tänzer. Ich habe mich also immer wieder spontan entschieden auf manuellen Fokus umzusteigen. Und die Menge an unscharfen bzw. nicht brauchbaren Fotos hielt sich (überraschenderweise?) in Grenzen! Und beim Sichten der fast 3.000 Fotos wich die anfängliche Skepsis purer Begeisterung, ich habe nämlich nur bei zwei oder drei Gelegenheiten das gerade gemachte Foto am Kamerabildschirm angesehen. Meist ging es so schnell, dass ich dafür einfach keine Zeit hatte und die Belichtung kontrolliere ich sowieso "live" im Sucher über die Belichtungsanzeige und das Bauchgefühl. Und da Michael und ich -natürlich- in RAW fotografieren, ist es "ausreichend" die Belichtung in einem Bereich von etwa +/- 2/3 Blenden bezogen auf die "optimale" Belichtung zu treffen, dann hat man beim Entwickeln keine Probleme. Das ist aber nicht wirklich ein Problem für uns beide, da wir das eigentlich immer hinbekommen. Nicht ausschließlich, aber gerade die Fotos die ich mit dem XF 56mm gemacht habe sind direkt aus der Kamera bereits so gut, dass es kaum einer "Entwicklung" in LIghtroom bedarf. Und die Schärfe des Objektivs ist einfach nur unglaublich! 

Fuji X100T (23mm)
1/500sec, f/8.0, ISO 800

Abschließend lässt sich folgendes Fazit meiner Reise von Canon zu Fuji ziehen: Etwas Neues zu beginnen ist anfangs immer schwer oder vielleicht sogar beängstigend. Das habe ich selbst schon oft bemerkt, zuletzt als ich Anfang des Jahres bei einem neuen Arbeitgeber zu arbeiten begann. Aber es ist auch spannend, herausfordernd und interessant. Man lernt über seinen eigenen Schatten zu springen und meistens geht es gut aus. Und selbst wenn es einmal nicht gut ausgeht, hat man doch neue Erfahrungen gemacht und einiges gelernt. So geht es mir auch mit Fuji. Die anfängliche Skepsis ob ich überhaupt wechseln sollte -weil eigentlich war ja alles soweit in Ordnung- oder ob ich mit dem neuen System zurecht kommen werde ist schnell einer Euphorie gewichen als ich sah wozu die Fuji Kameras fähig sind, wenn man weiß was man tut. Besonders angetan hat es mir die Kompaktheit meiner beiden Fujis. Und natürlich die Bildqualität, vor allem was Kontrast und Schärfe betrifft. In dieser Hinsicht war mein Umstieg nicht wie befürchtet ein Rückschritt sondern ein Schritt in die richtige Richtung.

by MiAb

Das zeigt sich auch daran, dass ich zumindest eines der beiden Objektive die ich im Blogbeitrag "Schöne neue Welt" auf meinen virtuellen Einkaufszettel gesetzt habe, schlussendlich auch gekauft habe, nämlich das Samyang 8mm (KB 12mm) F2.8 UMC II Fisheye. Das XF 16mm F1.4 R WR (KB 23mm) musste zugunsten meiner Reise nach London zur Whisky Exchange 2015 noch beim Händler bleiben. Im Übrigen, das Bild zeigt meine *komplette* Ausrüstung, ja die kleine Tasche fasst alle meine Kameras und Objektive. Vielleicht komme ich ja dazu, zu dem einen oder anderen Objektiv einen kleinen Testbericht zu verfassen, denn jetzt beginnt ja bald der Advent, die ruhigste und besinnlichste Zeit des Jahres, so sagt man zumindest. Jetzt freue ich mich aber erst einmal auf die Photo+Adventure, die am 21. und 22.November in Wien stattfindet. Michael und ich werden von dort berichten und auch versuchen ein kurzes unterhaltsames Video über die Messe zu produzieren. Und sollte uns das nicht gelingen, wird es zumindest einen Bericht und ein paar tolle Fotos geben.

aus Wien, Lukas D. Albert für LDAMiAb.com

"Schöne neue Welt" ?!?

