Fujifilm X100T Review

Ich liebäugelte bereits seit längerem mit der Fujifilm X100T, aber nachdem Adam Lerner über die Kamera sehr positiv berichtet hat bin ich am 4.Adventsamstag in die Stadt gepilgert und habe mir die Kamera beim Digitalstore Vienna näher angesehen und mich dazu entschlossen sie zu kaufen. Mit Ausnahme der Bilder von der Kamera selber und dem Sucherbild (no na...) sind alle Bilder in diesem Beitrag mit der Fujifilm X100T gemacht worden (Einstellung "Velvia") und wurden nicht nachbearbeitet!

Da am darauf folgenden Montag der Ing.WALK #004 anstand habe ich das Wochenende genutzt um mich mit der Kamera ein bisschen vertraut zu machen. Das beigelegte Handbuch erklärt gerade mal die wichtigsten Funktionen, das Onlinehandbuch (ist auch als PDF verfügbar) ist da schon ausführlicher. Das PDF ist quasi ein Ausdruck des Onlinehandbuches, leider sind die einzelnen Punkte im Inhaltsverzeichnis nicht verlinkt, zumindest bei mir passiert nichts, wenn ich darauf klicke. Nicht so toll, aber so lange man einen Internetzugang hat nutzt man einfach das Onlinehandbuch.

Über die Spezifikationen lasse ich mich an dieser Stelle nicht aus, die kann sich jeder online (zum Beispiel auf der Seite von Fujifilm) selber ansehen. Ja, die Fujifilm X100T wird als "Premium Kompaktkamera" geführt, aber man sollte nicht den Fehler machen zu glauben dass es eine "einfache" Kompaktkamera ist . Aber eines nach dem Anderen!

Was diese Kamera so besonders macht (abgesehen vom Preis) ist die Tatsache, dass sie ein Objektiv mit einer fixen Brennweite von 23mm (35mm KB) und einer Offenblende von 2.0 hat. Möchte man den Bildausschnitt verändern, muss man laufen ;) Und wechseln lässt sich das Objektiv auch nicht, eine Tatsache über die man sich vorher im Klaren sein sollte, bevor man über 1.000€ ausgibt. Aber daraus resultiert auch gerade der große Vorteil dieser Kamera. Das Objektiv und der Sensor sind perfekt -und ich meine WIRKLICH perfekt- auf einander abgestimmt. Und Offenblende f/2.0 ist auch wirklich sehr sehr weit offen! Absolut cool.

Ein weiteres cooles Feature ist die "Filmsimulation". Die X100T kann nämlich die "alten" analogen Filme von Fuji simulieren. Um genau zu sein "Provia", "Velvia", "Astia", "Classic Chrome", "Pro Neg Hi" und "Pro Neg Low", sowie ein paar Variationen von Schwarz-Weiß mit und ohne Farbfilter. Da ich selber ein Fan von kontrastreichen und bunten Fotos bin habe ich mich natürlich sofort auf die Einstellung "Velvia" gestürzt.

Das absolute Highlight ist aber der Hybrid-Sucher der entweder ein optischer Sucher, ein elektronischer Sucher oder eine Mischung aus beidem sein kann. Das Foto rechts zeigt den optischen Sucher mit dem Bildausschnitt (großer Rahmen), dem Fokuspunkt bei unendlich (kleines Quadrat in der Mitte) und bei ca. 50cm (nur die Eckpunkte, leicht nach rechts und unten versetzt). Dazu kommt noch ein Gitter das den goldenen Schnitt anzeigt. Die grüne Linie ist eine Wasserwaage, wenn man nicht in der Waage ist wird die Linie weiß und zeigt die Waagrechte an. Oberhalb und auf der linken Seite des Rahmens sind diverse Einstellungen und Parameter dargestellt und unterhalb befindet sich die Anzeige für Belichtungszeit, Blende und ISO. Zusätzlich ist noch die Belichtungswaage und darüber ein Entfernungsmesser zu sehen. Dieser zeigt nach erfolgter Fokussierung die Entfernung auf die scharf gestellt wurde und die Schärfentiefe. Im linken unteren Eck ist noch ein Live-Histogramm eingeblendet und rechts unten ist ein Teil des Objektives zu sehen. Die Vignettierung des äußeren Rahmens kommt von der Optik des iPhones, das ich für diese Aufnahme verwendet habe, in Realität ist es ein "richtiges" Rechteck mit geraden Kanten. Über einen kleinen Hebel an der Vorderseite der Kamera lassen sich die verschiedenen Suchermodi umschalten. Mein Favorit ist jedoch der hier abgebildete optische Sucher.

