Throwback Wednesday

Lieber Freund, 

letztens beim Zusammenräumen sind mir zwei meiner alten Compact Flash Karten in die Hände gefallen. Zwei Compact Flash Karten, wow, toll denkst du dir jetzt. Warum schreibe ich über zwei gefundene CF Karten? Was ist das besondere an einer 16GB und einer anderen Karte? Nun, schau dir das Bild genau an (wenn du darauf klickst, wird es größer!). Vor allem die rechte untere Ecke der Karte...

Zwei sehr alte CF Karten

Dort ist - zwar etwas schwer, aber doch - zu lesen "MB". Uuuuups, das ist keine 16 Gigabyte Karte, das ist eine 16 MEGAbyte Karte! Also ein Gigabyte besteht aus 1024 Megabyte, wie du weißt. Eigentlich sind 1024 MiB genau 1 GiB und 1000 MB sind genau 1 GB, aber das sind Spitzfindigkeiten. Deswegen wollte ich dir dieses schon archaische Fundstück zeigen. Sie stammt aus der Zeit, als ich mit den ersten digitalen Kameras spielte. Sie war bei der Canon PowerShot A70 dabei. Die A70 war zwar nicht meine erste Kamera, das war die PowerShot A200, aber meine erste mit "echtem" Zoom (die A200 hatte nur ein 4-fach digital Zoom).

Die PowerShot A200 habe ich mir Ende 2002 gekauft. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber ich glaube ich habe damals über 200€ für diese Kamera bezahlt. Dabei war keine CF Karte, die musste ich mir für horrende Summen noch extra dazu kaufen. Ich konnte den Verkäufer zu einem - für mich - unschlagbaren Deal überreden und bekam eine 64 MB CF Karte recht günstig dazu. Meine derzeitige Kamera (die Fuji X100T)  könnte auf diese Karte gerade mal ein Foto schreiben, wenn sie denn überhaupt einen CF Slot hätte. Mit der 16 MB Karte wäre nicht einmal ein Foto möglich gewesen, die Dateigröße liegt im RAW Format bei 35MB. Klar, wenn ich rein JPEG schieße, würden sich ein paar Fotos ausgehen. Nicht all zu viele, da sogar ein JPEG zwischen 5 und 9 MB verbraucht. Aber damals waren 64 MB schon viel. Später als ich mir dann die A70 gekauft habe (und die 16 MB CF Karte dazu bekam), musste ich bald von der 64 MB Karte auf eine 128 MB und dann 256 MB Karte (die Hintere auf dem Bild) vergrößern. Schließlich hatte sich der Speicherbedarf für ein Foto von unter 1 MB bei der A200 auf knapp 2 MB bei der A70 verdoppelt! Das waren noch Zeiten! Damals - als sich die Festplattengrößen noch tatsächlich im Megabyte Bereich bewegten - kam es wirklich auf jedes Kilobyte (1024 KiB = 1 MiB, ...) an. Die A70 konnte 155 JPEG groß (also 2048 x 1536) in "Super Fein" auf die 256MB Karte quetschen, bei "Fein" waren es 277 und bei "Normal" sogar 551 Fotos. Vielleicht sollte ich mal eine aktuelle CF Karte einlegen, aber vermutlich wird der Zähler laaaaaange bei "999" stehen bleiben (nein, er bleibt erst bei "9999" stehen; Canon hat schon damals vier Stellen für die Anzeige der verbleibenden Fotos reserviert!). Das tolle an CF Karten ist nämlich, dass der Controller in der Karte sitzt, bei SD Karten sitzt er im Gerät. Das heißt, das sogar die alte A70 mit aktuellen CF Karten funktioniert! Bei (älteren) Kameras war oft zu lesen "SD Karten bis xx GB", weil der Controller in der Kamera nicht mit mehr Speicher umgehen konnte. Da nutzt es mir heute wenig, dass ich Karten im dreistelligen GB Bereich bekomme, wenn der Controller nur 4 GB verwalten kann, ist dort Schluss. Hier die Tabelle mit den möglichen Fotos bei einer Kapazität von 256 MB, 1, 4 und 8 GB!