In meinem letzten Beitrag "Entwerder - Oder" habe ich berichtet wie ich begonnen habe seitdem ich die Fuji X100T mein Eigen nenne mich in Richtung Fuji und weg von Canon zu bewegen. Wie geht es nun weiter? Und werde ich zu Fuji wechseln? Werde ich bei Canon bleiben?

Um es gleich vorweg zu nehmen, ich mag meine Canon 5D und auch die vielschichtigen Einsatzmöglichkeiten. Und obwohl die 5D schon relativ alt ist, bin ich noch immer mehr als zufrieden mit der Bildqualität die ich erhalte. Die Überlegung zu Fuji zu wechseln hat also nichts mit mangelnder Qualität oder einer generellen Unzufriedenheit Canon gegenüber zu tun. Nein, im ersten Moment kam mir sogar der Gedanke "Rückschritt" in den Sinn. Quasi von Vollformat zurück zu APS-C. Aber auch das ist so nicht richtig. Daher beschloss ich, mich umfassend zu informieren, um dann eine -für mich schlüssige- Entscheidung treffen zu können. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ich so viel wie möglich über die Fuji Kameras mit Wechselobjektivsystem wissen wollte. Auf der Suche nach weiteren Informationen, unter anderem ob ich meine bestehenden Objektive von Canon weiter verwenden könnte, bin ich auf die Seite von Marco Larousse gestoßen, nämlich http://fujixfiles.blogspot.co.at! Erst kürzlich begannen Scott Bourne (http://weshootfuji.com) und er einen Podcast zu produzieren, den ich natürlich sofort begonnen habe anzuhören. Auch habe ich die Seiten der beiden nach nützlichen Informationen zu durchforsten begonnen um zu sehen, ob ein Wechsel zu Fuji wirklich das ist, was ich möchte. Nach unzähligen Berichten, Tests und Tipps bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich das Abenteuer zu Fuji zu wechseln eingehen möchte.

Die erste Frage nach meiner Entscheidung lautete daher "Welche Kamera?" Der Wunsch nach einem Fujifilm-X-Trans-Sensor schränkte die Auswahl für den Anfang nicht wirklich ein wie ich feststellen musste. In die nähere Auswahl kamen nach gründlicher Internetrecherche die X-Pro 1, die X-T1 und die X-T10. Und dann war da die Frage nach den Objektiven. Ich habe mich dann letztendlich entschieden, eine X-Pro 1 und ein oder zwei Objektive zu kaufen. Die Kosten dafür halten sich in einem überschaubaren Rahmen und sollte ich das Fuji-System doch nicht so mögen wäre es auch nicht so schlimm die Kamera und die Objektive wieder an den Mann zu bringen. Ein weiterer Grund für die X-Pro 1 (und gegen die X-T1) war die Kompaktheit der Range-Finder Kameras und das ist eines der Merkmale warum ich die X100T so mag. Aber das heißt ja nicht, dass ich nicht irgendwann (auch) eine X-T1 besitzen werde.

