Peter Dressler - Wiener Gold

Lieber Freund,

Ausstellungsansicht "Peter Dressler. Wiener Gold" © KUNST HAUS WIEN 2016, Foto: Thomas Meyer

Ausstellungsansicht "Peter Dressler. Wiener Gold" © KUNST HAUS WIEN 2016, Foto: Thomas Meyer

Michael und ich lieben es ja, (vor allem Foto) Ausstellungen zu besuchen. Erste Adressen hier in Wien sind dafür mit Sicherheit das Kunst Haus Wien, das Museum am Karlsplatz und das Bank Austria Kunstforum. Die letzte Ausstellung die wir besuchten, und über die dieser Artikel sein wird, war "Peter Dresser - Wiener Gold" im Kunst Haus Wien.

Ich finde es toll, durch Ausstellungen, aber auch Museen zu gehen. Das gedimmte Licht, die ehrfürchtige Stille, der knarrende Holzfußboden (im Kunst Haus Wien, Architekt: Friedensreich Hunderwasser!), die Zeit vergessend durch die Hallen wandeln. Einfach toll. Und nebenbei kann man auch noch viel lernen. Michael und ich machen es normalerweise so, dass wir uns am Eingang voneinander verabschieden und wer immer als Erster fertig wird, wartet am Ausgang auf den Anderen :) So fühlt sich nicht einer genötigt, schneller oder langsamer durch die Ausstellung zu gehen, als er möchte.

P. Dressler, Aus Zwischenspiel, 1970-74 © Fotohof Archiv

P. Dressler, Aus Zwischenspiel, 1970-74 © Fotohof Archiv

Nun aber zu Peter Dressler und "Wiener Gold". Noch bis zum 5.März kannst du die Ausstellung besuchen die "mit einer ersten Retrospektive in Wien das Werk Peter Dressler, ein Werk in dem die Stadt Wien eine zentrale Position einnimmt." würdigt. Die Fotografien aus seiner Frühzeit zeigen Wien und zwar dort "wo noch die Substanz, Qualität, schlechthin die Magie des Alltäglichen in hohem Maß vorhanden ist", wie er selbst sagte. Fahrscheine und Eintrittskarten gehören zur Retrospektive ebenso wie "Burli", sein Hund. Zuerst in Natura, später dann auch aus Karton gebastelt und an den verschiedensten Orten seiner Fotografien in Szene gesetzt. Später dominieren Selbstportraits beim "Tennisspielen" im leeren Semper-Depot ebenso wie beim Abstauben diverser Malereien oder als Koch.

Mit kraftvollem Humor verlebendigt er gefundene und erfundene Szenarien durch seine Person und artikuliert kunstgeschichtliche wie auch gesellschaftliche Zusammenhänge und menschliche Verhaltensweisen.
— Presseinformation Kunst Haus Wien
P. Dressler, Aus Tie Break, 1996 © Fotohof Archiv

P. Dressler, Aus Tie Break, 1996 © Fotohof Archiv

Ich muss zugeben, dass ich mit solchen Formulierungen nicht allzu viel anfangen kann. Wenn es dir da genau so geht, lass dich davon nicht abschrecken und sieh dir die Ausstellung einfach an. Letztens war ich dann noch bei der Veranstaltung "Zwischenspiel" im Kunst Haus Wien. Ein "Foto-Talk" mit Leo Kandl, einem Freund und Weggefährten Peter Dresslers, der bereits 2013 verstorben ist. Gerald Matt führte wortgewandt durch den Abend und versuchte Leo Kandl die eine oder andere Anekdote zu entlocken. Viel kann ich dir darüber nicht schreiben, es war jedoch ein netter Abend. Ein wenig erinnerte mich Leo Kandl an den Fotografen Saul Leiter. Freundlich aber zurückhaltend, ehrlich aber wortkarg. Gerald Matt gelang es jedoch einige interessante Dinge freizulegen. Auf die Frage der Direktorin des Kunst Haus Wien ob er die Fotografie (er ist wie Peter Dressler Fotograf) als Handwerk oder doch eher als Kunst sieht, antwortete er nur, dass es beides sein kann und manchmal auch ist. Aber er freut ihn, dass man seine Werke durchaus als Kunst ansieht.

Hier noch drei Zitate aus dem Gespräch, die mir in Erinnerung geblieben sind. Wundervoll ehrlich und auf den Punkt gebracht. Ich war oft an Saul Leiter erinnert (hier mein Artikel über Saul Leiter), ich muss mir auch definitiv die Werke Leo Kandls mal näher ansehen.


Über seinen (und Peter Dresslers) Bildstil, nicht immer nur das "nette" Wien zu zeigen:

Wien kann nicht nur so g’mütlich sein, da muss auch was anderes sein.
— Leo Kandl

Leo Kandl fotografiert (noch immer) analog (mit einer Linhofkamera. Und er wird auch nicht (mehr) umsteigen. Warum dem so ist, erklärt er so:

Es ist halt etwas anderes - ein Bild am Schirm und am Papier.
— Leo Kandl

Auf die Frage was wohl sein bestes Werk sei:

Das wichtigste ist wohl die Familie
— Leo Kandl

Bis zum nächsten Mal, alles Gute, Dein