Nachdem ich die Kamera nun ein wenig im Feldeinsatz testen konnte komme ich zu folgendem Fazit:

  • Die Bildqualität ist über jeden Zweifel erhaben. Tolle Farben und Kontraste (vor allem mit der Filmsimulation "Velvia")!
  • Bildrauschen ist nicht feststellbar, zumindest bis ISO 5.000 (mehr habe ich noch nicht verwendet)!
  • Der Hybrid-Sucher ist genial.
  • Das Konzept mit dem die Belichtungszeit am oberen Einstellrad und Blende am Blendenring eingestellt wird (so wie früher) ist cool, bedarf aber einer gewissen Eingewöhnungszeit.
  • Kompakt, aber nicht zu klein.
  • Viele Einstellmöglichkeiten, da ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Ist die Kamera für jeden? Definitiv nicht! Man sollte schon ein Fotoenthusiast sein und verstehen wie Blende, Belichtungszeit und ISO zusammenhängen. Und man sollte einen Hang zur Nostalgie haben, die Kamera erinnert (vor allem die silberne Version) sehr stark an die alten 35mm Kameras und das macht irgendwie den Charme aus mit dieser Kamera zu fotografieren. Zwar bietet die Kamera auch einen Automatikmodus, aber sie dafür zu verwenden ist schon fast zu schade, denn das nützt ihr Potenzial kaum aus! Außerdem bekommt man deutlich günstigere Kameras die in Vollautomatik auch ansehnliche Ergebnisse erzielen können.

Würde ich die Kamera wieder kaufen? Ja, definitiv! Ist die Kamera ihren stolzen Preis von 1.199€ wert? Ja, ich denke schon. Zumindest wenn man so ein fotobegeisterter Mensch ist wie ich. Ja, um den Preis bekomme ich eine Spiegelreflexkamera mit dem einen oder anderen Objektiv. Und ja, mit der kann ich mit Sicherheit auch sehr gute Bilder machen. Das liegt aber vor allem daran, dass ich etwas vom Fotografieren verstehe. Jemand der Licht und Komposition versteht kann mit jeder Kamera gute Bilder machen. Aber die Ergebnisse hängen natürlich auch -aber eben nicht nur- von der verwendeten Kamera ab. Und die Fujifilm X100T ist definitiv -was die Bildqualität und das Rauschen betrifft- vielen (Einsteiger) Spiegelreflexkameras überlegen. Wer mit einer festen Brennweite leben kann, kommt hier voll auf seine Kosten. Es ist nämlich ein ganz anderes Fotoerlebnis, wenn man die Brennweite und den Bildausschnitt nicht einfach so durch eine kleine Drehbewegung ändern kann. Aber das ist Stoff für einen anderen Beitrag bzw. für einen weiteren Ing.WALK!

Falls sich jemand von der Qualität der Bilder selber überzeugen möchte, HIER geht es zu einem Dropboxordner in dem ich drei RAW Dateien hochgeladen habe. Viel Spaß beim Pixel-Peepen! Die Dateien unterliegen der nebenstehenden Lizenz! Wenn ihr das eine oder andere Bild selbst entwickelt würde ich mich freuen, wenn ihr es auf meiner Facebookseite postet!

aus Wien, Lukas D. ALBERT für LDAMiAb.com