Die Wahl der Objektive die ich mir gerne zulegen wollte gestaltete sich da viel einfacher. Zugegeben, die Auswahl an Fujinon Objektiven ist nicht gerade klein (und das ist keine Kritik an Fuji, immer weiter so, die Roadmap für 2015 & 2016 sieht gut aus) aber mir war klar, dass ich für den Anfang nur Festbrennweiten wollte. Da die X100T ein 23mm (KB 35mm) Objektiv besitzt, würde ich diese Brennweite für den Anfang sicher nicht benötigen. Also eine Portraitbrennweite und dazu noch eine "normale" oder etwas "weitwinkeligere" Brennweite. Für Ersteres hat Fuji das XF 56mm F1.2 R (KB 85mm) in seinem Lineup. Auch der zweite Wunsch kann problemlos erfüllt werden. Entweder mit dem XF 35mm F1.4 R (KB 50mm) oder dem XF 16mm F1.4 R WR (KB 23mm). Oder mit Beiden. Somit war klar, welche Linsen und Kamera ich haben möchte. Ach ja, dank des Podcasts "WeShootFuji" bin ich auch noch auf ein 8mm Fisheye Objektiv (KB 12mm) aufmerksam geworden. Aber nicht von Fuji (die haben -noch- keines im Lineup) sonder eines Drittherstellers. Prinzipiell bin ich nicht so der Fan von Fisheye-Fotos aber es gibt durchaus interessante Einsatzmöglichkeiten. Daher wird dies nicht eine der ersten Linsen sein, die ich kaufe, aber ich lasse sie vorläufig auf meiner Liste.

Für den Anfang habe ich mir dann die X-Pro 1 sowie das 56mm und das 35mm geordert und werde mich nun auf das Abenteuer Fuji einlassen. Die größte Hürde wird wohl der Kontrast-Autofokus sein, der eine andere Arbeitsweise als der Phasen-Autofokus der Spiegelreflexkameras hat. Das der Autofokus nicht so schnell sein wird wie der einer Spiegelreflexkamera war mir klar. Aber das andere Arbeitsprinzip des Autofokus ist etwas mit dem man erst lernen muss umzugehen wenn man sein fotografisches Leben lang nur mit Spiegelreflexkameras fotografiert hat. Aber das ist eine Herausforderung auf die ich mich schon freue und ein wenig Erfahrung konnte ich ja schon mit der X100T sammeln.

Ob ich nun bei Fuji bleibe und mir weitere Objektive für die X-Pro 1 kaufe kann ich derzeit noch nicht sagen, aber es ist sehr wahrscheinlich. Ob ich wieder zu Canon zurückkehre oder im Gegenteil meine komplette Canon Ausrüstung verkaufe weiß ich (auch) noch nicht. Aber solche Entscheidungen trifft man nicht sofort, dafür nimmt man sich Zeit. Und aus diesem Grund muss ich leider auf meinen nächsten Beitrag verweisen, den ich hier verfassen werde, nachdem ich einige Zeit mit dem Fuji-System verbracht habe.

Alle Fotos in diesem Beitrag wurden mit der Fuji X-Pro 1  mit dem XF 35mm F1.4 R gemacht.

aus Wien, Lukas D. Albert für LDAMiAb.com

"Entweder - Oder" ?!?

"Warum hast du das getan?" Diese oder eine ähnliche Frage hätte mich aus Michaels Mund nicht überrascht, als wir uns das letzte Mal bei einem Kaffee trafen und ich ihm meine Entscheidung mitteilte. Aber stattdessen überraschte er mich mit "Ja, das macht durchaus Sinn für dich!" Zugegeben, wirklich überrascht war ich über seine Reaktion auch wieder nicht, dafür kenne ich ihn zu gut. Aber ich hätte damit gerechnet, dass er mich zuerst nach meinen Motiven befragt, bevor er sich eine Meinung über meinen Schritt bildet. Offenbar bemerkte er meine Entwicklung bereits frühzeitig und wartete nur darauf, dass ich mich "oute" ;)

 

Begonnen hat meine Reise im Dezember 2014, genauer gesagt am 4.Adventsamstag, als ich mir die Fujufilm X100T gekauft habe. Einen ersten Erfahrungsbericht habe ich hier verfasst. Mit dem Kauf der X100T begann irgendwie ein neues Kapitel in meiner fotografischen Laufbahn. Die letzten Monate vor dem Kauf der X100T habe ich meine Kamera (eine Canon 5D) nur noch mitgenommen, wenn ich sie sicher brauchte. Und selbst dann hatte ich immer irgendwie das Gefühl "unnötig" viel mit mir herum zu schleppen. Nicht das ich ich den Spaß an der Fotografie verloren hatte, in dem Fall würde ich mein ganzes Zeug verkaufen und mir ein neues Hobby suchen, aber ich hatte nicht mehr das Gefühl "einfach nur fotografieren" zu gehen. Ich habe mir immer vorher überlegt, was ich fotografieren will und welche Ausrüstung ich dazu mitnehmen muss/soll. Das ich einfach meine Kamera genommen und losgezogen wäre, kam mir damals nicht in den Sinn.

