To Photoshop or not to Photoshop

Kürzlich habe ich ein etwas langes aber interessantes Video zu einem Mondfoto gesehen. Die Seite Fstoppers zeigte ein Foto (dieses hier; edit 11.02.2018: offenbar wurde das Foto von der Seite genommen. Am 07.02.2018 war es noch abrufbar) von Peter Lik mit dem Titel: How fake is this photo by Peter Lik und ihr findet es unter diesem Link: Fstoppers

Da ich selbst über Umwege in die Fotografie gefunden habe und der größte Umweg sich für mich Astronomie/Astrofotografie nennt hat mich das Foto natürlich beschäftigt.

Um hier erst mal ein paar Dinge klarzustellen: ich bin selber kein Fan von Photoshop. Es handelt sich um ein mächtiges Werkzeug und ich bestaune jeden der damit umgehen kann, ich selbst zähle mich jedoch nicht dazu. Lightroom ist das Bildbearbeitungswerkzeug meiner Wahl, da es hierbei nicht um extensive Bildmanipulation wie bei Photoshop sondern hauptsächlich um Entwicklung von Rohdateien geht.

Was sind nun die offensichtlichen Kritikpunkte:

Die Wolken scheinen auf dem Foto teilweise hinter dem Mond zu sein. Das ist natürlich nicht möglich aber es könnte sich um eine optische Täuschung handeln.

Das Licht passt nicht zusammen. Der Dynamikumfang der Szene kann so nie in einem Foto eingefangen werden oder das Licht scheint aus unterschiedlichen Richtungen zu kommen. Natürlich sind die Kritikpunkte berechtigt aber es kann immer zu optischen Täuschungen kommen. Man beachte dabei: Der Mond kann fotografisch als eigene Lichtquelle betrachtet werden. Vollmond haben wir wenn die uns zugewandte Seite des Mondes vollständig beleuchtet wird. Das wäre wie ein Reflektor der sich genau auf einer Linie zur Hauptlichtquelle befindet. Zugegeben soll hier erwähnt sein: mit einem Reflexionsvermögen von 12% (in der Astronomie auch Albedo genannt) ist der Mond ein grauenhafter Reflektor. Unserem Zentralgestirn (der Sonne) sei Dank bedeuten diese 12% jedoch eine beachtliche Lichtmenge. Das macht es schwer die Realität von Manipulation zu unterscheiden.

Der Mond und der Vordergrund können nie gleichzeitig im Fokus der Optik sein. Natürlich sollte dies schwer zu bewerkstelligen sein aber auch hier gilt: es gibt keinen Vergleich. Die Entfernung vom Vordergrund ist nicht bestimmbar und somit lässt sich dieser Punkt weder einfach bestätigen noch von der Hand weisen.

Nun zu meiner Meinung:

Im allgemeinen gilt in der (Astro-)fotografie das Mond und Sonne pro 100 mm Brennweite einen Durchmesser von circa einem Millimeter auf dem Film oder Sensor einnehmen. Damit also ein 24 x 36 mm Vollformatsensor mit dem Vollmond bedeckt werden braucht man also eine Brennweite von 2000 bis 2500 mm. Dies deckt sich auch mit meiner eigenen Erfahrung. Mann müsste also daraus schließen, dass das Foto bei einer Brennweite von 2500 bis 3000 mm gemacht wurde. Dies für viele Fotografen nicht einfach zu bewerkstelligen. Hier kommen wir in den Fotografischen Bereich wo Spiegelteleskope im Vorteil sind. Die sogenannten Schmidt-Cassegrain oder Maksutov-Cassegrain Teleskope mit einer freien Öffnung von 8 bis 10 Zoll (ca. 200 bis 250 mm Spiegeldurchmesser) weisen typischerweise eine Blende von 10 bis 15 auf und wären hierfür geeignet. Das bedeutet, dass etwa 1000 bis 2000€ nur in die Optik investiert werden müssen und durch das Gewicht der nötigen Montierung und des Stativs, die Kamera sicher nicht mehr einfach ins Gebirge getragen wird. Es ist also machbar aber nicht trivial.

Der Mond ist hier nahe dem Horizont und wird durch Streuung in gelbliches Licht getaucht. Wer den Mond oft fotografiert, kann bestätigen das hier die Luft die wir atmen uns das leben schwer macht. Nie war es mir möglich so einen schönen klaren Blick oder gar ein Foto des Mondes nahe des Horizonts zu erhalten. Der runde Mond sieht hier durch Luftturbulenzen meist "verbeult" aus. Ein Kompositfoto ist also deutlich wahrscheinlicher als ein Rohfoto. Außerdem sind um die Zeit des Vollmondes nur mit deutlicher Erhöhung der Kontraste die Details auf der Oberfläche klar erkennbar. Dies liegt einfach daran das es kaum Schatten gibt da der Mond sehr gleichmäßig ausgeleuchtet wird.

Photoshop oder nicht. Ist es nicht egal?

Ja und nein. Wie gesagt ist Photoshop ein mächtiges Werkzeug und soll gerne verwendet werden. Also spricht nicht gegen die Verwendung. Wenn man aber ein Kompositfoto erstellt sollte man dazu stehen. Immer wenn ich über ein Foto höre: kein Photoshop, läuten bei mir die Alarmglocken. Zu oft habe ich erlebt, dass Bildmanipulation unter diesen Worten versteckt wird oder schlechte und mäßig brauchbare Fotos auf diese Weise in besseren Licht erscheinen sollen. Daher meine Bitte: unterstützt so etwas nicht in dem ihr darauf reinfällt. Benutzt eure Augen, lasst euch von der Kunst inspirieren.

 nahezu Vollmond aufgenommen bei 1000 mm Brennweite. Nur mit deutlicher erhöhung der Konstraste sind bei Vollmond die Details der Oberfläche deutlich erkennbar.

nahezu Vollmond aufgenommen bei 1000 mm Brennweite. Nur mit deutlicher erhöhung der Konstraste sind bei Vollmond die Details der Oberfläche deutlich erkennbar.

 Eines meiner eigenen Kompositfotos - Hier der Stephansdom mit dem Mond

Eines meiner eigenen Kompositfotos - Hier der Stephansdom mit dem Mond

 Rohfoto bei Halbmond und kurz vor der Dämmerung. Deutlich sind hier die Oberflächendetails an der Tag-Nach-Grenze (Terminator genannt) des Mondes erkennbar.

Rohfoto bei Halbmond und kurz vor der Dämmerung. Deutlich sind hier die Oberflächendetails an der Tag-Nach-Grenze (Terminator genannt) des Mondes erkennbar.