Anzahl an Bildern bei unterschiedlichen Qualitäten und CF Größen

Anzahl an Bildern bei unterschiedlichen Qualitäten und CF Größen

Mit der A200 haben wir damals im Urlaub ein sehr lustiges (Familien) Video gedreht, das ich aber hier nicht verlinken werde ;) Die Auflösung betrug unglaubliche 160 x 120 Pixel (bei 20fps!) und die Clips mussten alle kürzer als 26 Sekunden sein. Trotzdem habe ich aus den Clips mit nachträglicher Vertonung ein super lustiges Video zusammen gestellt, das sogar (noch) meine Neffen und Nichten begeistert. Gerade das ist es, was ein gutes Foto (oder Video) ausmacht. Wenn der Inhalt begeistert, Emotionen auslöst, ist die Qualität eigentlich nebensächlich. Damals waren die Spezifikationen der beiden Kameras nicht schlecht. Eine Review schrieb damals sinngemäß, dass die A70 einen opulenten Umfang an Funktionen mitbringt. Hier eine kleine Gegenüberstellung der Spezifikationen der A200, der A70 und der X100T. Dies soll nur zeigen, wie rasant die Entwicklung im Bereich digitale Fotografie in den letzten 11-12 Jahren vorangeschritten ist.

Vergleich Canon A200 & A70 mit der Fujifilm X100T

Vergleich Canon A200 & A70 mit der Fujifilm X100T

In manchen Bereichen (z.B. der Displaygröße)  ist der Unterschied von den Zahlen her nicht so großartig ("nur" eine Verdopplung auf 3"), aber sieh dir mal das 1,5" Display neben meiner X-Pro1 an. Schon mächtig der Unterschied, oder? Bei der Verdopplung der Bildschirmdiagonale, bekommt man nämlich die 4-fache Fläche! Und natürlich ist die Bildschirmauflösung auch gestiegen. Aber nicht um das 4-fache sonder um das 13(!)-fache! Von 78.000 Pixel bei der A70 auf 1.040.000 Pixel bei der X100T! Der Sensor der A200 hatte nur doppelt so viele Pixel, wie das Display meiner X100T, bei der A70 sind es "immerhin" drei Mal so viele...

Links die Fujifilm X-Pro1 mit 3" Display, rechts die Canon PowerShot A70 mit 1,5" Display

Links die Fujifilm X-Pro1 mit 3" Display, rechts die Canon PowerShot A70 mit 1,5" Display

Trotz des ganzen Fortschritts in den letzten Jahren sind wir oft (noch immer) nicht zufrieden mit der Kamera die wir gerade haben. Mir ist es ja auch jahrelang so ergangen. Kaum war eine neue Kamera am Markt, wurde die eigene auf einmal "schlecht". Aber dem ist nicht so. Ganz im Gegenteil! Warum ist die Bildqualität (zum Beispiel) auf einmal nicht mehr gut genug, wenn sie das vorher war? Mag schon sein, dass die neue Kamera eine bessere Bildqualität hat. Aber dadurch wird die Bildqualität meiner Kamera nicht schlechter. Der Sensor ist ja noch immer der gleiche. Als ich das begriffen hatte, setzte ein gewisses Zufriedenheitsgefühl ein. In Wirklichkeit reden uns nur die Marketingstrategen ein, dass wir die neue Kamera, den neuen Blitz, ... unbedingt brauchen. Natürlich fotografiere ich nicht mehr mit den beiden alten Kameras, aber ich versuche gerade, die A70 wiederzubeleben um sie meinem Neffen zu schenken. 