Wie Michael in seinem ausgezeichneten Beitrag über Hochzeit und Fotografie dargelegt hat, sollte man sich für solche Shootings (und andere) natürlich ordentlich vorbereiten und darauf auchen, alles dabei zu haben was benötigt werden könnte. Das möchte ich auch gar nicht in Frage stellen, aber es tut manchmal einfach nur gut, ohne großen Plan und ohne Ziel mit der Kamera los zu ziehen und Fotos zu machen. Minimalismus pur. Und genau das gelang mir längere Zeit nicht (mehr). Aber dank der geringen Abmessungen und der Einfachheit der X100T -und damit meine ich lediglich, dass die Kamera ein fest verbautes 23mm (entspricht KB 35mm) Objektiv besitzt- gelang es mir immer wieder mal ganz spontan ein paar Fotos zu machen. Das heißt, wenn ich die Kamera nicht daheim vergessen hatte. Anfangs passierte mir dies öfter, weil ich einfach vergessen habe daran zu denken meine X100T einzupacken. Auch hatte ich die 52-Wochen-Challenge von Jenna Martin entdeckt, jedoch muss ich gestehen das ich aufgrund persönlicher Umstände nach ein paar Wochen "aufgeben" musste. Aber die Liste mit 52 Themen hängt noch immer bei mir an der Türe und das eine oder andere Mal suche ich mir ganz spontan ein Thema aus, schnappe meine X100T und ziehe los.

Wie viele die mich kennen wissen, bin ich jemand der einfach schon aus Prinzip im RAW-Format fotografiert. Die Möglichkeiten ein Foto zu retten, weil man sich ein wenig vertan hat -ja, das passiert auch den Besten- sind einfach unglaublich und Speicherplatz (sprich Festplatten und Speicherkarten) kosten heute schon so gut wie nichts mehr um als Argument gegen RAW und für JPEG herzuhalten. Die Herausforderung für mich nach einem Fotoshooting war und ist die Motivation aufrecht zu erhalten aus den gerade eben gemachten Fotos das Beste herauszuholen. Manchmal war das schon recht schwer für mich und meistens lag es daran, dass ich beim Machen des Fotos etwas sah, es sich aber nachher am Bildschirm in Lightroom anders darstellte und nicht ganz dem entsprach was ich eigentlich direkt in der Kamera erreichen wollte. Ich bin ein großer Fan von (starken) Kontrasten, dem Spiel von Licht und Schatten (ja Lichter dürfen bei mir "ausfressen" und Schatten "absaufen") und satten Farben. Mir gelang es jedoch nicht immer, diese Ergebnisse auch direkt aus der Kamera heraus zu erhalten. Ich will nicht behaupten, dass die Kamera dazu nicht fähig wäre, aber die Schuld nur bei mir zu suchen wäre auch nicht ganz richtig. Zumal sich dieses "Problem" seit dem ich die X100T einsetzte fast vollständig gelöst hat. Ja, ich fotografiere noch immer in RAW und ja, ich benutze nach wie vor Lightroom. Aber die Zeit die ich in Lightroom damit verbringe die Fuji-RAW-Dateien zu bearbeiten ist drastisch kürzer als mit den Canon-RAW-Dateien. Warum?

Ich weiß, dass ich auch bei den Canon DSLRs die Möglichkeit habe, gewisse Presets vorzunehmen und damit die Post-Processing-Zeit zu verkürzen. Die Möglichkeit jedoch die "alten" Fuji-Analog-Filme zu simulieren (und dank RAW auch im Post-Processing noch zu wechseln) ist einfach genial. Das war -wie auch schon in meinem Blog-Beitrag vom Dezember 2014 geschrieben- eine der ersten Einstellungen die ich ausprobiert habe und auf "Velvia" stehen gelassen habe. Und die so aus der Kamera kommenden Dateien sind schon sehr nahe an dem, wie ich meine Bilder gerne habe. Ich ertappe mich manches mal dabei, das eine oder andere Bild ohne irgendwelche Bearbeitungen direkt verwenden zu wollen. Und genau das erhöht für mich den Spaßfaktor schon beim Fotografieren selber, da ich weiß, dass ich die Bilder nur noch sehr wenig -oder gar nicht- bearbeiten muss sondern mehr Zeit zum Fotografieren habe. Gut, man mag mir vorhalten, dass ich einfach zu blöd oder zu faul bin, mich mit den verschiedenen Einstellungen einer DSLR (egal welcher Marke) zu befassen. Und möglicherweise stimmt es sogar -zumindest der Teil mit der Faulheit. Aber mal ehrlich, ich will fotografieren und nicht in irgendwelchen Menüs irgendwelche Regler hin und her schieben. Das mache ich dann in Lightroom sowieso ;) Bei der X100T habe ich einfach die Filmsimulation "Velvia" ausgewählt und für viele meiner Fotos passt es auch so. Ich konzentriere mich lieber darauf, meinen Bildaufbau und die Belichtung zu verbessern, das ist schon nicht immer ganz einfach und man lernt ja nie aus.

Wozu das alles geführt hat und ob ich tatsächlich zu Fuji gewechselt bin, werde ich in zwei weiteren Beiträgen beleuchten. Im Übrigen sind alle Bilder in diesem Beitrag mit der Fuji X100T gemacht worden.

aus Wien, Lukas D. Albert für LDAMiAb.com

Paracord

Wasserfall mit Ziegelmuster (für meinen Bruder - er ist Rettungssanitäter, daher die Signalfarben)

Wer kennt sie nicht, die Paracord-Armbänder. Hergestellt aus Paracord - einer Verkürzung von "Parachute Cord", also Fallschirmspringerleine - sind sie der Renner bei Jung und Alt. Aber nicht nur Armbänder (mit Plastikschließen oder ohne), auch Schlüsselanhänger (dann auch gerne Lanyard genannt), Uhrenarmbänder oder Verlängerungen für Zippverschlüsse kann man daraus herstellen. Unzählige weitere Einsatzmöglichkeiten gibt es für dieses ursprünglich von Fallschirmspringern genutzte Seil. Mittlerweile gehört es quasi zur Standardausrüstung von Soldaten, aber auch viele Zivilisten - so wie ich - lieben Produkte aus dem tollen Seil.

Eine Variation des gekreuzten Salamon Bars damit die Schottlandfahne entsteht.

Anleitung für die verschiedensten Muster und Arten von Armbändern, Schlüsselanhänger und so weiter finden sich zu tausenden im Internet. Vor allem Youtube sei hier genannt, ich selbst habe die Kanäle gearsNtools,  Paracordist Creations LLC und Bored? Paracord! abonniert. Außerdem habe ich mir auf Amazon ein Buch mit ein paar Knotenanleitungen zugelegt (dieses hier), damit ich auch "offline" knoten kann...

Die Jubiläumsuhr (5 Jahre) der Whisky Consultants mit einem in ihren Farben geknüpften Armband (Salomon Bar).