Ist es nicht einfacher, oder sogar besser, gleiche eine neue Kompaktkamera zu kaufen? Ich denke nicht. Warum? Nun, meine Nichte hat von mir die Canon PowerShot G10 bekommen, nachdem ich mit die X100T zugelegt hatte (die G10 hatte ich mir gekauft, weil mir meine 5D zu groß zum immer dabei haben war). Diese Kamera ist schon etwas Fortschrittlicher als die A70, da mag man es noch eher verstehen, wenn man diese "recycelt", aber die A70 ist ja schon Antik. Stimmt schon, aber gute Fotos können damit auch gelingen. Mir hat es jedenfalls (damals) gereicht. Und für den Anfang ist es glaube ich sogar besser, nicht gleich mit dem Besten zu beginnen. Viel wichtiger ist es am Anfang, zu lernen was es mit der Bildgestaltung auf sich hat. Was macht ein "gutes" und was macht ein "nicht so gutes" Foto aus? Wie bekomme ich eine bestimmte Stimmung auf mein Foto? Was kann ich tun, wenn das Foto nicht so aussieht wie ich es will oder mir erwartet hatte?

Die Canon PowerShot A70

Die Canon PowerShot A70

Viele neue Kameras haben hunderte mögliche Szenarien einprogrammiert und versuchen (mit mehr oder minder großem Erfolg) zu erraten, welches Szenario am Besten passt. Das ist für Schnappschüsse sicherlich toll, aber mal ehrlich, wie oft sieht man sich diese Fotos (vom letzten Sommerurlaub) nachher nochmal an? Einmal, damit die Familie es auch sieht, und dann? Verschwinden sie auf nimmer wiedersehen im Datennirwana der immer größer werdenden Festplatten. Ich möchte aber, dass meine Neffen und Nichten (wenn es sie interessiert) nicht einfach nur auf den Auslöser drücken, sondern vorher bereits darüber nachdenken, ob es sich überhaupt lohnt, oder was ich mit diesem Foto dokumentieren möchte. Klar werden sie am Anfang "nur" Schnappschüsse machen, aber nachdem wir uns immer wieder zusammen setzen, die Fotos auf den PC spielen und darüber sprechen, hoffe ich ihren Blick für diesen "Decisive Moment" zu schärfen. Ich frage meine Nichte öfter "Warum hast du dieses oder jenes Foto gemacht?" oder, nachdem sie sich die "Besten" die wir dann drucken ausgesucht hat, "Warum gerade diese 3 und nicht dieses, dieses und dieses?". Natürlich wähle ich immer Fotos aus, die nicht so gut sind wie ihre Auswahl. Damit sie eine Blick dafür bekommt, warum sie gerade die Fotos gewählt hat. Meistens erfolgt (so wie bei mir) die Entscheidung aus dem Bauch heraus, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Entscheidungen (zumindest bei mir) meist die Besten sind.

"Odie", Teichalm 2005 (Canon PowerShot A70)

Am Ende kann ich Zusammenfassend folgendes feststellen: Ich hatte mit der A200 und der A70 damals einen riesen Spaß, zumindest wird mir das heute immer mehr bewusst. Unser Familienvideo "Die gestohlenen Ohrringe" schaue ich mir heute noch gerne an und denke an die tolle Urlaubszeit (wir haben das Video in Kärnten und Italien "gedreht") zurück. Vielleicht sollte ich auch mal wieder in den Fotos von damals wühlen, wer weiß, vielleicht entdecke ich ja die eine oder andere Perle darunter. Oder vielleicht spornt mich das eine oder andere Foto an, mal wieder dorthin zu fahren und zu schauen, ob ich das Foto nachstellen kann. Oder ob sich schon zu viel dort geändert hat und es jetzt ganz anders aussieht (was auch interessant sein kann!) Ich hoffe mein Neffe hat mit dieser alten Kamera genau so viel (oder sogar mehr) Spaß, als ich ihn damals hatte. Und es spricht ja nichts dagegen, im Laufe der Zeit die Kamera durch eine Modernere zu ersetzen. Aber auf diesem Wege lernen die beiden, dass man im Leben nicht immer das Neueste und Beste haben muss, sondern das man auch aus bzw. mit etwas Altem noch immer Tolles schaffen kann, wenn man nur will! Bis zum nächsten Mal, Dein

 
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