Wie kommt ein Fotograf auf die Idee zu knüpfen? Nun, das lag vor allem daran, dass ich mir die süße, kleine Fujifilm X100T zu gelegt habe und mir der mitgelieferte Gurt nicht so gut gefallen hat. Nachdem ich ein wenig geyoutubed habe (oder sagt man da auch gegoogled?) fand ich diese tolle Anleitung. Ja, die Anleitung ist für einen Schrotflintengurt, aber da ich mit meiner Kamera Fotos schieße passt das ja ganz gut. Nachdem ich Google und diverse Foren befragt hatte fand ich schließlich einen Onlineshop in Groß Britannien welcher zu durchaus günstigen Konditionen auch nach Österreich liefert und einen Haufen verschiedenfarbiger Paracords anbietet. Der Shop heißt The Bushcraftstore, ich habe bisher drei Mal dort bestellt. Die Lieferungen kamen sehr schnell an und ich hatte noch keinerlei Probleme. Hoffen wir das es so bleibt.

image.jpg

Nachdem ich mir einige Meter Paracord in Schwarz, Kellygreen (hell) und Huntergreen (dunkel) bestellt hatte entschloss ich mich den Gurt in Schwarz/Kellygreen zu knüpfen. Um den Gurt an meiner Kamera zu befestigen habe ich mir zwei Befestigungsösen - für Gewehre - organisiert. Diese haben einen schön großen ovalen Ring, durch welchen man einiges an Paracord bekommt. Damit diese massiven Metallösen jedoch nicht meine Kamera zerkratzen habe ich noch ein kleines Stück "Verlängerung" geknüpft welche auf der einen Seite mittels einem Zwei-Stängigen-Diamantknoten an der Kamera befestigt ist und auf der anderen Seite eine Öse hat, an welcher ich meinen Gurt leicht ein- und aushängen kann. Zusätzlich habe ich mir dann noch ein Armband geknüpft um meine Gegenlichblende am Gurt zu befestigen, wenn ich sie nicht brauche. Das Armband und die Verlängerung habe ich in Schwarz/Huntergreen genüpft.

Resteverwertung

Durch Youtube inspiriert habe ich noch einige andere Muster - vor allem für Armbänder - gefunden. Bei manchen benötigt man jedoch so genannte "Fids" um das Paracord durch engere Stellen führen zu können. Im Prinzip sind diese "Fids" nichts anderes als eine Nadel die an dem stumpfen Ende eine Öffnung mit Gewinde hat um das abgeflämmte Paracord einschrauben zu können. Da ich nach etwas längerer Suche jedoch keinen Anbiter in Europa geschweige denn Österreich gefunden habe und mir das Bestellen aus den USA a) zu lange dauert und b) viel zu teuer ist (vor allem der Versand...) habe ich in einem DIY (Do-It-Yourself) Anfall beschlossen mir so etwas selbst zu machen.

Rohmaterial & Werkzeug

Mein erster Versuch - aus dem Internet inspirert - bestand darin, einen so genannten Möbelverbinder an der einen Seite so lange zu schleifen, bis der Schraubkopf zur Spitze geworden ist. Diesen Ansatz habe ich jedoch nach dem ersten Stück wieder verworfen. Abgesehen davon, dass mir fast mein Dremel abgeraucht ist, ist das daraus resultierende Stück leider viel zu kurz. Auf der Suche nach Ideen stieß ich bei Obi auf ein Aluröhrchen mit den Dimensionen 6 x 1 mm, also 6mm Außendurchmesser und 1mm Wandstärke. Der daraus resultierende Innendurchmesser von (etwa!) 4mm sollte für Paracords gerade richtig sein. Dank eines Gewindeschneidesatzes war das (M5) Innengewinde auch schnell geschnitten. Aber was macht man mit dem offenen Ende? Zu einer Spitze schleifen geht nicht wirklich, dafür ist der Innendurchmesser zu groß. Auf der Suche nach einer Lösung fiehl mein Blick auf meinen an der Wand hängenden Zubehörschrank. Darin bewahre ich alles mögliche und unmögliche zum Thema Bogensport auf. Also schnell eine der überzähligen Schraubspitzen rausgefischt und getestet. Leider ein Hauch zu groß. Also habe ich mich zusammen gepackt und bin zum Bogensporthändler meines Vertrauens (Bogensport Traxler) gefahren.

Die Einklebespitzen vom BST mit dem Alurohr in richtiger Länge

Die Einklebespitzen vom BST mit dem Alurohr in richtiger Länge

Dort habe ich mich aber nicht für Einschraubspitzen sondern Einsteckspitzen (zum Kleben) entschieden. Wieder daheim angekommen entpuppte sich der Innendurchmesser des Alurohres als zu klein für die Spitzen (hätte ich ihn zuvor gemessen, hätte ich entsprechend dünnere Spitzen kaufen können, aber was solls), daher war Bohren angesagt. Glücklicherweise lassen sich die Enden der Spitzen abbrechen (zur Gewichtsreduktion, somit bekommt man 150/125/100grain Spitzen in einem, je nachdem was man brauch bzw. will, aber ich schweife schon wieder ab) somit musste ich nicht all zu viel bohren. Nachdem das Alurohr passend gemacht wurde, musste ich nur noch den Übergang Rohr-Spitze ein wenig einschleifen, da das Rohr eine Spur dicker war als die Spitze. Das Alurohr ist gute 9cm lang, die Spitze nochmal etwa 2cm. Alles in allem sollte die Länge passen. Ich habe vorsorglich 4 Spitzen gekauft aber nur 2 verbaut. Also kann ich bei Bedarf noch längere oder kürzere "Fids" basteln. Mit einem Stückpreis von 2,40€ sind die Spitzen nicht gerade ein Geschenk, man sollte jedoch bedenken, dass diese für den Bogensport gefertigt werden und eine sehr geringe Gewichtstolleranz aufweisen, was für die Flugbahn des Pfeiles sehr wichtig ist, wie jeder Bogenschütze weiß. Das Alurohr selber war mit unter 3€ auch im erträglichen Bereich, vor allem da es sich um ein Rohr von einem Meter länge handelt. Somit komme ich wohl auf einen Preis von etwa 5€ pro Paar (ohne meine Arbeitszeit, aber ich bin ja ein leidenschaftlicher Heimwerker, wer achtet da schon auf die Zeit?). In den diversen Onlineshops muss man durchschnittlich 10-15$ (plus Versand) bezahlen, also bin ich mit meiner Variante sicherlich billiger dran. Einziges Manko: Der Innendurchmesser ist doch einen Hauch zu groß für die Paracord, man muss das Ende "richtig" abflämmen damit sie gut hält. Aber für meinen ersten Versuch bin ich ganz zufrieden.

Das fertige "Paracord 1st response Kit"

Zusätzlich habe ich mir aus einem alten Alu-Köfferchen (da waren früher Poker-Chips drinnen) ein "Paracord 1st response Kit" gebastelt. Zuerst habe ich mir eine Möbelrückwand entsprechend zugeschnitten, dann alle Teile schön angeordnet und für die Befestigungsschnüre (alles natürich Stilecht aus Paracord-Abfall) Löcher gebohrt. Schnüre in der richtigen Länge durch und auf der Rückseite gut abgeflammt. Fertig!

Knüpfbank für Armbänder

 Doch damit nicht genug, für meinen Gurt für die X100T habe ich einfach ein 40mm Kantholz als "Knüpfbank" verwendet, bei welchem ich die beiden Verschlüsse in der richtigen Entfernung angebracht habe. Für die Armbänder etwas zu lang konstruiert habe ich beschlossen mir auch für die Armbänder (vor allem die mit Plastik-Schnellverschluss) ein entsprächendes Gerät zu basteln. Das Ergebniss kann sich durchaus sehen lassen (das Werkstück habe ich noch mit dunkelbrauner Holzbeize eingelassen, da ich verschiedene Holzarten verwendet hatte - was halt so da war - damit es auch etwas gleich schaut) und das Knoten ist damit wesentlich einfacher als "nur" mit den Händen.

aus Wien, Lukas D. ALBERT für LDAMiAb.com